Jan Frieg ist der neue Förster – und sieht sich vor allem als Waldmanager und Landschaftsgärtner.

Jan Frieg misst einen Stamm. Zu seinen Aufgaben gehört unter anderem auch der Holzverkauf.
Jan Frieg misst einen Stamm. Zu seinen Aufgaben gehört unter anderem auch der Holzverkauf.

Jan Frieg misst einen Stamm. Zu seinen Aufgaben gehört unter anderem auch der Holzverkauf.

Uwe Schinkel

Jan Frieg misst einen Stamm. Zu seinen Aufgaben gehört unter anderem auch der Holzverkauf.

Südhöhen. Mit prüfendem Blick nähert sich Jan Frieg dem Baum, schaut fachmännisch auf die Rinde. Nach einigen Sekunden hebt er ein paar heruntergefallene Zweige und Blätter vom Boden auf und guckt sich auch deren Beschaffenheit an. Dann zückt er Zettel sowie Papier und macht sich Notizen. Frieg ist der neue Revierförster für die Waldgebiete in Wuppertal-Süd. Seit Beginn des Jahres ist der 29-Jährige zuständig für alles, was in den heimischen Wäldern, die immerhin rund die Hälfte des Stadtgebiets ausmachen, passiert.

„Die Wuppertaler mögen ihre Wälder, und zwar alle Altersklassen. Hier ist eine Menge los.“
Jan Frieg

Immer mit dabei ist auch die Farbdose. Doch der in Düsseldorf Geborene und in Bielefeld Aufgewachsene ist kein Graffiti-Künstler, „mit der Farbe markieren wir kranke oder erntereife Bäume“, erklärt Frieg und greift zum klingelnden Handy. Das Telefon ist Friegs wichtigstes Werkzeug. Er hat es häufiger in der Hand als jede Säge.
An der anderen Seite der Leitung ist meist einer seiner acht Mitarbeiter. Sieben Forstwirte und ein Schreiner gehören zum Team, das nach der morgendlichen Besprechung Kontrollgänge macht, Sturmschäden beseitigt, Bäume fällt, neue sät, Äste zurückschneidet, Wege aufbereitet und eigentlich alles macht, damit die Wuppertaler ihre Wälder zu Fuß, mit dem Rad oder auf dem Rücken ihrer Pferde genießen können. Und das tun nicht gerade wenige. „Die Wuppertaler mögen ihre Wälder, und zwar alle Altersklassen. Hier ist eine Menge los“, sagt Frieg, der gleichzeitig auch Ansprechpartner für alle Besucher ist.

„Ich muss darauf achten, dass alle Gruppen gehört werden. Spaziergänger, Wanderer, Reiter, Hundehalter, Jäger, Mountainbiker. Alle haben Ansprüche, die ich unter einen Hut bekommen muss.“ Ob von organisierten Bürgervereinen – von deren Engagement der Förster positiv überrascht ist –, Schulklassen, Kindergartengruppen oder einzelnen Bürgern, ständig kommen Anfragen oder Hinweise herein. Sich um diese zu kümmern, seine Truppe zu organisieren und mit den gefällten Bäumen zu handeln, sind Friegs Hauptaufgaben. So gesehen ist der 29-Jährige eine Mischung aus Waldmanager und Landschaftsarchitekt. „Ökologie, Ökonomie und Soziales“, beschreibt Frieg sein Tageswerk.

Vor allem Fichten werden gefällt

Die Mischung gefällt ihm, genau wie die Mischung aus Stadt, Land, Fluss und Wald in Wuppertal. Bereits während seines Zivildienstes auf der biologischen Station in Bielefeld merkte er, „dass ich nach draußen will“. Also studierte er Forstwirtschaft in Göttingen. Doch zu seinem Bedauern lernte er dort eher Grundsätzliches, kaum Konkretes. So musste sich der Diplom-Ingenieur in den ersten Monaten mit dem täglichen Geschäft in Wuppertals Wäldern erst noch zu Recht finden. Das gilt auch für die zahlreichen kleinen Wege.

Trotzdem feilt er bereits fleißig an seinem Projekt: Langfristig sollen alle Fichten aus den Wuppertaler Wäldern verschwinden. „Im Gegensatz zu Eiche und Buche ist die Fichte hier nicht heimisch und fällt schneller um.“ Deshalb werden nun mehr und mehr Fichten gefällt. An manchen frei gewordenen Stellen werden vor allem Buchen angepflanzt, an anderen lassen Frieg und sein Team die Natur selbst machen. Bis auf dem gerodeten Waldstück dann wieder hohe Bäume stehen, dauert es in der Regel 30 bis 35 Jahre. Frieg denkt langfristig: „Vieles in unserem Beruf ist für die kommende Generation gedacht.“

Die kranken oder erntereifen Bäume verkauft Jan Frieg. Ein Teil geht in die holzverarbeitende Industrie, ein anderer Teil kann als Brennholz von Privatbürgern gekauft werden.

Neben der Pflanzenwelt gibt es in den Wäldern auch eine artenreiche Tierwelt. Besonders Rehwild hat sich durch das Fehlen von natürlichen Feinden stark etabliert. „Deswegen wird der Bestand durch den Menschen reguliert. Entweder versehentlich durch den Straßenverkehr oder durch Jäger“, sagt Frieg. Das einzige für Menschen eventuell gefährliche Tier ist das Wildschwein. In der Vergangenheit hat die Zahl der Wildschweine um 300 Prozent zugelegt. Auch hier seien Jäger gefragt.

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