Wie an der Paradestraße in Elberfeld aus der Not eine Tugend gemacht wird – für die nächsten drei Jahre.

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Birgit Vonde und Hüseyin Danaci laden an der Paradestraße in den Lernladen.

Birgit Vonde und Hüseyin Danaci laden an der Paradestraße in den Lernladen.

Mathias Kehren

Birgit Vonde und Hüseyin Danaci laden an der Paradestraße in den Lernladen.

Wuppertal. Lebenslang klingt erst einmal hart. Wer belastet sich schon gerne mit Dingen, die er nicht mehr loswird? Mit dem Lernen sieht das vielfach nicht anders aus, denn glücklich fühlt sich manch einer, der endlich vom Druck der Pädagogen befreit ist. Lernen als freudvolles Erlebnis, das man sogar lebenslang erträgt, möchte die Bergische VHS in ihren Lernläden vermitteln.

Zwanglose Hilfe bei Bewerbungen und für Vorstellungsgesprächen

Nachdem ein Solinger Laden vorpreschte - hervorgegangen freilich aus Erfahrungen in Vohwinkel -, steht ein solcher Shop nun auch an der Paradestraße 32 zur Verfügung, genau auf der Kuppe, wo Spaziergänger nach dem Anstieg aus der Innenstadt auch mal innehalten, um zu staunen: Was ist denn das?

Eben dieses "das" wird von Projektleiterin Birgit Vonde betreut, deren Anliegen vor allem darin besteht, ihren Besuchern Selbstorganisation zu vermitteln und Struktur ins Lernen zu bringen. Ganz nebenbei wird damit auch noch das Immobilien-Gespenst "Leerstand" verscheucht.

Jeglicher Zwang ist tabu, wer mag, darf auch einfach nur vorbeischauen, um in den gemütlich eingerichteten Räumen einen Kaffee zu trinken.

Gewiss ist das der Speck, mit dem man Mäuse fängt und einen ersten Anreiz schafft. So gibt es dann auch ein "Frühstück Ausbildungssuche", ein "Frühstück Arbeitssuche" und "Gesprächstreffs mit Leckerem".

Der Lernladen an der Paradestraße in ELberfeld , ausgestattet mit PC-Plätzen und einer Lese-Ecke, kann von allen Bürgern kostenlos genutzt werden. Gefördert wird er vom Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung als Maßnahme gegen Leerstände über einen Zeitraum von drei Jahren.

Der Lernladen ist montags und donnerstags 10 bis 18 Uhr, dienstags, mittwochs und freitags 10 bis 16 Uhr geöffnet.

Freiwilligkeit steht an der Stelle von Zwang, Bedienung wie in einem Geschäft ersetzt den Frontalunterricht alter Schule. Montags von 13 bis 14 Uhr wird geübt, wie man schriftliche Bewerbungen verfasst, dienstags zur gleichen Uhrzeit folgt die Probe für das Vorstellungsgespräch. Der "Eigensinn" freitags von 11 bis 12 Uhr befasst sich dann mit den Wahrnehmungsorganen. Die gewähren laut Ina Jeske, Leiterin des LernLadens in Solingen, auch Schleichwege des Lernens. So könne man sich beispielsweise durch Düfte fit machen: Zitrone senke Rechtschreibfehler, Pfefferminze stärke das Gedächtnis, Orange bekämpfe Angst. Ina Jeskes Geständnis: "So weit die Theorie."

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