Der Germanist Prof. Heinz Rölleke sprach zu seinem 80. Geburtstag über die Bedeutung der Zahlen in der Kunst des Abendlands.

Der Germanist Prof. Heinz Rölleke sprach zu seinem 80. Geburtstag über die Bedeutung der Zahlen in der Kunst des Abendlands.
Prof. Heinz Rölleke – vor Matei Chiaia, Stefan Neumann, Andreas Meier und Lambert T. Koch.

Prof. Heinz Rölleke – vor Matei Chiaia, Stefan Neumann, Andreas Meier und Lambert T. Koch.

Stefan Fries

Prof. Heinz Rölleke – vor Matei Chiaia, Stefan Neumann, Andreas Meier und Lambert T. Koch.

Wuppertal. Dem Klischee nach haben Geisteswissenschaftler, wenig bis nichts mit Zahlen am Hut. Wer Prof. Heinz Rölleke zuhört, fragt sich, woher das kommt. Zwar sagt der emeritierte Germanist und Märchenforscher, er habe „herzlich wenig Ahnung von Mathematik“, hält aber dann doch einen Vortrag über Zahlen in der Geistesgeschichte. „Von der Vierzig und der Fünf - Was Zahlen in der abendländischen Kunst bedeuten können“ war das Thema seines Festvortrags im Vortragssaal der Bergischen Universität. Anlass war 80. Geburtstags Röllekes im vergangenen Jahr.

„Die Zahl Drei liegt den verschiedensten Kulturen im Blut.“
Heinz Rölleke, Germanist, über die Bedeutung der Zahlen

„Warum dieses Datum“, warum der 18. Januar, fragte Heinz Rölleke. „Das war mir zunächst schleierhaft“, aber dann habe er etwas recherchiert und sei darauf gekommen: An eben diesem Tag wurde immer der preußische Adlerorden verliehen – weil Friedrich III. sich an einem 18. Januar selbst gekrönt hatte. Und auch das Deutsche Reich wurde 1871 an jenem Tag in Versailles gegründet. „Also: Ich fühle mich geehrt“, sagte Rölleke scherzend.

Rölleke ist für seinen Humor bekannt. Das betonte auch der Rektor der Uni, Lambert T. Koch, in seiner Begrüßung vor knapp 50 Gästen. Koch zitierte eine alte Pressemeldung, in der Rölleke als einer der Väter der Universität bezeichnet wurde.

Professor Andreas Meier, der unter Rölleke promovierte, sagte, er sei einer der wissenschaftlichen Ur-ur-ur-Enkel der Gebrüder Grimm – weil einer deren Schüler der Lehrer eines Lehrers eines Lehrers von Rölleke war. Rölleke sagte, das sei gar nicht so weit hergeholt. Seine Methoden glichen denen der Grimms durchaus. Und auch die wussten um die Zahlen und deren Bedeutung, wie Rölleke in seinem Vortrag anschnitt.

Es ging um die Dreizehn, die Vierzehn, die Drei, Vier, Fünf und Vierzig. Rölleke nutze die großen Geister, die bekannten Namen, um die Bedeutung der Zahlen in der Kunst verständlich zu machen.

Heinz Rölleke, der 1974 nach Wuppertal gerufen wurde, baute die Bergische Universität mit auf. Etwa als Dekan des Fachbereichs Sprach- und Literaturwissenschaften von 1976 bis 1978. 2002 schied er aus dem aktiven Dienst aus. Er veröffentlichte mehr als 70 Bücher.

1985 erhielt er den Preis der Akademie für Kinder- und Jugendliteratur Volkach. 1999 wurde ihm der Brüder-Grimm-Preis der Philipps-Universität Marburg überreicht. 2004 erhielt er das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse, 2006 den Reichelsheimer Märchenpreis..

Richard Wagner etwa. Der nahm etwa die Anzahl der Buchstaben seines Namens – 13 – und sein Geburtsjahr – 1813 – zum Anlass, sein Leben danach auszurichten. „Das konnte ja kein Zufall sein.“ Er schrieb seine Werke immer am 13. eines Monats, führte sie an diesen Tagen auf und eröffnete die erste Bayreuther Festspiele an einem 13. Er schrieb 13 Opern. Und – „für alle Zweifler“ – starb an einem 13.

Gleiches gilt für Johann Sebastian Bach - nur mit der 14. Im Barock, der Zeit von 1600 bis 1770, waren Musik und Mathematik ein Fach, erklärte Rölleke. „Die Zahlen mussten stimmen.“

Aber schon davor waren Zahlen von äußerster Wichtigkeit – im Kontext von Religion und Philosophie. Rölleke spannte den Bogen bis in die Antike und die Entstehungszeit der Bibel. Erklärte die Drei, die Zahl des Göttlichen, wie die Vier, die Zahl des Irdischen. Er verwies auf die Dreifaltigkeit und die drei indischen Götter, die der Römer und der Germanen. „Das liegt den verschiedensten Kulturen gleichsam im Blut.“ Die Vier verweise auf alles Irdische, die vier Himmelsrichtungen, die vier Elemente und vier Mondphasen.

Ein Sonderfall sei die Fünf. Die sei kaum in der Bibel zu finden - außer bei den fünf Wundmalen Jesus. Das habe man gemacht, um die sexuelle Konotation der Zahl zu überdecken. Die kannte man aber noch später, so Rölleke. Sie tauche etwa im einzigen vulgären Märchen der Gebrüder Grimm auf. „Den Namen verrate ich Ihnen aber nicht, sonst suche sie das alle heraus“, scherzte er. Jedenfalls gehe es um eine Katze, die Witwe geworden sei. Die Suche jetzt nach einem Kater - mit fünf Schwänzen.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer