Vor allem an Haupt- und Realsschulen wird früh zur Zigarette gegriffen.

Die Nichtraucher-Scouts an der Realschule Neue Friedrichstraße zeigen, welche Giftstoffe Zigarettenrauch enthält.
Die Nichtraucher-Scouts an der Realschule Neue Friedrichstraße zeigen, welche Giftstoffe Zigarettenrauch enthält.

Die Nichtraucher-Scouts an der Realschule Neue Friedrichstraße zeigen, welche Giftstoffe Zigarettenrauch enthält.

Andreas Fischer

Die Nichtraucher-Scouts an der Realschule Neue Friedrichstraße zeigen, welche Giftstoffe Zigarettenrauch enthält.

Wuppertal. An Schulen gilt zwar seit 2008 striktes Rauchverbot, doch nicht alle halten sich daran. 19 Prozent der Realschüler und 18 Prozent der Hauptschüler sind Raucher, so die aktuelle Statistik der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). Sogar Fünfklässler greifen schon zur Kippe. Lediglich an Gymnasien sind Zigaretten weniger verbreitet: Dort rauchen vier Prozent der Schüler.

Dafür, dass künftig auch bei Haupt- und Realschülern der Raucher-Anteil zurückgeht, sollen nun die sogenannten Nichtraucher-Scouts sorgen. Ganz nach dem Motto "Gleichaltrige bewegen mehr als Erwachsene" informieren Schüler nach einem dreitägigen Training jüngere Mitschüler über die Gefahren des Rauchens. An dem bundesweiten Modellprojekt nehmen zwei Wuppertaler Schulen teil.

Wie das funktioniert, zeigte ein Aktionstag an der Realschule Neue Friedrichstraße. Mit viel Kreativität und Phantasie wollten Achtklässler ihren Mitschülern die Lust aufs Rauchen verderben. Die Nichtraucher-Scouts Emre, Ömer und Baris hatten sich eigens einen Rap-Song ausgedacht.

Ob sie damit überzeugen, wird sich zeigen. Fest steht: Jeder Versuch lohnt, denn wie verbreitet das Rauchen schon bei vielen Schülern ist, erzählte Moderatorin Janina Ludorf (15): "In meinem Freundeskreis bin ich die einzige Nichtraucherin - und sage meinen Freunden ständig, dass sie aufhören sollen." Warum das besser für sie wäre, zeigte ein Aktions-Stand, an dem die Siebtklässler erfahren und riechen konnten, welches Gift genau in jeder Zigarette steckt. Zum Beispiel: Benzol, Arsen oder Schwermetalle wie Blei und Cadmium.

60 Prozent der Jugendlichen wollen noch nie geraucht haben

Die Schule Neue Friedrichstraße ist nicht die einzige, die sich für das Nichtrauchen stark macht: Auch an der Friedrich-Bayer-Realschule ziehen Schülermentoren durch die Klassen und informieren über die Risiken des Rauchens.

Bei der Realschule Neue Friedrichstraße heißen sie die "Reinen Nichtraucher-Freaks". Die BzGA, die Drogenberatungsstelle Wuppertal und der Lions-Club Wuppertal-Mitte unterstützen die Aktion.

13 Wuppertaler Schulen nahmen am Projekt "Be smart, don’t start" teil.

Seit 2008 gilt an allen Schulen in NRW ein strikter Nichtraucherschutz - und zwar nicht nur auf dem Schulgelände, sondern auch bei Veranstaltungen außerhalb des Schulgrundstückes und auf Klassenfahrten.

Gerd Rakete von Rakete Konzept hat zusammen mit der Fachstelle für Suchtvorbeugung, Drogenberatung Wuppertal, das Schülermentorentraining entwickelt. Es ist paradox: Obwohl die Raucher an den Schulen in der Unterzahl sind, fallen sie mehr auf. Rakete erklärt: "Es geht darum, für die größere Gruppe der Nichtraucher einzutreten, dass die ihren Standpunkt verteidigen." Viele Jugendliche sind inzwischen bereit, umzudenken. 2007 sagten laut Angaben der BZgA 79 Prozent der Jugendlichen zwischen zwölf und 19 Jahren: "Meine Freunde würden es bedauern, wenn ich anfinge, zu rauchen."

Die allgemeine Lage hat sich etwas gebessert, wie Christine Tertel erklärt: "Imvergangenen Jahr gaben 60 Prozent der Jugendlichen an, noch nie geraucht zu haben." Die hohen Zigarettenpreise halten wohl viele Jugendliche vom Rauchen ab. Die Zugangsbeschränkung zu den Automaten können dagegen viele umgehen, sobald sie über eine eigene Kreditkarte verfügen.

Zigaretten sind nicht das einzige Problem, aber meist der Anfang, denn Rauchen dient oft als Einstiegsdroge: "Die Bereitschaft steigt, auch andere Drogen wie Alkohol oder Cannabis zu konsumieren", sagt Tertel. Problematisch sei auch das "binge-drinking". Rakete: "Dieses exzessive Besäufnis der Jugendlichen hat deutlich zugenommen."

Nicht zu unterschätzen sind auch die Shisha-Pfeifen, die Jugendliche in Cafés und Bars rauchen. "Die Schädlichkeit wird als sehr gering eingestuft", sagt Tertel. Das sei fatal, denn der Rauch werde im Gegensatz zu Zigarettenqualm tiefer inhaliert - mit verheerenden Folgen für die Organe, die sich bei Jugendlichen noch entwickeln. Zudem bestehe die Gefahr, sich mit Hepatitis anzustecken, wenn die Mundstücke der Shisha-Pfeifen untereinander getauscht werden.

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