Im „Crash Kurs NRW“ sollen Schüler der elften Jahrgangsstufe wachgerüttelt werden.

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Etwa 150 Schüler der Gesamtschule Barmen folgten gebannt der Schilderung der Unfallnacht durch Janines Vater.

Etwa 150 Schüler der Gesamtschule Barmen folgten gebannt der Schilderung der Unfallnacht durch Janines Vater.

Andreas Fischer

Etwa 150 Schüler der Gesamtschule Barmen folgten gebannt der Schilderung der Unfallnacht durch Janines Vater.

Wuppertal. Auf der Leinwand flimmern Bilder von Janine in Nahaufnahme. Die hübsche 19-Jährige singt eine Ballade, ihre Augen leuchten. Dann Schnitt, noch immer singt Janine, doch jetzt sind ihre regungslosen Beine in einem Rollstuhl zu sehen.

In der Aula der Gesamtschule Barmen, wo der Film über Janine gezeigt wird, haben einige Schülerinnen Tränen in den Augen. Mit drastischen Bildern und Schilderungen soll ihnen aufgezeigt werden, wie gefährlich falsches Verhalten im Straßenverkehr ist.

Unfall mit dem Motorrad: Janine sitzt seit zwei Jahren im Rollstuhl

Schockvideos von Massenkarambolagen und Verletzten gehören in Fahrschulen schon lange zur Verkehrserziehung. Der „Crash Kurs NRW“, der seit Mittwoch im bergischen Städtedreieck von Polizei und Feuerwehr durchgeführt wird, geht einen Schritt weiter. Unter dem Motto „Realität erfahren. Echt hart.“ berichten alle Beteiligten vom Unfall der 19-jährigen Janine, die im Juni 2009 auf der Briller Straße auf einem Motorrad verunglückte – und an den Folgen fast gestorben wäre.

Vor den Schülern schildert Feuerwehrmann Olli, wie er den Notruf in der Leitstelle entgegennahm. Sein Kollege Thomas, der zuerst am Unfallort war, beschreibt die schrecklichen Bilder. „Bei jedem Atemzug von Janine spritzte Blut aufs Visier des Helmes“, erzählt der 28-Jährige. 150 Schüler lauschen gebannt seinen Worten – es ist still in der Aula der Schule.

Janine selbst gehört auch zum Team des „Crash Kurs NRW“. Weil sie zurzeit auf Klassenfahrt in Berlin ist, berichtete am Mittwoch ihr Vater von der Nacht, die das Leben der Familie für immer veränderte. Spätestens als er die Bühne betritt, sind auch die sonst so coolen Jungs der Gesamtschule berührt. Obwohl es allen Schülern freisteht, die Aula zu verlassen, sollten sie die schlimmen Bilder des Unfalls nicht sehen wollen, bleiben alle bis zum Ende des Kurses. Notfallseelsorger der Polizei stehen nach dem Kurs zum Gespräch bereit.

Bis September dieses Jahres gab es in Wuppertal 129 im Verkehr verletzte junge Fahrer.

In der englischen Grafschaft Staffordshire wird das Projekt seit 2006 durchgeführt. Seitdem gibt es 50 Prozent weniger Unfälle von 17- und 18-Jährigen.

„Wenn sich am Verhalten der jungen Fahrer nichts ändert, sind zwei von Euch bald tot“, sagt ein Polizist auf der Bühne. Schülerin Desire ist beeindruckt: „Das war traurig und schockierend.“

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