Vier Männer müssen sich wegen Betrugs im Baugewerbe verantworten.

Wuppertal. Vier Angeklagte und knapp 500 angeklagte Taten - der Prozess wegen Betruges und Steuerhinterziehung, der am Dienstag am Landgericht eröffnete wurde, droht ein Mammutverfahren zu werden. Fast zwei Stunden dauerte allein die Verlesung der Anklageschrift.

Laut Staatsanwaltschaft soll das Quartett - ein Wuppertaler Rechtsanwalt, ein Geschäftsführer, ein Kaufmann und ein Betriebs- und Bauleiter - zwischen 1997 und 2003 diverse Baufirmen gegründet und im großen Stil Waren bestellt haben, ohne diese zu bezahlen. Insgesamt sollen sie einen Wert von 1.151.468 Euro gehabt haben. Gekauft wurde laut Anklage alles von Baumaterialien und Einrichtungsgegenständen, über Eiscrusher, Uhren, Kleidung und Duschgel bis hin zu DVDs wie "Der Herr der Ringe" oder "Indiana Jones".

Die eigene Identität mit Ströhmännern verschleiert

Die Masche der Bande sei dabei immer die gleiche gewesen: Zunächst gründeten die Angeklagten eine Gesellschaft, bestellten Baumaterialien, bezahlten sie und verbauten sie in privaten wie firmeneigenen Projekten. Nachdem sie sich auf diese Weise einen guten Ruf in der Branche erworben hatten, sollen die Männer die Geschäftsführung der Firmen aufgegeben, ihre Identität mit dem Einsatz von Strohmännern verschleiert haben und die Firmen schließlich umbenannt haben. Die bestellten Waren wurden nie bezahlt und die Firmen schließlich - wie von Anfang an geplant - in die Insolvenz geführt.

Insgesamt geht die Staatsanwaltschaft von vier Scheinfirmen aus, die ihren Sitz unter anderem in Wuppertal, Sprockhövel und Ratingen hatten. Auf die Spur kam die Staatsanwalt der Masche übrigens im Zuge von Kontrollen wegen Schwarzarbeit.

"Es handelt sich hier um ein schwer zu überschauendes Verfahren", sagte Richter Helmut Leithäuser und verwies dabei auf die immens große Zahl der angeklagten Taten sowie die erhebliche Verzögerung der Anklage - immerhin liegen die Vorfälle zum Teil zehn Jahre zurück. Der Richter redete den Angeklagten ins Gewissen, sich geständig zu zeigen und so zur Aufklärung der Vorwürfe beizutragen. Andernfalls dürfte es wohl angesichts der Fülle an zu prüfenden Rechnungen und Belegen wirklich ein Mammutverfahren werden.

Der Prozess wird fortgesetzt.

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