Martin Hamburger ist kein Mensch der lauten Töne. Wenn er von "sozialer Destabilisierung" spricht, dann ist das mehr als der Ausdruck einer Sorge. Wuppertal droht mit einer Kürzungsorgie einen sozialen Flächenbrand zu entzünden, denn es ist eben nicht egal, ob ein Sozialarbeiter mehr oder weniger in den Stadtteilen unterwegs ist oder ob eine Eheberatungsstelle Termine erst nach Wochen und Monaten anbieten kann, ob es ein Sozialcafé in der Nachbarschaft gibt oder nicht.

Fest steht: Die Arbeitslosigkeit steigt tendenziell, die Zahl der Hartz-IV-Empfänger ebenfalls. Gleichzeitig hat sich Wuppertal aus reiner Not bereits aus der sozialen Stadtteilentwicklung verabschiedet. Zieht sich jetzt noch die Gemeinwesenarbeit zurück, kippen die Quartiere wie Dominosteine in die Verelendung. Straßenzüge, in denen sich abends niemand mehr vor die Tür traut, in denen Jugendliche ohne Perspektive sich selbst überlassen werden. Das ist weder linke Sozialspinnerei noch apokalyptische Schwarzmalerei, sondern Realität in vielen Städten.

Wuppertal hat sich immer damit gerühmt, soziale Verantwortung besonders ernst zu nehmen. Selbst Kämmerer Slawig sieht sich mit seiner im Vergleich zur Kultur moderaten Zehn-Prozent-Kürzung in dieser Tradition. Diese zehn Prozent treffen aber ein Klientel, das ohnehin kaum noch den Kopf über Wasser halten kann. Bevor diese Menschen untergehen, werden sie sich wehren. Deshalb darf aus dem Finanzdesaster kein Sozialdesaster werden. So viele Sozialsponsoren kann Wuppertal gar nicht aufbringen, wie nötig wären, um diese Infrastruktur aufzufangen.

Sozialpolitik ist eine öffentliche Aufgabe, also eine politische. Die großen Ratsfraktionen, die Vertreter in Düsseldorf und Berlin müssen sich endlich spürbar des Themas annehmen. Zum Sparpaket hört man bisher kaum etwas. An ihnen ist es, den Druck aus dem Kessel zu nehmen, bevor er sich auf der Straße entlädt.

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