Mehr als 100 Menschen folgten der Einladung zur Generalprobe des Sinfonieorchesters.

Aktion
Etwa 20 Nationen waren als Gäste in der Historischen Stadthalle vertreten.

Etwa 20 Nationen waren als Gäste in der Historischen Stadthalle vertreten.

Anna Schwartz

Etwa 20 Nationen waren als Gäste in der Historischen Stadthalle vertreten.

Wuppertal. Die obligatorische Generalprobe gilt für das Wuppertaler Sinfonieorchester zum guten Ton. „Vor jedem Konzert finden insgesamt sechs Probentermine statt“, sagt der Orchestermanager, Frank Lefers, bevor es für die Sinfoniker mit Hochspannung auf die Bühne geht.

Am Samstagabend sollte die Generalprobe in der Historischen Stadthalle für die beiden Sinfoniekonzerte Sonntag und heute anders ausfallen als bisher gewohnt: In Kooperation mit der Initiative „In unserer Mitte“ lud das Sinfonieorchester Flüchtlinge aus Wuppertal und der Region ein. Mehr als 100 Menschen waren dem Angebot gefolgt. Gemeinsam sorgten sie für einen interkulturellen Abend, der von schwingenden Flügeln getragen wurde.

„Ich liebe Sinfonie, mein Opa war Opernsänger“

Die blonden Haare hat sie zu einem strengen Dutt zusammengebunden. Aufmerksam und mit einem Lächeln auf den Lippen lauscht sie dem Auftaktstück „Cuban Overture“ des amerikanischen Komponisten George Gershwin. „Ich liebe Sinfonie. Mein Opa war Opernsänger. Ich bin mit klassischer Musik aufgewachsen – das war immer so ein Familiending“, erzählt die hübsch zurechtgemachte blonde Frau, Lilia Kushch, und verrät: „Vor einem Jahr bin ich aus der Ukraine nach Deutschland gekommen. Jetzt studiere ich Deutsch im Saarland und freue mich, wenn ich so wie heute Abend die Kultur der Stadt besser kennenlernen kann.“

Gut verteilt sitzen an diesem besonderen Probenabend die Zuhörer auf den Plätzen der Historischen Stadthalle. Herkunft und Sprache trennen sie, aber die modernen und malerischen Töne des Sinfonieorchesters bringen sie zusammen. „Musik ist eine tolle Form der Begegnung. Was heute passiert, ist Ausdruck dessen, was die Stadt ausmacht. Nämlich, dass hier viele verschiedene Menschen zusammenleben und gemeinsam Kultur gestalten und weiterentwickeln können“, hebt Helge Lindh von der Initiative „In unserer Mitte“ hervor.

Große Träger wie den Caritasverband Wuppertal oder die Diakonie hatte Helge Lindh neben dem Ressort für Zuwanderung und Integration im Vorfeld angeschrieben, um die Einladungen gezielt an Flüchtlinge jeden Alters herantragen zu können. „Ungefähr 20 verschiedene Nationen sind heute beim Probenabend vertreten“, schätzt er.

„Ich fühle mich willkommen“

Die Initiative begann im Januar mit einer Benefizgala im Opernhaus zu Gunsten syrischer Flüchtlinge.

Geplant ist eine Ausstellung „Flucht“ an der Uni.

www.inunserermitte.de

Unter ihnen Dr. M. Belal Khouja. Vor etwa drei Monaten ist der Arzt aus Syrien nach Deutschland geflohen. „Mein Haus und meine Praxis sind zerstört worden. In Deutschland möchte ich neu anfangen“, erzählt er. Die Generalprobe des Sinfonieorchesters empfinde er als ein Ausdruck des Miteinanders: „Ich fühle mich willkommen. Das liegt natürlich an der Atmosphäre – die Musik hat etwas Abstraktes und Tragendes zugleich.“

Ein amerikanischer Abend steht auf dem Programm mit Werken von Aaron Copland, Leroy Anderson und John Adams. Rhythmisch vertrackt und frisch beginnen Kompositionen wie die Danzón Nr. 2 von Arturo Márquez. Unter der Leitung von Gastdirigent Mark Laycock führt die Reise noch ein wenig weiter über den großen Ozean: Es gibt Einblicke in helle und dunkle Farbwelten.

„Das sind schwierige Stücke, die für jeden Dirigenten eine Herausforderung sind“, so der Orchestermanager, Frank Lefers, der mit der Resonanz zufrieden war. Er denkt sogar darüber nach, diese Form der Generalprobe zu wiederholen.

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