Bei ihren Ermittlungen nach dem tödlichen Zwischenfall im Bahnhof Sonnborn geht die Polizei von einem Unglück aus. Die Einstiege in die S-Bahnen stehen bereits seit Jahren in der Kritik.

Sonnborn. Der Tod eines 58 Jahre alten Zugpassagiers im S-Bahnhof Sonnborn beschäftigt nach der Bundespolizei jetzt die Wuppertaler Kripo: "Wir gehen von einem Unglücksfall aus", sagte eine Polizeisprecherin auf WZ-Nachfrage. An den Ermittlungen ist das Eisenbahnbundesamt beteiligt. Wie berichtet, ist am Freitag ein Bochumer beim Ausstieg aus der S-Bahn zwischen den Zug und die Bahnsteigkante geraten. Der Mann konnte sich nicht befreien, wurde mitgeschleift und starb im Krankenhaus.

Die S-Bahn-Fahrer haben keinen eigenen Video-Monitor

Zum Zwischenfall selbst will sich die Bahn mit Blick auf die Ermittlungen nicht äußern. Neben der Frage nach den Ursachen bleibt auch die nach der Sicherheit auf den Bahnsteigen: Alle Türen der S-Bahnen sind mit Lichtschranken versehen. Sie verhindern im Ernstfall, dass sich die Türen schließen und der Zug losfährt. Der Fahrer wird dann per Warnsignal informiert.

Mit einem eigenen Video-Monitor, der Bilder von den Türen zeigt, sind die Arbeitsplätze der Fahrer laut der Bahn allerdings nicht versehen: Mit Kameras werden nur unübersichtliche Bahnsteige - etwa in Kurven - überwacht. Ihre Bilder sind auf Monitoren zu sehen, die auf Sichthöhe über den Bahnsteigen hängen. Im Gegensatz zum Fernverkehr werden bei S-Bahnen auch keine Zugbegleiter eingesetzt, die die Türen im Blick haben. Wie groß die Lücken zwischen Bahnsteig und Zug sind, hängt zum einen von den eingesetzten Wagen ab - und zum anderen mit der Ausstattung der Bahnhöfe.

Und gerade die wird seit Jahren vom Behindertenbeirat kritisiert: Während die Bahnsteige zwischen Gruiten und Düsseldorf so wie in Schwelm 76 Zentimeter hoch sind und damit keine Barrieren mehr für Menschen mit Behinderungen darstellen, ist das in den Bahnhöfen zwischen Oberbarmen und Vohwinkel nach wie vor nicht der Fall. "Nur im Hauptbahnhof ist der Bahnsteig auf etwa 15 Meter Länge barrierefrei", berichtet Hans-Bernd Engels vom Behindertenbeirat auf Nachfrage der WZ - ohne das Sonnborner Unglück bewerten zu wollen. An veralteten Bahnsteigen bekomme man es mit Niveau-Unterschieden von bis zu 30 Zentimetern zu tun. "Wir bemängeln schon lange, dass es in S-Bahnen keine Zugbegleiter gibt."

Das Eisenbahnbundesamt ist als unabhängige Überwachungsbehörde für den Bahnverkehr in Deutschland zuständig. Ihre Sachverständigen überprüfen unter anderem auch die Technik am Unglückszug von Sonnborn.

Im Zuge der Ermittlungen werden der Zugfahrer und andere Zeugen befragt. Um die Betreuung von Bahn-Mitarbeitern, die in Unfälle oder Suizide verwickelt wurden, kümmern sich Experten des bahnpsychologischen Dienstes.

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