Jürgen Scheugenpflug ist Wuppertaler Kabarettist und Leiter der Kabarett-Academy. In seinem satirischen Wochen-Rückblick kommentiert er Ereignisse aus dem Stadtleben.

"Datt gövt et doch ga nit", hörte ich kürzlich einen unauffällig geschmacksneutral gekleideten Herrn mittleren Alters etwas weinerlich zu seiner Frau sagen, die dazu demütig nickte. Was oder wen der adipöse Endsechziger damit meinte, ließ sich in der Eile nicht exakt eruieren.

Womöglich eine Dame Mitte 40, deren quietschgelber Stretchminirock die strammen Oberschenkel derart eng umspielte, dass man bei genauerem Hinsehen selbst die Impfnarben erkennen konnte. Oder argwöhnte er die Zügellosigkeit seines Apothekers, bei dem er soeben Medikamente kostenpflichtig zu erstehen hatte, die "et fröher umsöss", also "quasi för lau", in rauen Mengen gab?

Ähnlich inflationär wird der Satz "Datt hätten et fröher nit gegeven" im Stehcafe auf der Poststraße verwendet, den ältere Herrschaften als Ersatz für die verschwundenen Eckkneipen zur Kommunikation nutzen. "Die Jugend von heute. Flatrate-Saufen, dat gövt et ga nit".

Doch, gab es schon, nur unter anderem Namen. Wenn sich Handwerker, Hobbysportler und Stadtverordnete freitags am Stammtisch gnadenlos das Weiße aus den Augen tranken.

Und im Urlaub gönnt sich der brave Bürger heute gerne einen all-inclusive-Trip, um mal für zwei Wochen wie Gott in Frankreich zu leben. Schales Bier und wässrige Cocktails unter blauem Himmel, der ohnehin nach einer Stunde nicht mehr zu sehen ist, weil der reichliche Genuss billigen Fusels ohnehin die Sicht trübt oder gar blind macht. Aber immerhin "föör lau" oder wie der Wuppertaler auch gerne sagt "föör Nüsse" gibt es den Genuss.

Hochkonjunktur haben auch Flatrate-Freuden in Vohwinkel. Lästige Freier füllen nicht nur das Sommerloch. Ein überregionaler Anbieter libidinöser Geselligkeit bietet dem geneigten Nutzer eine preiswerte Variante: Im Pussy-Club darf der Bewerber für einmal zahlen, so lange und so oft er will verkehren. Das hat doch was. Zwar "nit föör lau", denn "watt nix kost, datt is au nix", aber für schlappe 70 Euro erhalten die Schnäppchenjäger nicht nur einen aphrodisierenden Imbiss, sondern auch "Sex so oft du willst, so lange du willst und wie du willst." (Eigenwerbung)

Teilt man den Eintrittspreis durch die anwesenden Frauen, kann man, sofern Mann kann, in der Spitzwegstraße "föör ganz Kleines" pikantes Amüsement erleben. Nur die unmittelbaren Anwohner outen sich als Spielverderber. Riefen sie doch unlängst die sonst eher ungeliebte Polizei auf den Plan, die hurtig eine Razzia durchführte. "Wer in einem Puff Unregelmäßigkeiten sucht, der wird immer fündig", konstatierte eine Anwohnerin den Einsatz ohne zu verraten, woher sie das weiß.

Ebenso die Frage, wer wohl die amtliche Genehmigung seinerzeit erteilt hat, blieb bislang ungeklärt. Eines jedoch steht, steht felsenfest fest: "Dat hätt et fröher nit gegeven", Ehrenwort.

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