Am heutigen Dienstag beginnt das islamische Opferfest. Das Ritual ist nicht nur umstritten, sondern in einem Punkt auch verboten: Tiere dürfen in Deutschland nicht ohne Betäubung geschlachtet werden.

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Ein Mann hat bei einer Schächtung einem Schaf den Hals zur Hälfte durchtrennt und lässt das Tier ausbluten (Archiv

Ein Mann hat bei einer Schächtung einem Schaf den Hals zur Hälfte durchtrennt und lässt das Tier ausbluten (Archiv

dpa).

Ein Mann hat bei einer Schächtung einem Schaf den Hals zur Hälfte durchtrennt und lässt das Tier ausbluten (Archiv

Wuppertal. Das Opferfest, das am heutigen Dienstag beginnt, hat bei Muslimen einen ähnlichen Stellenwert wie Weihnachten bei den Christen. Während allerdings ein Christbaum wenig kontroverses Potenzial hat, steht bei dem Kurban Bayrami - so der türkische Name für die Feierlichkeiten - ein totes Lamm im Mittelpunkt. Wie das Opferlamm stirbt, darüber herrscht in gleichem Maße Verwirrung wie Empörung.

"Bei dem Opferfest steht nicht das Schlachten im Mittelpunkt"

Samir Bouaissa, Islamische Gemeinde Wuppertal.

Eine verbreitete Vorstellung ist, dass Muslime, die das Fest feiern, zwingend ein Lamm schächten. Das heißt: Dem lebenden Tier die Kehle durchzuschneiden und es ausbluten zu lassen. Der Verzehr von Blut ist gläubigen Muslimen nicht erlaubt. In Deutschland ist allerdings das Schlachten eines Tiers ohne Betäubung verboten. Otto Muhs, Amtstierarzt beim Bergischen Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamt, erklärt: "Es gibt zwar Ausnahmegenehmigungen, in Wuppertal ist meines Wissens so etwas aber nie beantragt worden."

Viele Muslime akzeptieren die elektrische Betäubung des Lamms

Wie kommen also mehrere 1000 Muslime in Wuppertal an ihr Festessen? Sie gehen zum Schlachthof. Viele akzeptieren, dass das Lamm vor der Schlachtung elektrisch betäubt wird. Samir Bouaissa, Sprecher der 200 Mitglieder starken Islamischen Gemeinde Wuppertal, sagt: "Die meisten von uns bestellen ihr Fleisch. Bei dem Fest steht nicht das Schlachten im Mittelpunkt, sondern das Familienfest."

Die Schlachterei Laame ist eine von drei Betrieben in Wuppertal, in denen Muslime ihr Lamm für das Opferfest kaufen, da hier kein Schwein geschlachtet wird. Geschäftführer Moritz Laame betont allerdings: "Bei uns gibt es kein rituelles Schlachten. Mit den extremen Leuten, die das wollen, möchten wir nichts zu tun haben." Es werde "ganz normales" Lamm verkauft - für Muslime genauso wie für alle anderen Kunden. 124 Euro kostet ein 20 Kilogramm schweres Tier.

"Dann sind wir die Spielverderber und müssen eine Familienfeier beenden."

Otto Muhs, Amtstierarzt, über die amtliche Reaktion auf illegale Schächtungen.

Doch nicht jeder Muslim akzeptiert das gekaufte Fleisch. Auch in Wuppertal kommt es vor, dass in Hinterhöfen illegal das Blut fließt. Beim Veterinäramt werden im Schnitt jährlich zwei Schächtungen im Stadtgebiet angezeigt. Amtstierarzt Muhs sagt: "Dann sind wir die Spielverderber und müssen eine Familienfeier beenden." Wer ohne Genehmigung schächtet, begeht eine Straftat. Grund ist nicht der Verstoß gegen das Tierschutzgesetz - lediglich eine Ordnungswidrigkeit -, sondern der Verstoß gegen das Fleischhygienegesetz.

Das Opferfest ist das höchste islamische Fest. Gefeiert wird über vier Tage. Der Termin ist variabel und kann zu jeder Jahreszeit stattfinden.

Wenn eine Familie es sich leisten kann, kauft sie zu dem Fest ein ganzes Lamm und teilt es in drei Teile. Ein Drittel wird selbst verspeist, ein Drittel bekommen die Nachbarn und ein Drittel ist für Bedürftige bestimmt.

Deana Abendländer vom Tierschutzverein Wuppertal glaubt, dass die Dunkelziffer der Schächtungen groß ist. Ihr Verein fordert das Veterinäramt zum Opferfest zu "strikteren Kontrollen" auf. Das Problem: Illegale Schächtungen geschehen im privaten Rahmen, Schlachtereibetriebe hat das Veterinäramt sowieso im Blick. Daher wünschen sich die Tierschützer unangemeldete Kontrollen dort, "wo Muslime wohnhaft sind".

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