Die Jakobstreppe, Wuppertals steilste Stiege, ist seit zwei Jahren gesperrt – eine Reparatur ist wegen Geldmangels nicht in Sicht. Und sie ist kein Einzelfall.

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Langsam erobert sich die Natur die Jakobstreppe, die von der Friedrich-Ebert-Straße auf den Nützenberg führt, zurück.

Langsam erobert sich die Natur die Jakobstreppe, die von der Friedrich-Ebert-Straße auf den Nützenberg führt, zurück.

Uwe Schinkel

Langsam erobert sich die Natur die Jakobstreppe, die von der Friedrich-Ebert-Straße auf den Nützenberg führt, zurück.

Wuppertal. Seit etwa zwei Jahren bietet sich an Wuppertals Himmelsleiter ein trauriges Bild: Absperrgitter, wucherndes Unkraut und bröckelnde Stufen versperren dort den Weg in Richtung Nützenberg. Die Himmelsleiter, oder Jakobstreppe, wie sie eigentlich heißt, ist seit Jahren sanierungsbedürftig und bereits seit zwei Jahren komplett gesperrt. Auch die für Mitte vergangenen Jahres angekündigte Sanierung wurde letztlich doch nicht umgesetzt – der Stadt fehlte das Geld.

„Die Stadt hat einfach über Jahre versäumt, in ihre Infrastruktur zu investieren.“

Thorsten Warning, Mitarbeiter im Verkehrsressort der Stadt Wuppertal.

Damit droht Wuppertals steilster Treppe der totale Verfall. Eine Rettung ist aufgrund der Haushaltssperre auch für 2011 nicht in Sicht. Und das ist in einer Stadt mit 469 öffentlichen Treppen kein Einzelfall. Weitere prominente Beispiele geschlossener, vor sich hin verfallender Treppen sind beispielsweise die Lenbachstiege in Katernberg oder die Waldstiege in Elberfeld.

Grund dafür ist schlichtweg die Prioritätenliste der Stadt. „Auf dieser Liste werden die sanierungsbedürftigen Treppen zwar geführt, stehen aber in direkter Konkurrenz zu den Brücken “, erläutert Thorsten Warning vom Verkehrsressort. Brücken seien in ihrer Verkehrsbedeutung wichtiger, die Gefahrensituation dort oft um einiges höher. Daher stecke man die wenigen Gelder, die dem Ressort jährlich zur Verfügung stehen, wohl oder übel in Sanierungsarbeiten an den Brücken. Und selbst dafür, so Warning reiche das Geld ja nicht.

Eine Komplettsanierung hätte noch verhindert werden können

Die Pläne für eine mögliche Sanierung der Jakobstreppe liegen ihm längst fertig vor. „Doch was nützt das beste Konzept, wenn es in der Schublade liegt?“, fragt Warning. Zwischen 500 000 und einer Million Euro werde die aufwendige Sanierung wohl kosten – zu viel Geld für eine Stadt mit Haushaltssperre.

Das Verkehrsressort habe die Stadt frühzeitig auf die Missstände an der Jakobstreppe aufmerksam gemacht, betont Warning erneut. So früh, dass eine Schließung noch hätte verhindert werden können. Doch schon damals sei das Geld knapp gewesen. „Die Stadt hat einfach über Jahre versäumt, in ihre Infrastruktur zu investieren“, findet er klare Worte.

Zur Zeit wird nur bei aktuten Frostschäden ausgebessert

Die Resonanz auf die Sperrung der Treppen sei, so die Stadt, nicht groß. Bei der Jakobstreppe etwa gebe es gerade einmal eine bis zwei Beschwerden im Jahr.
 

Erst im April lässt sich laut Stadt vollständig absehen, wieviel Schaden der Frost im Winter an den Treppen angerichtet hat.
 

Über die Verteilung der Gelder für das Verkehrsressort entscheidet seit der Haushaltssperre nicht nur der Kämmerer, sondern auch die Bezirksregierung.

Zurzeit könne man an vielen Stellen also nur noch Schadensbegrenzung betreiben. „Unsere Mitarbeiter sind gerade noch damit beschäftigt, Frostschäden aufzunehmen und auszuwerten“, sagt Warning. Bei akuten Schäden, die eine Gefahr für die Bürger darstellen, könne momentan eben nur nachgebessert werden. Größere Projekte müssten fast überall warten.

Bessere Nachrichten gibt es immerhin von der Böcklintreppe am Uellendahl. Sie wird als eine der wenigen Treppen im Stadtgebiet repariert, der zweite Bauabschnitt hat gerade begonnen. Statt einer aufwendigen und kostenintensiveren Sanierung wird die Treppe dort komplett um ein ganzes Stück versetzt und neben den alten Stufen wieder aufgebaut. Ein Rezept, das auf der schmalen Himmelsleiter zwischen steilen Häuserwänden gar nicht möglich wäre.