Stephan Grünewald berichtet über Fehlentwicklungen im Berufsalltag.

Wuppertal. „Neue Kommunikation“ heißt in diesem Jahr das Leitthema des Marketing Clubs Bergisch Land. Beim ersten Treffen 2014 in der Junior Uni führte der Bestsellerautor und Psychologe Stephan Grünewald, der sein neues Buch „Die erschöpfte Gesellschaft – warum Deutschland neu träumen muss“ vorstellte, Mitglieder und Gäste durch den Abend.

Die deutsche Gesellschaft ist im Dauer-Betriebszustand

Ein sensibles Thema, welches der Referent auf eine humorvolle, aber auch sehr ernste Weise den Gästen vor Augen führte. Er erklärte, dass die Gesellschaft erschöpft sei vom ständigen Gehetze im Beruf, im Alltag und sogar in der Freizeit. Der deutsche Bürger sei praktisch immer im Betriebsmodus, abrufbar. Trotzdem komme man nicht vom Fleck. Das Hamsterrad laufe immer weiter. Wenn gar nichts mehr geht, spreche man vom „Burn-Out“.

Vom Werkstolz zum Erschöpfungsstolz

Dabei unterschied Stephan Grünewald zwischen Werkstolz und Erschöpfungsstolz: „Früher war man glücklich etwas geschaffen zu haben, der Journalist freute sich über seinen Artikel, der Schreiner über seinen Tisch, das nannte man den Werkstolz“, so der Autor. „Heutzutage spricht man eher vom Erschöpfungsstolz. Das bedeutet, dass man sich gegenseitig überbietet, wer sich wohl am Tag mehr ausgepowert hat, ob der Mann bei der Arbeit oder die Frau mit den Kindern zu Hause – oder anders herum natürlich.“ Die Lösung sei der Mut zum Träumen, um sich zu entfalten und sich selber zu fragen, was man wirklich will.

„Einfach mal aus dem Fenster schauen.“

Stephan Grünewald warnt vor dem ständigen Betriebsmodus im Berufsalltag.

Träumen sei die Voraussetzung, um kreativ und innovativ zu werden. „Einfach mal bei der Arbeit zwischendurch aus dem Fenster gucken und entspannen. Die Probleme für einen Moment ausblenden“, so der Psychologe Stephan Grünewald. Das heiße nicht, dass man weniger arbeiten solle, sondern anders. „Man ist viel produktiver, wenn man nicht unter Druck arbeitet, den man sich selber macht. Und den Gedanken mal ausschalten, immer mehr geben zu wollen“.

Dass die Junior Uni als Veranstaltungsort gewählt wurde, passte zu dem Thema des Abends. Denn dort wollen die Dozenten den Kindern Spaß am Lernen und Forschen Vermitteln – ohne Noten und den üblichen Leistungsdruck.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer