Professor Heinz Bude referierte im Kontakthof über die „Stimmung der Gereiztheit“. Die AfD sieht er bei den Wahlen bei rund sieben Prozent.

Professor Heinz Bude referierte rund 60 Minuten.
Professor Heinz Bude referierte rund 60 Minuten.

Professor Heinz Bude referierte rund 60 Minuten.

Andreas Fischer

Professor Heinz Bude referierte rund 60 Minuten.

Wuppertal. „Die Stimmung der Gereiztheit, Populisten, Fatalisten und ein unentschiedenes Publikum“ war der Titel des Vortrags, zu dem in der Reihe „Wuppertaler Köpfe“, Professor Heinz Bude, Inhaber eines Lehrstuhls für Makrosoziologie an der Universität Kassel, referierte. Im Kontakthof an der Genügsamkeitstraße ging der gebürtige Vohwinkeler auf Einladung des SPD-Bundestagsabgeordneten Helge Lindh der Stimmung der Gereiztheit auf den Grund.

Er führte an, dass laut Umfragen die meisten Befragten ihre persönliche Situation und die ihrer Kinder positiv einschätzen, die Gesamtlage aber negativ bewerten. „Wie kann das Ganze schlecht sein, wenn es einem selbst gut geht?“, fragte Bude. Die meisten der 55- bis 75-Jährigen zweifelten daran, dass ihre Nachkommen den derzeitigen Lebensstandard langfristig halten könnten, was ein Klima der Unsicherheit erzeuge. Gespräche mit Kollegen aus dem Ausland hätten dagegen ergeben, dass Deutschland durchaus als Globalisierungsgewinner angesehen wird. „Eure Sorgen möchten wir haben“, hieße es, so der Professor in seinem spannenden Vortrag, in dem er auch über die drohende Aufspaltung des Mittelstandes und daraus resultierender Missstimmung sprach.

Akademische Bildung garantiere keinen höheren Lebensstandard

„Da gibt es Akademiker-Haushalte, die rund 8000 Euro netto im Monat verdienen und andere, die über eine ähnliche Vorbildung verfügen, müssen mit weniger als einem Drittel auskommen.“ Er erklärte aber auch, dass eine akademische Bildung nicht automatisch einen höheren Lebensstandard garantiere.

Im Umgang mit den Populisten, speziell der AfD, mahnte der Referent Gelassenheit an und prognostizierte für sie bei den anstehenden Wahlen nicht mehr als sieben Prozent der Wählerstimmen. „Auch wenn Wilders, Le Pen und die Rechtspopulisten in Dänemark erheblich an Stimmen gewinnen, sollten wir in Deutschland gelassen bleiben“, riet Bude. Stimmungen dürften nicht ignoriert werden, und hier hob er das Auftreten des SPD-Kanzlerkandidaten Martin Schulz hervor. Der plädiere für soziale Gerechtigkeit und wolle die mitnehmen, die sich zurück gelassen und unverstanden fühlten. Dabei führte Bude auch das „Dienstleistungs-Proletariat“ an, das unorganisiert in festem Vollzeit-Arbeitsverhältnis sei, aber dennoch kaum das Nötigste zum Leben habe. Auch das seien die Menschen, die keine Perspektiven sehen und anfällig für rechte Parolen sein würden.

Nach Ende des Vortrages schloss sich eine von Helge Lindh moderierte Diskussion mit Professor Bude, dem SPD-Landtagsabgeordneten Andreas Bialas und dem Publikum an. In dem saß auch der Schauspieler und Tatort-Kommissar Harald Krassnitzer, der dafür plädierte, den Unverstandenen und Ungehörten zu vermitteln, dass auch sie ein wichtiger Teil der Gesellschaft sind.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer