Etwa 20 Menschen verbringen die Nacht im Freien. Die Kälte forderte bereits ein Todesopfer.

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Frank Scharnhorst wärmt sich tagsüber in der Bahnhofsmission auf. Von den Mitarbeitern gibt’s heißen Kaffee.

Frank Scharnhorst wärmt sich tagsüber in der Bahnhofsmission auf. Von den Mitarbeitern gibt’s heißen Kaffee.

Andreas Fischer

Frank Scharnhorst wärmt sich tagsüber in der Bahnhofsmission auf. Von den Mitarbeitern gibt’s heißen Kaffee.

Wuppertal. Wenn die Kälte ihm nachts den Schlaf raubt, packt Frank Scharnhorst seine Sachen in Plastiktüten und geht los. Wohin, weiß er nicht. Hauptsache, der obdachlose 42-Jährige kann dem Frost entkommen. Auf der Suche nach Wärme treibt es ihn manchmal in Busse und Bahnen. "Da schlummere ich. Aber meist muss ich die Nächte durchmachen, um nicht zu frieren", erzählt er. Ein 38 Jahre alter Obdachloser aus Wuppertal, der seinen Namen nicht nennen möchte, bevorzugt warme Lüftungsschachte und Hauseingänge. Dort kuschelt er sich tief in seinen Schlafsack. "Bis ich verjagt werde", sagt er.

Frank Scharnhorst und der 38-Jährige sprechen ein Problem an, dass derzeit nach Schätzungen der Stadt etwa 15 bis 20 Menschen in Wuppertal betrifft: Sie haben keine Unterkunft, nächtigen unter freiem Himmel und müssen dabei gegen Schnee und Minusgrade ankämpfen. Am vergangenen Freitag forderte die eisige Kälte ein Opfer: Ein Obdachloser wurde tot an der Schwelmer Straße aufgefunden - er war vermutlich erfroren.

"Niemand muss auf der Straße schlafen."

Katja Neveling, Streetworkerin

"Das ist tragisch. Erst recht, weil hier in Wuppertal niemand auf der Straße schlafen muss", sagt Katja Neveling (44), Streetworkerin bei der Beratungsstelle für Wohnungslose der Diakonie. Sie versucht, betroffenen Männern und Frauen einen Platz im Wohnheim oder in einer der zwei Notschlafstellen zu vermitteln. "Das Problem ist, dass viele sich nicht helfen lassen wollen oder wegen Süchten und psychischen Erkrankungen nicht in der Lage dazu sind. Sie fühlen sich bedroht, wenn man ihnen Unterkunft anbietet", so Neveling.

Dennoch sei man in Wuppertal zufrieden mit der Obdachlosenarbeit. Dadurch sei die Zahl in den vergangenen zehn Jahren von über 1000 auf rund 60 gesunken, die meisten seien nachts untergebracht. "Zählten wir 1999 noch rund 9000 Übernachtungen in der städtischen Notschlafstelle, waren es 2009 etwa 2000", sagt Reinhard Ranke, Teamleiter der städtischen Wohnhilfe.

Tagsüber stehen den Wohnungslosen Cafés der Diakonie zur Verfügung, auch in der Bahnhofsmission wärmen sich viele mit einem heißen Kaffee auf. "Wichtig ist, dass die Wuppertaler die Augen offen halten. Wer Obdachlose sieht, die auch nachts draußen sind, sollte sich an uns wenden", sagt Katja Neveling.

Telefon 97444 401.

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