Neuling Helge Lindh (SPD) sucht noch eine Wohnung. Sein neuer Büronachbar ist Martin Schulz.

Neuling Helge Lindh (SPD) sucht noch eine Wohnung. Sein neuer Büronachbar ist Martin Schulz.
Helge Lindh (SPD), Manfred Todtenhausen (FDP) und Jürgen Hardt (CDU) sitzen jetzt im Bundestag. Archiv

Helge Lindh (SPD), Manfred Todtenhausen (FDP) und Jürgen Hardt (CDU) sitzen jetzt im Bundestag. Archiv

A. Fischer/S. Fries/K. Fischer/dpa

Helge Lindh (SPD), Manfred Todtenhausen (FDP) und Jürgen Hardt (CDU) sitzen jetzt im Bundestag. Archiv

Wuppertal/Berlin. Wenn am Dienstag der neue Deutsche Bundestag zu seiner konstituierenden Sitzung zusammenkommt, sitzen auch drei Wuppertaler in dem derzeit größten Parlament weltweit: ein alter Hase, ein Rückkehrer und ein Neuling. Für sie hat das Abenteuer Berlin bereits in den vergangenen Wochen begonnen. Eine spannende, aber auch eine chaotische Phase.

SPD-Mann Helge Lindh (Gewinner Wahlkreis Wuppertal I) erlebt in diesen Tagen im Reichstagsgebäude einen völlig neuen Lebensabschnitt. Er darf am Mittwoch zum ersten Mal offiziell als Bundestagstagsabgeordneter die Wuppertaler Interessen in Berlin vertreten. „Ich bin aufgeregt, freue mich aber auch“, sagt Lindh. Wie viele andere Neulinge hat er in diesen Tagen weniger mit politischen als mit organisatorischen Aufgaben zu kämpfen. Mit seiner Wohnung, die er auf die Schnelle am Prenzlauer Berg gefunden hat, ist er nicht zufrieden. „Die ist zu klein und von der Distanz zum Bundestag nicht ideal“, sagt der Wuppertaler, der wie fast alle Abgeordneten seinen Erstwohnsitz weiter in der Heimat hat. Nun ist der Politiker also noch auf Wohnungssuche, während der Politikbetrieb schon langsam anrollt. Dass es kein Kinderspiel ist, ein zentrales Domizil in Berlin zu finden, hat er dabei schon bemerkt: „Solche Wohnungen sind sehr nachgefragt und die Preise sportlich.“

Lindh wird Mitglied in der Arbeitsgruppe fürs Innere sein

Da dürfte es helfen, dass Ende des Monats das erste Abgeordnetengehalt auf den Konten der gewählten Volksvertreter eintrudelt. Im Oktober, so verrät Lindh, gibt es jedoch nur eine anteilige Auszahlung, die sich an dem Stichtag 12. Oktober orientiert.

Wie Helge Lindhs inhaltliche Arbeit in Berlin aussehen wird, ist noch unklar. Fest steht, dass er Mitglied in der Arbeitsgruppe fürs Innere sein wird. Der Abgeordnete hat zudem den Wunsch geäußert, die Ausschüsse für Kultur oder Integration zu übernehmen. Doch die Würfel für die Rollenverteilung in den Fraktionen fallen erst in den kommenden Monaten. Lindh sagt: „Das gibt sicherlich noch ein Hauen und Stechen.“ An strukturierte Büroarbeit kann er sowieso noch nicht denken. „In der Übergangsphase hapert es organisatorisch noch an einigen Stellen“, sagt der Wahlberliner, der übergangsweise in einem Hotel am Hauptbahnhof eingecheckt hat. Derzeit kämpfe er noch mit seinem neuen Bürolaptop, der im Moment keine Mails empfangen kann.

Zumindest hat Lindh schon ein Büro im Reichstagsgebäude. „Die Frage ist, ob ich dort bleiben kann“, sagt er. Derzeit sind die Büros am Platz der Republik 1 nämlich hart umkämpft, denn der Bundestag hat so viele Abgeordnete wie noch nie. Die 709 Mitglieder kommen nicht alle unter. Überall werde umgezogen – ein riesiges Hin und Her setze sich in Gang. Lindhs derzeitiger neuer Büronachbar heißt Martin Schulz.

Ein Abgeordneter des Bundestages erhält ein Bruttogehalt von derzeit 9327 Euro. Zum Vergleich: 2002 gab es noch 6878 Euro und 1977 noch umgerechnet rund 3800 Euro.

Hinzu kommt aktuell eine monatliche, steuerfreie Aufwandspauschale von 4305 Euro, die dazu dient, laufende Kosten wie Miete und Nebenkosten sowie Möblierung und Reisekosten zu decken. Zudem gibt es eine Büromittel-Pauschale von maximal 12 000 Euro im Jahr und eine Amtsausstattung zu der unter anderem zwei PCs und ein Laptop gehören.

Von solch einer komfortablen Bürosituation kann Manfred Todtenhausen (FDP) derzeit nur träumen. Sein Listenplatz 16 machte es möglich, dass er für die Liberalen in den Bundestag einzieht. Nur für ein eigenes Büro im Haus reichte es derzeit noch nicht. Übergangsweise muss er sich mit Parteikollege Karlheinz Busen (Wahlkreis Borken II) einen Arbeitsplatz teilen – und zwar in einem Verwaltungshaus Unter den Linden, rund einen Kilometer von der Glaskuppel entfernt. „Das ist ein altes Gebäude, sehr bedrückend“, sagt der FDP-Abgeordnete. Mit seiner Wohnung hatte er mehr Glück. Ein CDU-Kollege – für den die Berliner Zeit mit der jüngsten Wahl einen Abschluss gefunden hat – überließ dem Wuppertaler seine teilmöblierte Wohnung. Todtenhausen freut sich: „Ich kann das Parlament in 15 Minuten fußläufig erreichen.“

Von Mai 2012 bis Oktober 2013 war der FDP-Mann bereits als Nachrücker in den Bundestag eingezogen. Daher wisse er jetzt schon wie der Hase läuft. „Um sich einzufinden, braucht man schon ein Jahr“, erinnert er sich zurück.

Trotzdem ist die Konstituierung des Bundestages für ihn ein neues Erlebnis. „Ich freue mich darauf. Ich darf ja jetzt auch zum ersten Mal einen Bundestagspräsidenten wählen.“ Inhaltlich möchte sich Todtenhausen wieder in Richtung Wirtschaftsausschuss orientieren – und freiwillig den unbeliebten Petitionsausschuss abdecken.

Für Jürgen Hardt, den wiedergewählten CDU-Kandidaten aus dem Wahlkreis Wuppertal II, bleibt inhaltlich zunächst alles beim Alten. Seine Funktionen als Außenpolitischer Sprecher und Transatlantischer Koordinator nimmt er bis zur Neuwahl in den kommenden Monaten kommissarisch wahr. „Ich würde mich freuen, wenn ich diese Funktionen behalten könnte. Ob das unter einer Drei-Fraktionen–Regierung so sein wird, wird sich zeigen.“ Hardt war zuversichtlich, dass seine Zeit im Bundestag weitergeht. „Ich habe nicht nur meine Wohnung behalten, sondern auch das Hemden-Abo in der Reinigung verlängert.“

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