Zukunft des Wahrzeichens ist auch aus Wuppertaler Sicht ungewiss: Eine Sanierung wie bei der Schwebebahn würde zum teuren Kraftakt.

baufällig
Ein Fall für Bauarbeiter: Das Bild machten Höhenretter der Feuerwehr im Mai 2009 vom rostigen Stahl der Müngstener Brücke. Die historische Stahlqualität ist ähnlich – und auch die Brücke ist, wie die Schwebebahn, vernietet. Archiv-

Ein Fall für Bauarbeiter: Das Bild machten Höhenretter der Feuerwehr im Mai 2009 vom rostigen Stahl der Müngstener Brücke. Die historische Stahlqualität ist ähnlich – und auch die Brücke ist, wie die Schwebebahn, vernietet. Archiv-

Auch ein Fall für Bauarbeiter: Gerüstarbeiten an der Schwebebahn nahe der Werther Brücke zu sehen. Archiv

Uwe Schinkel/Peter Fichte, Bild 1 von 2

Ein Fall für Bauarbeiter: Das Bild machten Höhenretter der Feuerwehr im Mai 2009 vom rostigen Stahl der Müngstener Brücke. Die historische Stahlqualität ist ähnlich – und auch die Brücke ist, wie die Schwebebahn, vernietet. Archiv-

Wuppertal. Müngstener Brücke abgerissen – Zweckbau eingeweiht. Zu dieser Schlagzeile darf es nicht kommen, meint Hans Joachim de Bruyn-Ouboter. Und der Vorsitzende des Bergischen Rings geht angesichts der schlechten Nachrichten aus Solingen im Gespräch mit der WZ noch weiter: „Jetzt muss es darum gehen, eine möglichst große Öffentlichkeit herzustellen, wenn es um die Rettung dieser für die Region einmaligen Brücke geht – wie seinerzeit bei der Wuppertaler Schwebebahn. Das darf nicht hinter verschlossenen Türen diskutiert werden.“

„Das darf nicht hinter verschlossenen Türen diskutiert werden.“

Hans Joachim de Bruyn-Ouboter, Vorsitzender des Bergischen Rings, über die Konzepte zur Rettung der Müngstener Brücke.

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Ein Fall für Bauarbeiter: Das Bild machten Höhenretter der Feuerwehr im Mai 2009 vom rostigen Stahl der Müngstener Brücke. Die historische Stahlqualität ist ähnlich – und auch die Brücke ist, wie die Schwebebahn, vernietet. Archiv-

Ein Fall für Bauarbeiter: Das Bild machten Höhenretter der Feuerwehr im Mai 2009 vom rostigen Stahl der Müngstener Brücke. Die historische Stahlqualität ist ähnlich – und auch die Brücke ist, wie die Schwebebahn, vernietet. Archiv-

Auch ein Fall für Bauarbeiter: Gerüstarbeiten an der Schwebebahn nahe der Werther Brücke zu sehen. Archiv

Uwe Schinkel/Peter Fichte, Bild 1 von 2

Auch ein Fall für Bauarbeiter: Gerüstarbeiten an der Schwebebahn nahe der Werther Brücke zu sehen. Archiv

Wie berichtet, gibt es nach einer Stellungnahme der Deutschen Bahn an den Verkehrsausschuss des Landtags Spekulationen über einen möglichen Neubau, der die 113 Jahre alte historische Brücke auf Dauer ersetzen könnte – als Zweckbauwerk für den Fortbestand der Zugverbindung zwischen Solingen, Remscheid und Wuppertal. Veranschlagte Kosten: 45 bis 50 Millionen Euro.

De Bruyn fürchtet nicht nur um den „optischen Gesamteindruck“ bei einer solchen Lösung. Sie unterstreiche auch, dass das angrenzende Denkmal in absehbarer Zeit dann ganz verschwindet, wenn es keinen technischen Zweck mehr erfülle und dennoch hohe Wartungskosten erfordere. Nach wie vor müsse daher alles daran gesetzt werden, „die Müngstener Brücke verkehrstüchtig zu halten.“

Einen auf mehrere Etappen angelegten „Sanierungsneubau“ der Eisenbahnbrücke, wie ihn die Solinger SPD nach dem Vorbild der Schwebebahn vorschlägt, hält Michael Krietemeyer, Projektleiter der Stadtwerke beim Umbau des Wuppertaler Wahrzeichens, rein technisch gesehen grundsätzlich für machbar.

Schon das Baugerüst wäre eine Herausforderung

Die Stahlqualität der Brücke ähnele der des historischen Stahls der Schwebebahn – mit denselben Konsequenzen: Schweißarbeiten sind problematisch, und bei Minusgraden im Winter ist höchste Vorsicht geboten, wenn es um alten Stahl geht, der brüchig werden kann. Das hat Wuppertal schmerzhaft erfahren, als der Schwebebahnbetrieb monatelang eingestellt werden musste, weil in den noch nicht sanierten Gerüstabschnitten beim Zugbetrieb Schäden drohten.

Aber auch Krietemeyer führt die enormen Kosten und den großen Aufwand ins Feld, die mit einer Brückensanierung vom Kaliber der Schwebebahn einhergingen: Ein mehr als 100 Meter hohes und fast 500 Meter langes Bauwerk einzurüsten, sei schon eine Herausforderung an sich.

Sanierung nach historischem Vorbild macht die Sache teuer

Hinzu komme, dass eine Sanierung nach historischem Vorbild – etwa mit Niet- anstatt Schraubverbindungen – grundsätzlich aufwendiger und damit teurer ist als eine konventionelle Variante. Auch das belegt ein direkter Vergleich mit der Großbaustelle Schwebebahn, etwa an der Haltestelle Landgericht, die nach historischem Vorbild formidentisch neu errichtet wird. Kosten alleine hier: gut neun Millionen Euro. Einen partiellen Austausch alter Brückenstücke sieht Krietemeyer grundsätzlich kritisch: „Die alten Bauteile werden die Brücke an sich nicht besser machen.“ Wenn, dann müsse man auch an der Müngstener Brücke „Nägel mit Köpfen“ machen.

Bahn plant mit 30 Millionen Euro – Schwebebahn kostete 600

Bei der Wuppertaler Schwebebahn bedeutet das bislang mehr als 15 Jahre Bauzeit und Gesamtkosten von mehr als 600 Millionen Euro, wobei diese neben dem Stahlgerüst auch Bahnhöfe und neue Züge umfassen. Im Vergleich dazu hat die Bahn noch im Frühjahr bei einem Ortstermin angekündigt, in den nächsten Jahren 30 Millionen Euro in die Sanierung der Müngstener Brücke zu investieren. Ende offen.