Im Kleingartenverein Waldfrieden ist in einer Parzelle eine Belastung mit Schadstoffen festgestellt worden. Das ist kein Einzelfall.

Im Kleingartenverein Waldfrieden ist in einer Parzelle eine Belastung mit Schadstoffen festgestellt worden. Das ist kein Einzelfall.
In einigen Wuppertaler Kleingartenanlagen sind bereits in der Vergangenheit hohe Schadstoff-Belastungen gemessen worden. In einem Altlastenkataster werden sie festgehalten. Symbol

In einigen Wuppertaler Kleingartenanlagen sind bereits in der Vergangenheit hohe Schadstoff-Belastungen gemessen worden. In einem Altlastenkataster werden sie festgehalten. Symbol

Carmen Jaspersen/dpa

In einigen Wuppertaler Kleingartenanlagen sind bereits in der Vergangenheit hohe Schadstoff-Belastungen gemessen worden. In einem Altlastenkataster werden sie festgehalten. Symbol

Abschalten, Natur und Ruhe genießen, Pflanzen und Gemüse anbauen - diese Dinge werden mit Kleingartenanlagen üblicherweise verbunden. Eine Kleingärtnerin der Anlage Waldfrieden beschäftigt aber ein ganz anderes Thema: Schadstoffe im Boden.

Pächterin entdeckte Müll und Schlacke unter Terrasse

Sie hatte bereits im Herbst 2016 unter einer Terrasse ihrer Parzelle Müll und Schlacke gefunden. Rückstände, die üblicherweise bei der industriellen Produktion zurückbleiben, erklärt Reinhard Gierse vom Geschäftsbereich Umwelt der Stadt. An dieses hatte sich die Parzellenbesitzerin gewandt. Das Umweltamt hat dieses Jahr eine Untersuchung der gesamten Parzelle in Auftrag gegeben. Als „Hauptbelaster“ sind erhöhte Blei-Werte gemessen worden. Außerdem wurden erhöhte Werte bei PAK (Polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe) und PCB (Polychlorierte Biphenyle) gemessen worden. Letztere seien in Wuppertal bisher kein Thema gewesen, so Gierse. Auch nicht bei einer vorherigen Untersuchung der Kleingartenanlage, die bereits in den 90er Jahren durchgeführt wurde. Beide Schadstoffe können in kleinen Mengen krebserregend wirken. „Aber je mehr ich aufnehme, desto höher wird das Risiko“, so Gierse.

In der betreffenden Parzelle gibt es Schadstoffe, die aufgenommen werden könnten, aber die Grenzwerte werden unterschritten. Nach dem Bodenschutzrecht bestehe durch die in der Anlage Waldfrieden gemessenen Werte keine unmittelbare Gefahr, erklärt Gierse. Und doch herrsche im Boden nicht „Friede, Freude, Eierkuchen“. Daher sind an die Kleingärtner Empfehlungen gegeben worden, um die mögliche Aufnahme von Schadstoffen möglichst zu reduzieren.

Dazu gehört beispielsweise gründliches Händewaschen nach der Gartenarbeit oder angebaute Möhren gründlich zu schälen. Generell empfiehlt Gierse, Hochbeete zu nutzen. Außerdem kann darauf geachtet werden, Obst oder Gemüse anzubauen, das keine Schadstoffe aufnimmt. Dazu gehören etwa Äpfel oder Himbeeren.

Wer für die Verschmutzung verantwortlich ist, könne nicht nachvollzogen werden. Die Abfälle könnten in den letzten 100 Jahren dort entsorgt worden sein. Durch 200 Jahre Industriegeschichte habe Wuppertal einen ganz anderen „Schadstoff-Hintergrund“ als ländlichere Regionen. Die Tallage habe dabei für die Schadstoffe wie eine Art Trichter gewirkt. Daher wurden in einem Altlastenkataster 14 000 Flächen erfasst. Betroffen sind auch mehr als hundert Kleingärten.

Besonders in den Böden der Kleingartenanlagen Varresbeck und Lüntenbeck sind hohe Schadstoff-Werte gemessen worden. „Diese sind auf Deponien errichtet worden“, sagt Gierse. Bei einem Projekt, an dem unter anderen die Uni Bochum und das Landesumweltamt beteiligt waren, sind dort spezielle Mittel eingesetzt worden, die die Schadstoffe stärker binden sollen.

„Unser Ziel ist es, nicht zu verharmlosen und nicht zu dramatisieren“, sagt Reinhard Gierse. Es gebe im Tal aber tendenziell eine hohe Bleibelastung – Gierse rate daher davon ab, Pilze in den Waldgebieten zu pflücken. In der Kleingartenanlage Waldfrieden wurden zwei Parzellen in Nachbarschaft des betroffenen Gartens bereits untersucht, ohne dass PCB gefunden wurde. Zur Sicherheit werden weitere Untersuchungen in der Kleingartenanlage folgen, so Reinhard Gierse.

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