Facebook: „Nett-Werk“ hat 16 000 Mitglieder. Drei Administratoren wachen darüber.

Wuppertal. 16 000 Mitglieder – eine Zahl, von der die meisten Vereine nur träumen. Das „Nett-Werk Wuppertal“ hat sie – zumindest virtuell, denn das „Nett-Werk“ ist eine Gruppe bei Facebook. Einen Abnehmer für das überzählige Regal finden; den nächstgelegenen offenen Bäcker am Sonntagmorgen; eine schöne Party am Abend; das verlorene Handy; oder einfach jemanden, der beim Umzug als Helfer einspringt – dabei soll die Gruppe helfen. Ganz wichtig dabei: „Seid nett zueinander“, betont Esther Lorenz, die 2009 das Nett-Werk gemeinsam mit Phil Daub gründete.

Beide haben Fernsehvergangenheit bei Viva, beide ihren Sitz eigentlich in Köln, von wo das Nett-Werk seinen Siegeszug startete. Mittlerweile gibt es Ableger in 41 Städten, die größten in Köln (170 000 Mitglieder) und Düsseldorf (70 000). „Vor allem im Rheinland läuft es“, sagt Lorenz. In Bayern hingegen, sagt sie, tut sich die Gruppe schwer. „Ebenso im Osten.“ Aus Wuppertal sei relativ schnell der Wunsch gekommen, auch hier ein Nett-Werk zu gründen. Die Mitglieder-Entwicklung bestätige dies, sagt Lorenz.

Doch wie lassen sich hunderttausende Mitglieder deutschlandweit und 18 000 Beiträge täglich im Auge behalten? „Wir stecken viel Arbeit und viel Zeit hinein“, sagt Lorenz, die gemeinsam mit Daub und Kirsten Olsen auch als Administratoren über die Nett-Werke wacht. Zu dritt? „Zu viele Köche verderben den Brei“, sagt Lorenz bestimmt.

Der Wuppertaler sei freundlich, der Umgangston manchmal rüder

Das sei auch der Grund, warum man zum Beispiel im Wuppertaler Nett-Werk keine zusätzlichen „Admins“ zulasse. Zwar seien sie und ihre zwei Mitstreiter alle berufstätig. „Aber einer von uns ist immer online“, betont sie. Und das Nett-Werk reguliere sich auch selbst. „Andere Mitglieder weisen uns auf Beiträge hin, die raus müssen“, sagt die 46-Jährige, die im Hotelgewerbe arbeitet.

Gut, räumt sie ein, nicht immer könne das klappen. Unangenehme Beiträge könnten auch mal etwas länger als geplant stehen bleiben. Das Kölner Nett-Werk wurde nach rassistischen Kommentaren mal ein paar Tage stillgelegt.

Immer wieder kommt es in Sozialen Netzwerken zu „Fahndungen“ nach Personen oder Zeugensuchen, etwa nach Unfallfluchten.

Geht es um anonyme Fahndung, wenn zum Beispiel eine Schramme an einem Auto gezeigt wird und gefragt wird, „Wer hat was gesehen?“, ist das aus Sicht der Polizei unbedenklich. Anders bei konkreten Nachfragen und Postings von Namen oder Fotos von Personen. „Wir sehen so etwas kritisch“, sagt Polizeisprecherin Anja Meis. Die Polizei selbst brauche einen staatsanwaltlichen Beschluss, um ein Fahndungsfoto zu veröffentlichen – weshalb dies oft erst lange nach der Tat passiere. Ausnahme seien Fälle, in denen Personen in Gefahr seien, etwa bei Vermisstenmeldungen. Grundsätzlich veröffentliche die Polizei aber keine Fotos bei Facebook, sondern verlinke auf die eigene Seite. Wer allerdings privat Fotos von mutmaßlichen Tätern oder ähnliches bei Facebook online stelle, bewege sich rechtlich „auf dünnem Eis“, so Meis, agiere leider aber oft im Schutz der Anonymität.

Und über das „Blauer-Van-Gate“, als Anfang des Jahres im Düsseldorfer Nett-Werk ein Unschuldiger namentlich mit Foto als angeblicher Pädophiler gebrandmarkt wurde, will sie auch lieber nicht mehr sprechen. So etwas sei in Wuppertal aber noch nie ein Thema gewesen.

„Es gibt schon einige Krawallos im Netz“, stellt sie fest. Der Wuppertaler an sich sei freundlich, aber der Umgangston im Nett-Werk „auch schon mal rüder“. Aber das regele man dann untereinander.

Lorenz & Co. prüfen nach eigener Aussage jedes Profil eines möglichen Neu-Mitglieds. Spammer und Werber hätten in Wuppertal keine Chance.„Mittlerweile haben wir ein gutes Bauchgefühl für so etwas.“ Und Posts, die gegen die Richtlinien verstoßen, werden eben gelöscht. Zu der Stadt Wuppertal selbst habe sie keinen großen Bezug, gibt Esther Lorenz zu.

„Ich war zweimal in Wuppertal und bin mit der Schwebebahn gefahren.“ Die, schmunzelt die Kölnerin, „aber offenbar sehr oft stillsteht“, wie ihr die Beiträge im Nett-Werk verraten würden.

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