Was war das für ein Sommer. Kurz und bündig verwöhnte uns der komplette Juli mit ungeahnten Hitzerekorden und bescherte den Eisdielen saisonale Umsatzrekorde. Die Wuppertaler Freibäder profitierten allerdings kaum von den Wetterkapriolen, weil sich ganz überraschend böswillige Keime ins Wasser gelassen hatten und den weiteren Schwimmverkehr boykottierten. Hilft halt nichts, wenn der Wurm drin ist, denn gegen eine chemische Vergiftung der schützenswerten Tierchen wären vermutlich die Umweltverbände wieder Sturm gelaufen. Ein Hurrikan fegt auch über das bezaubernde Schwobeländle. Die sonst eher einfarbigen Bewohnerle von Schtuagard verlassen ihr trautes Heisle, um auf der Straße gegen die Tieferlegung ihres Kopf-Bahnhofs zu demonschtriere. Millionen Volksschullehrer und Designer protestieren mit der ganzen Familie gegen das Millionengrab und verschaffen den Politikern einen mächtigen Brummschädel. Sollte das Volk tatsächlich begriffen haben, dass es etwas bewirken kann? Bei uns im Tal ist dagegen der Widerstand gegen den Umbau des Döppersbergs zu einem Frühlingslüftchen verkommen. Eigentlich schade, denn wenn die Gegner des Umbaus in Elberfeld wirklich mal Ernst gemacht hätten, wären wir womöglich Brennpunktthema in der Tagesschau. Die Werbewirksamkeit solcher Aktionen ist ungleich größer als das Strangulieren eines Fiats am Schwebebahngalgen.

Nachdem die WSV-Kicker zu Saisonbeginn noch auf die Tabellenspitze schielten, stürzte das Team danach standesgemäß ab. Alles wie immer also. Da für neues Personal kein Geld da ist, sucht man jetzt mit einer pfiffigen Aktion den zwölften Mann. Ein engagiertes Projekt, das zur Attraktivität des Viertligisten beitragen soll. Wie aber muss man sich einen solchen Typen vorstellen? Mit 140 Aufnähern an der Jeansjacke und mittelschwer betrunken? Oder vielleicht lieber als charismatischen Vertreter im Außendienst, der zu runzeligem Bratgut und schalem Bier dem müden Kick beischläft? Oder doch lieber als holde Maid mit ondulierten Engelslöckchen, die dem harten Männersport die zarte, weibliche Note verleiht? Denn um Fußball geht es im Zoo-Stadion längst nur noch am Rande. Wer Spiel, Sport und Spannung sucht, geht entweder zum Handball oder als Zuschauer zu einer öffentlichen Ratssitzung. Aber nicht nur beim WSV gehen die Lichter aus. Jetzt wird endlich das benachbarte Sonnborner Kreuz aus Kostengründen verdunkelt. Kein Problem, denn beide sind sicher keine Augenweide und schon gar kein Lichtblick. Und womöglich steckt hinter dieser Entscheidung sogar knallhartes Kalkül. Im Dunkeln hat nämlich der Pleitegeier keine Orientierungsmöglichkeiten und überfliegt das Tal der Depression. Ehrenwort.

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