Das Nachtcafé und das Spiegelchen schließen. Jahrelang haben sie die Gastro-Szene auf der Gathe geprägt.

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Toni und Bernd machen ihre Kneipen auf der Gathe zu.

Toni und Bernd machen ihre Kneipen auf der Gathe zu.

Andreas Fischer

Toni und Bernd machen ihre Kneipen auf der Gathe zu.

Wuppertal. Wuppertal wird weinen. Eine Ära geht zu Ende. Zwei Urgesteine der Gathe machen Schluss, sind erschöpft, zermürbt. Anton Schwenzitzki, den alle nur "Toni" rufen, schließt sein "Nachtcafé" genauso zum Jahresende wie Bernd Dönges, Wirt des schon fast legendären "Spiegelchen".
 
Zwei Kneipeninstitutionen, die das Wuppertaler Nachtleben über Jahrzehnte geprägt haben, wo Generationen von Menschen gefeiert, getrunken und gelacht haben.
 
"Wir haben schon was auf der Gathe gemacht", meint Toni. "In den 70er und 80er Jahren war die Gathe die Meile in Wuppertal schlechthin", sagt der 71-Jährige und blickt nicht ohne Stolz auf sein Lebenswerk zurück. Seit 1974 ist der gebürtige Ostpreuße Gastronom auf der Gathe. Weil es so praktisch ist, wohnt er auch dort, über seinem "Nachtcafé".
 
"Ich mache das jetzt 33 Jahre, ich bin müde. Außerdem ist das Geschäft rückgängig", meint Toni. Zudem scharrt seine Verlobte Monika mit den Hufen, will mehr Zeit mit ihm verbringen. Vor eineinhalb Jahren stand sie plötzlich in seinem Lokal. Liebe auf den ersten Blick.
 
"Es hat direkt gefunkt", sagt Toni, lächelt verschmitzt und serviert derweil ein frisch gezapftes Pils. Das genoss auch Johannes Rau. Zum Kneipenjubiläum im Mai 1999 schaute er für ein halbes Stündchen kurz auf der Gathe vorbei. Eine Woche später war der gebürtige Wuppertaler Bundespräsident.
 
Während es Toni an Silvester noch einmal richtig krachen lassen will, ist für Bernd Dönges schon zwei Tage eher Schluss. Dann dürfte das "Spiegelchen" noch einmal aus allen Nähten platzen. 1995 hatte der 55-Jährige "die traditionellste Wuppertaler In-Kneipe" von Toni übernommen, war vorher 20 Jahre sein Angestellter. "Es macht keinen Spaß mehr", gibt Dönges unumwunden zu. Nicht, dass er die Lust am Zapfen verloren hätte.
 
Vielmehr rauben dem Nachtwirt die behördlichen Auflagen den Nerv. "Ich muss die Sperrzeit zwischen fünf und sechs Uhr früh einhalten. Dann soll geputzt werden. So will es das Ordnungsamt, mit dem Segen des Stadtrats, der es so bestimmt hat. Das heißt, ich muss die Leute für eine Stunde rauswerfen. Das macht natürlich keiner mit. Ich habe erheblich weniger Einnahmen", erzählt Dönges. "Es lohnt sich nicht mehr."
 
Auch deshalb, weil sich das Freizeitverhalten der Gäste und die Infrastruktur auf der Gathe verändert haben. Mit Wehmut blickt Dönges auf alte, bessere Zeiten zurück. "Früher war jeden Tag was los. Jetzt ist es nur noch am Wochenende voll. Die Leute kommen immer später. Und die Parkmöglichkeiten sind auch schlecht", sagt Dönges, der berühmt für seinen Apfelkorn Marke "Eigenbräu" ist.

Stolz führt er noch einmal durch seine Kneipe, in der 65Spiegel hängen, darunter seltene Raritäten. Er hatte Schwerttänzer zu Gast, lokale Bands und unzählige Menschen, die sich in seinem Laden kennengelernt und das eine oder andere Bierchen gekippt haben. In den 70er Jahren lag das "Spiegelchen" lange an der Spitze einer statistischen Erhebung einer Sauerländer Brauerei, die den Umsatz pro Quadratmeter maß.

Für Wuppertal und die Gathe zeichnet Dönges ein düsteres Bild. "Wenn Toni und ich Schluss machen, wird hier alles den Bach runter gehen. Die Nachtkneipenszene im Tal ist tiefste Provinz."

Das sehen die Stammgäste ähnlich. Zum Beispiel "Detti" (53), der jeden Tag ins "Nachtcafé" kommt und es als sein Wohnzimmer bezeichnet. "Die Gathe ist dann tot. Da kannst du nur heulen." Auch Dönges wird nach eigenem Bekunden wohl ein "paar Tränen" verdrücken.
 
Seine Frau Gisela weiß dagegen schon, dass sie wie ein Schlosshund heulen wird. Toni will erst einmal Urlaub machen, ab in die Sonne. Ob er sein Lokal vermissen wird, weiß er noch nicht.

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