Gericht: Seniorin aus Solingen steht vor dem Landgericht Wuppertal. Sie gilt als älteste Dealerin Deutschlands.

Die Angeklagte 85-Jährige wollte am Dienstag  vor Gericht nicht fotografiert werden. Ihre Anwälte schirmten sie von den Fotografen ab.
Die Angeklagte 85-Jährige wollte am Dienstag vor Gericht nicht fotografiert werden. Ihre Anwälte schirmten sie von den Fotografen ab.

Die Angeklagte 85-Jährige wollte am Dienstag vor Gericht nicht fotografiert werden. Ihre Anwälte schirmten sie von den Fotografen ab.

Andreas Fischer

Die Angeklagte 85-Jährige wollte am Dienstag vor Gericht nicht fotografiert werden. Ihre Anwälte schirmten sie von den Fotografen ab.

Solingen/Wuppertal. Die Kapuze ihres beigefarbenen Mantels hat sie tief ins Gesicht gezogen. Gebeugt schreitet sie zwischen ihren Verteidigern, die sie mit Akten vor dem Blitzlichtgewitter abzuschirmen versuchen, zur Anklagebank. Denn das Medieninteresse an ihr ist groß: Mit ihren 85 Jahren gilt die Solingerin als vermutlich älteste Drogendealerin Deutschlands. Seit Dienstag steht sie wegen Drogenhandels vor dem Landgericht Wuppertal.

Angeklagte wollte Drogensucht von Sohn und Enkel finanzieren

Drei Generationen der Familie sollen laut Staatsanwaltschaft an den Drogengeschäften beteiligt gewesen sein. Neben der 85-Jährigen sind auch ihr Sohn (50) und ihr Enkel (25) angeklagt, beide sind einschlägig vorbestraft und befinden sich seit ihrer Festnahme Anfang August 2009 in U-Haft. Seit 30 Jahren hänge ihr Sohn "an der Nadel", sei schwerst heroinabhängig, sagt sein Verteidiger. Die 85-Jährige galt hingegen bislang als unbescholten, führte ein bürgerliches Leben. Irgendwann habe sie sich in den Drogensumpf hineinziehen lassen. Um den totalen Absturz ihres Sohnes und ihres ebenfalls drogensüchtigen Enkels zu verhindern, soll die betagte Dame schließlich nach Kräften mitgeholfen haben, dessen Drogensucht zu finanzieren.

Ihr unverdächtiges Äußeres war dabei wohl nützlich: In Kaffeepaketen soll die Solingerin laut Anklage Heroin von Holland nach Deutschland geschmuggelt haben. Ihre Wohnung diente den Ermittlern zufolge als Drogen- und Geldversteck. Nach einem Tipp und monatelanger Beschattung war die Ermittlungskommission "Rente" der Seniorin im vergangenen Spätsommer auf die Schliche gekommen.

Bei der Festnahme beschlagnahmten die Ermittler drei Kilogramm Heroin im Wert von 70 000 Euro und eine kleinere Menge Kokain. Ein Sondereinsatzkommando stieß damals auf eine Drogenküche und zwei scharfe Schusswaffen.

Beim Prozessauftakt sprach die ängstlich dreinschauende Rentnerin am Dienstag kein einziges Wort. Unter ihrem Mantel schälte sich eine gepflegte, zierliche, schüchterne alte Dame mit grauer Kurzhaarfrisur hervor. Zum braunen Pulli trug sie einen cremefarbenen Schal. "Es geht ihr körperlich und psychisch nicht gut, aber sie will sich dem Verfahren stellen", sagt ihre Anwältin Isabell Schemmel.

Im Falle einer Verurteilung können der Rentnerin und den Familienmitgliedern 5 bis 15 Jahren Haft drohen. Ein Urteil wird nach weiteren neun Verhandlungstagen Ende März erwartet.

19 Mal soll die alte Dame selbst aus den Niederlanden Rauschgift nach Solingen geholt haben, 15 Mal brachen laut Anklage Sohn und Enkel bzw. auch der Rollstuhlfahrer zu einer solche Tour auf. Das hatte die 85-Jährige bereits gestanden und blieb daher auf freiem Fuß.

Nach einer Stunde war der erste Prozesstag schon wieder vorüber

Der erste Verhandlungstag war nach nur einer Stunde auch schon wieder vorüber: Weil sich ein Mitangeklagter (29) per Attest krankgemeldet hatte und auf der Anklagebank fehlte, konnte nicht einmal die Anklage verlesen werden. Laut psychiatrischem Gutachter soll der depressiv verstimmte Mann den großen Medienrummel gescheut haben, der zum Prozessauftakt im Schwurgerichtssaal 147 des Landgerichts herrschte. Das Gericht musste sich vertagen. Zum nächsten Verhandlungstag am kommenden Dienstag soll der auf einen Rollstuhl angewiesen Mann nun notfalls auf einem Liege-Rollstuhl von der Polizei vorgeführt werden.

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