Jörg Werbeck vom Verband LNU kritisiert den Ex-BUND-Chef: Er setze zu sehr auf Konfrontation. Die Umweltprobleme in Wuppertal ließen sich so nicht lösen.

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Wilde Komposthaufen – wie auf diesem Foto in der Nähe der Bergischen Sonne – gibt es laut Jörg Werbeck von der Landesgemeinschaft Naturschutz und Umwelt (LNU) überall in Wuppertal.

Wilde Komposthaufen – wie auf diesem Foto in der Nähe der Bergischen Sonne – gibt es laut Jörg Werbeck von der Landesgemeinschaft Naturschutz und Umwelt (LNU) überall in Wuppertal.

Uwe Schinkel

Wilde Komposthaufen – wie auf diesem Foto in der Nähe der Bergischen Sonne – gibt es laut Jörg Werbeck von der Landesgemeinschaft Naturschutz und Umwelt (LNU) überall in Wuppertal.

Wuppertal. Ob Oberbürgermeister Peter Jung über die „hässliche“ Zauneidechse spricht oder Fledermäuse in den Tunnelanlagen der Nordbahntrasse gefährdet sind: Jörg Liesendahl, Ex-BUND-Vorsitzender in Wuppertal und Vertreter der Naturschutzverbände im Umweltausschuss, meldet sich zu solchen Themen gerne mit deutlichen Worten.

Nun meldet sich die Landesgemeinschaft Naturschutz und Umwelt (LNU) zum Thema Umweltprobleme zu Wort: „Herr Liesendahl spricht nicht für alle Umweltschutzverbände. Wir sind ein eigener Verband und möchten uns selbst äußern“, betont Jörg Werbeck, der bei der LNU für die Koordination der Wuppertaler Verbände zuständig ist sowie dem Beirat der Unteren Landschaftsbehörde angehört. Liesendahls Äußerungen empfindet Werbeck als ein „Darstellungsproblem“.

Liesendahl rückt laut Werbeck den Umweltschutz in ein schlechtes Licht

„Die Zwergfledermaus ist so groß wie das obere Segment des Daumens. Sie passt in schmalste Fugen in der Wand – es ist also sehr leicht, sie zu übersehen und mit Beton zu versiegeln“, sagt Werbeck. Liesendahl gehe bei Problemen wie diesen jedoch so konfrontativ vor, dass er damit den gesamten Umweltschutz in ein schlechtes Licht rücke. „Wir versuchen, uns für eine gutes Miteinander von Verwaltung und Politik stark zu machen. So wird die Kommunikation jedoch möglicherweise erschwert“, befürchtet Werbeck.

Als Peter Jung im Juli der Grundsteinlegung einer Firma im neuen Gewerbepark beiwohnte, betonte er, dass ihm Arbeitsplätze wichtiger seien als der Naturschutz: „Ein Drittel des Gewerbegebietes musste geopfert werden, damit die Zauneidechse – übrigens ein sehr hässliches Tier – ihren Lebensraum behalten kann“, sagte er und erhielt daraufhin einen kritischen offenen Brief von Liesendahl (WZ berichtete).

In Wuppertal würden zu viele Bäume gefällt, moniert die LNU

„Ich kenne Herrn Jung. Das war möglicherweise humorig gemeint“, sagt Werbeck. Zur Schönheit von Tieren habe jeder seine Meinung – dass eine solche Aussage dem Oberbürgermeister jedoch nicht gut tut, da gebe er Liesendahl Recht. „Im Großen und Ganzen habe ich nicht das Gefühl, dass Wuppertal expandieren, sondern mehr für den Landschaftsschutz tun muss.“ Für die Fledermäuse seien etwa Bäume ebenso wichtig wie die Tunnel: „Die hohen Altbäume bieten ihnen Schutz vor Vögeln. Aber seit vor einigen Jahren die Baumschutzsatzung gefallen ist, werden zu viele Bäume gefällt.“

Die Landesgemeinschaft Naturschutz und Umwelt (LNU) ist ein Dachverband von mehr als 80 eingetragenen Vereinen in NRW, die den Schutz von Landschaft und Natur verfolgen. Die LNU wurde 1976 gegründet, hat etwa 350.000 Mitglieder und ist damit die größte Naturschutzorganisation in NRW. Zu den Gründungsvereinen zählen unter anderem der Sauerländische Gebirgsverein, die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald und der Rheinische Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz. Jörg Werbeck ist Kreiskoordinator des LNU.

www.lnu.wtal.de

Ein weiteres Problem sieht Jörg Werbeck in wilden Müllkippen, bestehend aus Grünschnitt, gemähtem Gras, Gartenabfällen. „Man kann diese Abfälle bei den Stadtwerken abgeben und bekommt dafür sogar günstigen Kompost. Es gibt aber viele Leute, die den Weg nicht finden wollen“, sagt er und weist auf eine Hecke am Waldrand in einem Cronenberger Wohngebiet. Ein Loch im Grün führt zu „einem gemeinschaftlichen Komposthaufen“, wie ihn Werbeck nennt.

„Dieses Grundstück ist Landschaftsschutzgebiet. Trotzdem sehe ich regelmäßig nette Damen und Herren, die ihre Schubkarren aus dem Garten hier auskippen und sich freundlich dabei grüßen“, sagt Werbeck. Hinter der Hecke bedecken vertrocknete Pflanzen, Rasen- und Grünschnitt bereits eine etwa zehn Quadratmeter große Fläche. Werbeck: „Bei der Dichte entwickelt sich darunter kaum noch Boden. So kann sich der Wald nicht mehr natürlich entwickeln.“ Nach den Gartenabfällen kämen meist irgendwann Bauschutt und anderer Müll hinzu. „Dieses Problem gibt es flächendeckend in Wuppertal.“

Die Müllsünder schaden jedoch nicht nur der Umwelt: „Der Abwurf von Material auf einem fremden Grundstück, der in dieser Größenordnung schon gewerblicher Kompostierung entspricht, ist eine Ordnungswidrigkeit“, sagt Werbeck. „Jeder will die Natur, aber keiner will sie pflegen. Dabei kann man durchaus auch außerhalb von Veranstaltungen wie dem Picobello-Tag zum Müllsack greifen und die Umgebung sauberhalten."

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