Mit jahrelangen Haftstrafen für den leiblichen Sohn (20) und den Stiefsohn (35) ging gestern der Prozess um den Tod des 52Jahre alten Luca Grgic zu Ende

Verurteilt: Weil sie ihren Vater erschlagen haben, wurden zwei Stiefbrüder (links und rechts) gestern zu hohen Haftstrafen verurteilt. Verteidiger Klaus Sewald (Mitte) kündigte Revision gegen das Urteil an.
Verurteilt: Weil sie ihren Vater erschlagen haben, wurden zwei Stiefbrüder (links und rechts) gestern zu hohen Haftstrafen verurteilt. Verteidiger Klaus Sewald (Mitte) kündigte Revision gegen das Urteil an.

Verurteilt: Weil sie ihren Vater erschlagen haben, wurden zwei Stiefbrüder (links und rechts) gestern zu hohen Haftstrafen verurteilt. Verteidiger Klaus Sewald (Mitte) kündigte Revision gegen das Urteil an.

dpa

Verurteilt: Weil sie ihren Vater erschlagen haben, wurden zwei Stiefbrüder (links und rechts) gestern zu hohen Haftstrafen verurteilt. Verteidiger Klaus Sewald (Mitte) kündigte Revision gegen das Urteil an.

Wuppertal. Was in den beiden Männern auf der Anklagebank vorging, ließ sich gestern nur erahnen. Wegen Mordes an ihrem Vater, dem 52 Jahre alten Luca Grgic, waren sie angeklagt. Gestern wurden sie verurteilt: "nur" wegen Totschlags. Achteinhalb Jahre Haft lautet das Strafmaß für den leiblichen Sohn  (20), 13 Jahre und sechs Monate für den Stiefsohn des Opfers.

Die beiden angeklagten Stiefbrüder schweigen eisern

Bis zuletzt schwiegen die beiden Männer eisern, ließen sich nichts anmerken. Im Gegenteil: bei der Verabschiedung voneinander - die beiden sitzen in unterschiedlichen Gefängnissen - gab es die obligatorischen Gesten: Faust auf Faust und ein brüderliches Lächeln. Drastischer konnte der Gegensatz nicht sein.

Denn zuvor hatte das Gericht detailliert das brutale Tatgeschehen geschildert und bewertet. Demnach haben die beiden Stiefbrüder ihren Vater am Nachmittag des 21.  April 2007 "buchstäblich totgeschlagen". Dem Opfer wurden die Nase, das Jochbein, der linke Oberkiefer und mehrere Rippen gebrochen. Dazu kamen Verletzungen der Nieren, des Darms und der Hoden. Am Ende kollabierten beide Lungenflügel. Luca Grgic starb.

Für das Gericht steht außer Zweifel, dass die Tat minutiös geplant war. So habe der leibliche Sohn einen Elektroschocker besorgt. Wohlweislich habe er für den Kauf des Gerätes einen Bekannten vorgeschickt. Laut Urteil kam der Elektroschocker - mit 600 000  Volt das stärkste Gerät, das es auf dem Markt gibt - definitiv zum Einsatz, um den 90-Kilo-Mann Luca Grgic außer Gefecht zu setzen.

"Sie sind beide knapp an einer lebenslangen Haftstrafe vorbeigekommen."

Ralph von Bargen, Richter, zu den beiden Angeklagten

Für die Staatsanwaltschaft steht fest, dass die Angeklagten ihren Vater mit dem Gerät hinterrücks kampfunfähig machten. Doch ein Rechtsmediziner hatte eine Wunde an der Hand des Opfers als mögliche Folge eines Abwehrversuchs gewertet. Das könnte bedeuten, dass Luca Grgic an jenem Nachmittag nicht arg- und wehrlos war, sondern doch noch versucht hat, sich zu wehren. Nur deshalb geht das Gericht von Totschlag, nicht von Mord aus. Richter Ralph von Bargen gestern: "Sie sind beide knapp an einer lebenslangen Haftstrafe vorbeigekommen."

Keine Zweifel ließ das Gericht an der "arbeitsteiligen" Ausführung der Tat aufkommen. Von Bargen: "Beide haben mitgeplant, mitgetötet, mitvertuscht." Der Jüngere habe den Elektro-Schocker besorgt, der Ältere habe schon Monate vor der Tat im Bekanntenkreis der Familie von angeblichen Schulden seines Stiefvaters erzählt. Bekanntlich legten die Brüder nach der Tat gezielt falsche Fährten ins Rotlichtmilieu der Hessen-Metropole Frankfurt

Im Fall des 20 Jahre alten leiblichen Sohnes des Opfers wendet das Gericht Jugendstrafrecht an. Das sei dem engen Verhältnis des heranwachsenden zur Mutter geschuldet.

Die Verteidigung geht davon aus, dass es am Tattag eigentlich zu einer Aussprache kommen sollte, in der die Angeklagten ihrem Vater sagen wollten, dass seine Übergriffe gegen die Mutter aufhören müssten. Die Situation sei dann "aus dem Ruder gelaufen". Der Tod Grgics sei die Folge eines unkontrollierten Wutausbruchs gewesen. "Wer wo was gemacht habe", ist laut Verteidigung offen. Deshalb gelte "im Zweifel für den Angeklagten".

Das Gericht stellte gestern klar, dass die Vertuschungsversuche der Stiefbrüder nicht strafschärfend zu werten seien. Laut Gericht war die Mutter am Verwischen der Spuren beteiligt. Weil sie mit den Angeklagten verwandt ist, hat das für sie keine strafrechtlichen Konsequenzen.

Die Verteidiger kritisierten in ihrem Plädoyer einmal mehr die Ermittlungsarbeit der hessischen Kriminalpolizei. Das Gericht pflichtete dem gestern nur zum Teil bei. Man habe Passagen aus polizeilichen Vernehmungen nicht verwertet. Ein angebliches Geständnis des 20-Jährigen fiel unter dieses Verwertungsverbot.

Das Gericht zählte unter anderem die vielen falschen Telefonate auf, mit denen die Stiefbrüder der Kripo weismachen wollten, Luca Grigic sei alten Balkan-Seilschaften zum Opfer gefallen. Wo sie konnten, verwischten die Angeklagten Spuren. Das Wohnzimmer des Stiefsohnes in dem Luca Grigic starb, bekam nach der Tat einen neuen Laminatboden. Die Möbel wurden ersetzt.

Auch die Mutter habe nach der Tat beim Verwischen der Spuren geholfen. Und so wurde auch die Frage nach dem Motiv beantwortet. Tiefer Hass der Söhne auf den Vater, der die Mutter über Jahre nicht nur kontrolliert, sondern misshandelt haben soll, stellte das Gericht gestern fest.Die Verteidigung hatte Freispruch gefordert und kündigte Revision gegen das Urteil an.

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