Wie teuer ist die Ausstattung für I-Dötze? Mutter Cornelia Kühnel erzählt vom Einkauf zur Einschulung.

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Der sechsjährige Thomas-Agathon mit seinen Schulsachen: Fast 200 Euro hat die „Erstausstattung“ gekostet.

Der sechsjährige Thomas-Agathon mit seinen Schulsachen: Fast 200 Euro hat die „Erstausstattung“ gekostet.

Andreas Fischer

Der sechsjährige Thomas-Agathon mit seinen Schulsachen: Fast 200 Euro hat die „Erstausstattung“ gekostet.

Wuppertal. Hätte sie nicht so gute Laune, würde Cornelia Kühnel wohl leise seufzen. Die Plastiktüte ist groß, der Inhalt eher gering. "Wenn ich das in Markpreise umrechne, wird mir ganz anders", sagt sie. Dann lacht sie: "Das mache ich heute immer noch." Kühnel war einkaufen. Statt schicken Klamotten trägt sie an diesem Tag Hefte, Stifte und Sammelmappe nach Hause. Die Ferien neigen sich dem Ende zu - und am Montag wird Sohn Thomas-Agathon (6) vom Kindergarten in die Grundschule wechseln. Für ihn ein wichtiger Schritt im Leben. Für seine Mutter ein teures Vergnügen.

Der Farbkasten muss Markenware sein, meinen die Lehrer

Denn die Schule hat bereits eine lange Liste geschickt, was der Sechsjährige in seinen Ranzen packen sollte. Neben Wachsmalfarben, Knete und Anspitzer auch ein Wasserfarb-Malkasten. Die Wasserfarben aber nur als Markenprodukt - sagen die Lehrer. Kühnel kennt das schon von ihrer älteren Tochter, die nach den Ferien die siebte Klasse besuchen wird. "Da strahlen die Farben heller, sagen die Lehrer", sagt sie. Das sei wichtig. Leuchteten die Farben nicht, verlören die Kinder schnell die Lust am Kunst-Unterricht.

Kühnel hält sich an den Rat der Schule - doch das kostet. Etwa 50Euro muss sie allein für Unterrichtsmaterialien ausgeben. Kein Klacks, findet die Mutter.

Hinzu kommen Federmappe, Tornister, Turnbeutel. Da hat Kühnel schon im Winter zugeschlagen. Aussuchen durfte die Sachen ihr Sohn. "Ich habe nur darauf geachtet, dass die Tonne leicht ist. Das war mir wichtig. Die Kinder müssen so viel schleppen." Tatsächlich wiegt der Tornister fast nichts. Was das Aussehen angeht, wollte Thomas-Agathon Rennwagen auf der Tonne. Die bekam er - und den Tornister als Weihnachtsgeschenk. Der Preis fürs Set mit Mappe und Turnbeutel: 120Euro.

"Um zu sparen, muss man die Zeit haben und sich kundig machen."

Cornelia Kühnel, Mutter

Sicher, sagt Kühnel, gebe es Tornister auch günstiger. "Dann sind die Tonnen aber in der Regel schwerer." Auch böten Discounter an Aktionstagen Schulmaterialien günstig an. "Um zu sparen muss man aber die Zeit haben und sich kundig machen", sagt die Mutter. Drei oder vier Jahre, schätzt sie, wird der Tornister den Sohn zur Schule begleiten. Dann steht ein Neukauf an. "Länger halten die Tonnen in der Regel nicht." Dass Kinder aus benachteiligten Familien mit 100Euro bezuschusst werden, ist Kühnel bewusst. "Ich denke, damit kann man auskommen", sagt sie. "Es gibt auch günstig schöne Tonnen. Das sind dann allerdings keine Markentornister."

Die Schultüte ist gebastelt - das ist persönlicher

Doch Tornister und Materialien sind nicht die einzigen Dinge, die Kühnel zum Schulstart des Sohnes anschaffen muss: Thomas-Agathon spielt Fußball, doch für den Turnunterricht braucht er Schuhe mit heller Sohle und Klettverschluss. Und dann ist da noch die Schultüte. Die hat die Mutter gemeinsam mit dem Sohn gebastelt. Kosten: 20Euro. "Rohling und Verzierung waren teurer, als wenn ich die Tüte gekauft hätte", schätzt sie.

Macht alles insgesamt gut 200Euro für den Start in de Schullaufbahn. Was die Mutter zum Kalkulieren zwingt, ist Thomas-Agathon allerdings egal. Er fiebert dem ersten Schultag entgegen - mit Rennwagen. Das ist die Hauptsache.

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