Ein junger Fotograf postet bei Facebook das Porträt eines Obdachlosen. Das löst Diskussionen und Hilfsbereitschaft aus: Jetzt bekommt Björn K. Unterstützung.

Björn K. (Mitte) freut sich über die Hilfe von Marcus Kiesel (l.), Silvio Geßner und die anderer Unterstützer.
Björn K. (Mitte) freut sich über die Hilfe von Marcus Kiesel (l.), Silvio Geßner und die anderer Unterstützer.

Björn K. (Mitte) freut sich über die Hilfe von Marcus Kiesel (l.), Silvio Geßner und die anderer Unterstützer.

Andreas Fischer

Björn K. (Mitte) freut sich über die Hilfe von Marcus Kiesel (l.), Silvio Geßner und die anderer Unterstützer.

Wuppertal. „Das hätte ich nicht erwartet“, sagt Daniel Lampert (21). Er hat vor einer Woche Fotos eines Obdachlosen und Text dazu bei Facebook veröffentlicht. Damit hat er viele Menschen berührt. Zwei sind aktiv geworden. Und konnten in wenigen Tagen einiges in Bewegung setzen: Unter anderem soll sich Björn K. am Montag für eine Wohnung vorstellen.

Der junge Fotograf porträtiert als Projekt Obdachlose. „Mir ist aufgefallen, dass sie oft nicht mehr wahrgenommen werden. Ich wollte die Menschen wieder in den Fokus bringen“, erklärt er. Er hatte im Bekanntenkreis erlebt, dass jemand trotz Studiums aus der Bahn geriet. Zwölf Porträts von Wuppertaler Obdachlosen will er veröffentlichen, alle zwei Wochen eins.

Der Tod der kleinen Tochter war „Schlag ins Gesicht“ für ihn

Den Start machte er mit Björn K. (33), den er in der Elberfelder City angesprochen hat. Der lebt seit fünf Jahren zum zweiten Mal auf der Straße. Auslöser war der Tod seiner kleinen Tochter 2012: Das Mädchen mit einem Herzfehler lebte nur zwei Monate. „Das war wie ein Schlag ins Gesicht“, sagt BJörn K. im WZ-Gespräch.

Der Kummer ließ ihn vorübergehend wieder zu Drogen greifen, von denen er lange weg war. „Ich weiß, ich hätte das anders regeln müssen“, sagt er heute. Die Freundin warf ihn aus der Wohnung. Und keiner fand sich, ihn aufzunehmen.

Das Leben auf der Straße kannte er aus seiner Jugend. Dort war er nach der Trennung der Eltern, nach Internat und Heim gelandet. Er nahm Drogen, musste auch ins Gefängnis. Danach konnte er sich fangen, lernte seine Freundin kennen, zog zu ihr, fand Arbeit.

Für den Bezug von Arbeitslosengeld sei wichtig, für die Vermittlung verfügbar zu sein, so die Auskunft der Arbeitsagentur. Obdachlose könnten sehrwohl eine Beratungsstelle als Meldeadresse angeben, dort ihre Post holen, wird versichert..

Als er nach der Trennung eine Wohnung suchte, sei er „vor Mauern gerannt“, sagt er. Wenn Vermieter von der Obdachlosigkeit hörten, hätten sie ihn nicht genommen. Er hatte noch Anspruch auf Arbeitslosengeld, erhielt es einige Wochen. Doch als er einmal einen Termin verpasste, bei der Entschuldigung seine Obdachlosigkeit erwähnte, habe man ihm gesagt, dass er dann kein Arbeitslosengeld bekommen könne. Auch die Meldeadresse in der Obdachlosenberatungsstelle reiche nicht. Hartz IV bekam er dann auch nicht, weil er noch Anspruch auf Arbeitslosengeld hat. Da hatte er wieder das Gefühl, gegen Mauern zu rennen: „Ich dachte, ich geb auf.“

Doch eines Morgens, als der Schlafsack klatschnass vom Regen war, nahm er sich vor, etwas zu unternehmen. Und genau an diesem Tag stand Daniel Lampert vor ihm, stellte sein Projekt vor. Björn K. zögerte, dachte aber: „Vielleicht bekomme ich so Hilfe.“

Die bekommt er tatsächlich. Auf Facebook gab es unzählige Einträge unter seinem Porträt, viele waren gerührt von der Geschichte, hatten Tipps. Auch Silvio Geßner, Lehrer an der Gesamtschule Else Lasker-Schüler, stieß auf den Facebook-Eintrag. Mit dem Moderator Marcus Kiesel ging er in die City, sie sprachen Björn K. an. Und freuten sich, auf einen offenen jungen Mann zu treffen. Nach einem Kaffee mit ihm war klar, dass sie helfen.

Eine Bekannte wandte sich für sie an Oberbürgermeister Andreas Mucke, der das Anliegen sofort ans Ressort Soziales weiter gab: „Die Stadt hat sehr schnell geholfen“, berichten sie. Am Dienstag würden Sozialarbeiter mit Björn K. zur Arbeitsagentur gehen. Ein Kontakt zur Gewerkschaft Verdi ergab die Möglichkeit zu einem bezahlten Praktikum dort. Und dann fand sich noch jemand, der bei einer Wohnungsgesellschaft nach einer Wohnung fragte. Am Montag soll sich Björn K. vorstellen.

Der ist überwältigt von so viel Hilfe. Und bittet, über die Zeitung ein großes Dankeschön an alle Helfer weiterzugeben. Dass das Foto so etwas auslöst: „Das hätte ich nicht erwartet.“

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