Bei den Ermittlungen zu dem Übergriff auf dem Vohwinkeler Flohmarkt hat die Polizei ein Problem: Ihr gegenüber schweigen die Verdächtigen und die Opfer.

Neonazis (hier bei einem Rudolf-Heß-Gedenkmarsch) und ihre Gegner stoßen besonders in Vohwinkel immer wieder aufeinander.
Neonazis (hier bei einem Rudolf-Heß-Gedenkmarsch) und ihre Gegner stoßen besonders in Vohwinkel immer wieder aufeinander.

Neonazis (hier bei einem Rudolf-Heß-Gedenkmarsch) und ihre Gegner stoßen besonders in Vohwinkel immer wieder aufeinander.

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Neonazis (hier bei einem Rudolf-Heß-Gedenkmarsch) und ihre Gegner stoßen besonders in Vohwinkel immer wieder aufeinander.

Vohwinkel. Nach der Schlägerei auf der Kaiserstraße während der Aufbauarbeiten zum Vohwinkeler Flohmarkt ermittelt die Polizei gegen 15 Personen, die dem rechtsextremen Spektrum zugerechnet werden, wegen gefährlicher Körperverletzung. Die Klärung des Falls – laut Augenzeugenberichten sollen mehrere Neonazis gezielt Personen aus dem linken Spektrum an einem Stand angegriffen haben – wird durch altbekannte Probleme behindert.

Vohwinkel-Wochenende: Die Polizei war auf Übergriffe vorbereitet

Dass die Tatverdächtigen von ihrem Schweigerecht Gebrauch machen, ist wenig überraschend. Aber auch die Opfer sind offenbar nicht bereit, mit der Polizei zu reden. Die ließ sich am Montag nicht den Schwarzen Peter zuschieben (siehe Kasten). Nach entsprechenden Ankündigungen im Internet sei man auf etwaige Übergriffe verfeindeter Extremisten vorbereitet gewesen und habe schnell eingegriffen. Nach WZ-Informationen war deswegen an allen drei Festtagen ein zusätzliches Kontingent von etwa 50 Bereitschaftspolizisten vor Ort.

Für den Einsatz der Polizei gab es viel Lob, unter anderem von Flohmarktmitveranstalter Andreas Schäfer: „Die Polizei hat einen sehr guten Job gemacht.“ Wie berichtet, waren in einer Wohnung an der Kaiserstraße jene 15 Verdächtigen festgenommen worden, Fahnenstangen, Handschuhe, Sturmhauben und Pfefferspray „präventiv“ einkassiert worden. Und: Die Verdächtigen wurden erst am Sonntagabend aus dem Polizeigewahrsam in Barmen entlassen – da war der Flohmarkt bereits friedlich zu Ende gegangen.

Neonazis in Vohwinkel bekommen Zulauf aus dem Osten der Stadt

Nach dem erneuten Übergriff von Extremisten ändert die Polizei ihre Sicht auf die neue Vohwinkeler Neonazi-Szene. Greifbare Führungsstrukturen seien zwar auch bei der Schlägerei auf dem Flohmarkt nicht zu erkennen – eine Verfestigung der Gruppe und ein gewisser Zulauf jedoch schon. Nach WZ-Informationen sollen mehrere dem rechtsextremen Spektrum zugerechnete Neonazis mittlerweile vom Osten der Stadt nach Vohwinkel gezogen sein.

„Die Polizei hat einen sehr guten Job gemacht.“

Andreas Schäfer, Organisator des Vohwinkeler Flohmarkts

Die Szene im Westen – ein Treffpunkt war bislang am Bahnhof Vohwinkel – werde beobachtet, heißt es, seitdem es im Dezember 2010 im und am Cinemaxx-Foyer einen Pfefferspray-Angriff auf Besucher eines Aufklärungsfilms über Neonazis gegeben hatte. Am Montag bestätigte die Staatsanwaltschaft, dass die entsprechenden Verfahren – unter anderem wegen Landfriedensbruchs – eingestellt worden sind. Weil die Angreifer damals vermummt waren, sei es nicht möglich zu klären, wer was getan hat. Zu den Cinemaxx-Verdächtigen gehörte unter anderem ein 26 Jahre alter Wuppertaler, der jetzt im Vohwinkeler Fall erneut unter Verdacht steht.

 Die Schlägerei wird von Zeugen als geplanter, kaum eine Minute dauernder gezielter Überfall auf Personen dargestellt. Die Rechten hätten dabei Holzschlagstöcke eingesetzt. Auch Flaschen seien geflogen. Aus dem Fenster der Wohnung, in der die Verdächtigen später festgenommen wurden, seien nach dem Übergriff die Opfer auf der Kaiserstraße fotografiert beziehungsweise gefilmt worden. Laut Polizei wurde in der Wohnung jedoch keine Kamera sichergestellt. Auch auf dem Lienhardtplatz sollen Flaschen geflogen sein. Der Platz sei mit Scherben übersät gewesen.

Die Polizei wies gestern im Internet kursierende Kritik an ihrem Einsatz zurück, wonach die Opfer von den Beamten schikaniert worden seien. Unterschiede in der Behandlung gebe es nicht, hieß es dazu seitens der Pressestelle. Es gehe um Gefahrenabwehr und Aufklärung. Auch der Vorwurf, Passanten hätten nicht eingegriffen, sei nicht zutreffend. Mehrere Augenzeugen hätten umgehend per Handy die Polizei alarmiert. Übergriffe gegenüber Unbeteiligten oder Ausländern hat es laut Polizei nicht gegeben.          mst/akf

Zum aktuellen Fall dauern die Ermittlungen von Kripo und Staatsschutz an.