Lothar Leuschen
Lothar Leuschen

Lothar Leuschen

Schwartz, Anna (as)

Lothar Leuschen

Wuppertal. Was ist nur im Rathaus los? Wohin sind Liebe, Lust und Leidenschaft für Wuppertal? Wie kann es sein, dass der Verwaltungsvorstand um Oberbürgermeister Andreas Mucke (SPD) ein Thema wie die Namensgebung für das neue Zentrum dieser Stadt so läppisch nebenher abarbeitet, wenn „arbeiten“ denn dafür überhaupt das richtige Wort ist? „Dann nennen wir den Platz einfach Döppersberg.“ Ja, genau. Aber auch nur, weil Bahnhofsplatz nicht ging. Denn dieser Begriff verbinde sich zu sehr mit Drogen- und Alkoholsüchtigen. Für Wuppertal stimmt das sicher. Dafür hat der Stadtrat durch sein Ja zum Drogencafé neben dem Köbo-Haus schließlich selbst gesorgt.

Aber wenn es in diesem Zusammenhang schon nicht zu mehr Sinn und Sensibilität für Stadtentwicklung gereicht hat, wäre nun wenigstens bei der Namensgebung für die Fläche zwischen Bahnhof, Primark und Bundesbahndirektion ein bisschen mehr Esprit angebracht. „Döppersberg“ - das ist, als wollten Eltern ihr Kind „Kind“ nennen oder „Steuervorteil“ oder „Kindergeldberechtigung“. Es ist lust- und leidenschaftslos. Ja, der Döppersberg ist und bleibt bekannt. Aber Schreiners Wiese heißt auch Max-Horkheimer- beziehungsweise Gaußstraße, seit dort glücklicherweise die Universität steht.

Diese Stadt, ihre Politiker und viele Bürger haben jahrelang gerechnet, gestritten und argumentiert, der Stadtrat traf eine bahnbrechende Entscheidung, als es Wuppertal finanziell eigentlich am schlechtesten ging. Trotz seiner Schwächen und mancher Ärgernisse steht der neue Döppersberg für eine Stadtgesellschaft, die sich nicht in ihr vermeintliches Schicksal fügen will. Wuppertal hat dem Niedergang so vieler Städte im Strukturwandel mit seinem Bekenntnis zu einem neuen, modernen Zentrum den Kampf angesagt. Das drückt „Döppersberg“ nicht im Ansatz aus. Ebenso könnte auf dem Schild stehen „Hätte-schlimmer-kommen-können-Platz“ oder „Woanders-ist-auch-doof-Platz“ oder am besten gleich „Mir-doch-egal-Platz“.

Aber das wäre nicht Wuppertal. Wer als Reisender aus dem hoffentlich irgendwann einmal würdigen Bahnhof heraustritt, der sollte mit einer Botschaft empfangen werden, mit einem Platznamen, der Haltung ausdrückt, der sofort besagt, dass dies nicht irgendeine Stadt zwischen Rheinland und Ruhrgebiet ist, sondern eine, aus der Menschen mit Rückgrat stammen, in der Menschen mit Rückgrat leben. Wenn es denn schon kein gestorbener Wuppertaler sein soll, weil sich die Beteiligten vermutlich auf keinen einigen könnten, dann hätte die Geschichte große Namen parat. Otto Wels beispielsweise, der SPD-Vorsitzende, der den Nazis im Reichstag bis zuletzt die Stirn geboten hat, mutig, entschlossen und zu persönlichen Opfern bereit. Mindestens ebenso geeignet wäre Richard von Weizsäcker, der mit seiner Rede zum 8. Mai und mit seinem Wirken als Bundespräsident Deutschlands Blick auf seine Geschichte und Deutschlands Bild in der Welt verändert hat. Oder wie wäre es mit Helmut Kohl? Ja, streitbar, aber unbestritten auch Motor der Deutschen Wiedervereinigung und unermüdlicher Kämpfer für das vereinte Europa.

Wenn es aber keine Person sein darf, die dem neuen Zentrum Wuppertals seinen Namen gibt, dann lässt sich Haltung auch anders ausdrücken. In einer Zeit, in der die Welt verrückt zu spielen scheint, in der offensichtliche Diktatoren und vermeintlich lupenreine Demokraten schon wieder die Finger am Abzug haben, ist jede klare Aussage zugunsten von Verständigung und friedlichem Miteinander willkommen, auch wenn sie vermutlich nicht bis Pjöngjang und Moskau dringt. Deshalb wäre „Platz-der-vereinten-Nationen“ womöglich ein passabler Vorschlag. Wem das überhöht erscheint, der möge gern über „Europaplatz“ nachdenken. Auf jeden Fall nicht „Döppersberg“. Das wäre einfalls- und und emotionslos. Außerdem heißt so ja schon eine Straße.

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