Seit kurzem gibt es in Wuppertal die erste Nachtdialyse. Für die Patienten bedeutet das mehr Lebensqualität und einen fast normalen Alltag.

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Dreimal in der Woche übernachtet Rainer Sons in der Praxis. Er sagt: „Die Maschine ist meine beste Freundin. Ich lebe mit ihr.“

Dreimal in der Woche übernachtet Rainer Sons in der Praxis. Er sagt: „Die Maschine ist meine beste Freundin. Ich lebe mit ihr.“

Gerhard Bartsch

Dreimal in der Woche übernachtet Rainer Sons in der Praxis. Er sagt: „Die Maschine ist meine beste Freundin. Ich lebe mit ihr.“

Wuppertal. Über 15 000 Menschen in Deutschland sind von der Dialyse abhängig. Dreimal wöchentlich ist die lebensrettende Blutwäsche nötig - ein nicht zu unterschätzender Einbruch der Lebensqualität. Denn die Tage, an denen diese Menschen für vier bis fünf Stunden am Dialysegerät hängen, fehlen im Alltag.

In vielen Städten gibt es seit längerem die Nachtdialyse als Alternative - jetzt hat auch eine nephrologische Praxis in Wuppertal diese Art der Blutreinigung im Angebot. Dr. Harald Messner und sein Kollege Joachim Hey haben in ihrer Praxis an der Brändströmstraße zwölf Plätze für die Nachtdialyse eingerichtet.

Nur physisch stabile Patienten dürfen zur Nachtdialyse

Seit Ende Januar nutzen regelmäßig sieben Patienten die neue Möglichkeit, seit dem 1. März sind es acht. "Drei freie Plätze haben wir zur Zeit noch, wenn das zwölfte Bett kommt, sind es vier", so Harald Messner.

Zum Vergleich: Zur Tagesdialyse kommen regelmäßig 80 Patienten in die Praxis. Warum nutzen so wenige die praktische Möglichkeit der Nachtdialyse? "Viele möchten nicht gern hier schlafen, andere sind nicht stabil genug. Denn nur fitte Patienten können in die Nachtdialyse", erläutert Messner das Konzept.

"Ich warte nicht mehr."

Rainer Sons Antwort auf die Frage nach einem Spenderorgan.

Zu denen gehört Rainer Sons. Der 33-Jährige muss seit 1999 an die Dialyse. "Genau seit dem 3. März 1999. Solche Daten merkt man sich wie Geburtstage", sagt er. Auch sein Humor hat sich verändert - schwarz, aber ehrlich. "Die Maschine ist meine beste Freundin, ich lebe mit ihr", sagt Sons ohne Bitterkeit in der Stimme. Schließlich könne man mit der Dialyse viele Jahre leben.

Auf ein Spenderorgan angesprochen erklärt er: "Ich warte nicht mehr. Wenn man täglich beim jedem Handyklingeln zusammenzuckt, hat man darauf irgendwann keine Lust mehr." Aufgrund eines Nierentumors hat er momentan sowieso eine Sperre von fünf Jahren. "Das liegt daran, dass bei einer Transplantation das Immunsystem leidet. Bei einem schwachen Immunsystem könnten sich aber eventuell vorhandene Krebszellen schneller vermehren, darum muss man solange warten, um sicherzugehen, dass keine Krebszellen mehr da sind", so Harald Messner.

Nach der Behandlung geht es ausgeschlafen in den Tag

Die Nachtdialyse bezeichnet sein Patient als "Plus an Lebensqualität. Man hat tagsüber einfach mehr Zeit." Das er in einem fremden Bett schlafen muss, stört in nicht. "Daran gewöhnt man sich schnell und in der Relation zur Wirkung gesehen, ist das nicht der Rede wert."

So sieht es auch Annerose Weiß. "In meinem Alter stört einen das nicht mehr. Da muss man nicht mehr jede Nacht was im Arm haben", sagt sie schmunzelnd. Und die Nadeln im Arm stören nicht beim Schlafen? "Auch daran gewöhnt man sich", sagt die 58-Jährige. "Die Patienten lernen schnell, um ihren Arm herum zu schlafen", weiß auch Messner. Für die Nachtdialyse hat sich Annerose Weiß entschieden, weil die den Lebensrhythmus nicht so durcheinander bringt. "Man geht morgens ausgeschlafen nach Hause, fühlt sich richtig fit."

Das liegt laut Dr. Messner auch daran, dass das Blut länger gewaschen wird, als bei der Tagesdialyse. "Vor allem die Phosphatwerte bessern sich nachhaltig. Das haben Studien unsererseits inzwischen bewiesen."

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