Marcel Kleinfeld hat eine Bewegungsstörung – trotzdem hat er eine Stelle bei der Sparkasse. Vermittelt hat den das Netzwerk Anschub Wuppertal.

Marcel Kleinfeld hat eine Cerebralparese – trotzdem hat er eine Stelle bei der Sparkasse. Vermittelt hat den das Netzwerk Anschub Wuppertal.
Marcel Kleinfeld arbeitet bei der Stadtsparkasse.

Marcel Kleinfeld arbeitet bei der Stadtsparkasse.

Andreas Fischer

Marcel Kleinfeld arbeitet bei der Stadtsparkasse.

Wuppertal. Wenn Marcel Kleinfeld durch die Stadtsparkasse Wuppertal läuft, zaubert er vielen mit seiner unbekümmerten Art ein Lächeln ins Gesicht. Mit dem Pförtner hält er einen kurzen Plausch, bevor er sich auf den Weg in eine der Filialen macht, um Computerzubehör auszutauschen. Der 20-jährige ist glücklich über die Arbeit: „Ich bin sehr zufrieden, dass die Sparkasse mich genommen hat. Damit hätte ich nie gerechnet.“

Marcel Kleinfeld hatte nicht mit dem Job gerechnet, weil er eine Cerebralparese hat. Durch Sauerstoffmangel bei der Geburt hat er eine halbseitige Bewegungsstörung. „Ich kann die rechte Hand nicht so gut bewegen und humpele beim Laufen“, erklärt Kleinfeld sein Handicap, mit dem er offen umgeht. Er stellt gleich klar, dass nicht jeder, der ein Handicap habe, dumm sei. In der Ausbildung bei der Lebenshilfe sei er unterfordert gewesen. Das sei bei der Sparkasse anders: „Ich habe hier jeden Tag etwas zu tun und fühle mich geborgen.“

Auch die Stadt bietet im Sommer zwei Stellen an

Seinen Job bekam er über Anschub-Wuppertal vermittelt. Das Netzwerk hat sich zum Ziel gesetzt, Jugendliche mit geistiger oder körperlicher Behinderung auf dem Arbeitsmarkt zu integrieren. „Früher sind 99 Prozent der Schüler aus Förderschulen in die Werkstätten gegangen“, sagt Bernd Strohmeyer, Konrektor der Schule am Nordpark, Förderschule für Kinder und Jugendliche mit geistiger Behinderung. „Das hat sich in den letzten Jahren geändert, weil viele Schüler auf den ersten Arbeitsmarkt wollen“, so Strohmeyer.

Die Agentur für Arbeit, die die Werkstattplätze finanziert, stelle zudem häufig fest, dass die Absolventen der Förderschule zu fit seien. Deshalb ist das Netzwerk Anschub-Wuppertal auch immer auf der Suche nach „mutigen Arbeitgebern“, sagt Strohmeyer.

Die meisten Jobs gebe es im Handwerksbereich und im Landschaftsbau. Deshalb sei es bewundernswert, dass sich die Sparkasse bei der Inklusion engagiere. Aber auch an anderer Stelle tut sich etwas: In der Stadtverwaltung soll es nach den Sommerferien zwei Ausbildungsplätze für Fachpraktika Bürokommunikation geben. Außerdem hat Oberbürgermeister Andreas Mucke einen Praktikumsplatz in seinem Büro zugesagt.

Das Netzwerk Anschub-Wuppertal befasst sich mit der Situation von Menschen mit einer körperlichen und/ oder geistigen Behinderung im Übergang von Schule in das Berufsleben.

Ziel des Netzwerkes ist die Inklusion. Beteiligt sind unter anderem die Stadt Wuppertal, die IHK, der Verband Bergischer Unternehmerverbände, die Stadtsparkasse Wuppertal, der Integrationsfachdienst Wuppertal und drei Schulen: Schule am Nordpark, LVR Förderschule Wuppertal und die Troxler Schule.

Mehr zum Netzwerk unter anschub-wuppertal.de

Marcel Kleinfeld arbeitet im Rahmen eines Berufsintegrierten Arbeitsplatzes (BIAP) bei der Sparkasse. Das heißt, er ist bei der Lebenshilfe angestellt, die ihn dann als Arbeitnehmer an die Sparkasse weitervermittelt. „Das ist eine Möglichkeit, mit Absolventen der Förderschule in Kontakt zu kommen, ohne ein Risiko einzugehen“, erklärt Strohmeyer.

Die Verträge im Rahmen des BIAP laufen zunächst über ein Jahr. Ende April läuft der Vertrag von Marcel Kleinfeld aus. „Bis jetzt sieht alles danach aus, dass es eine Verlängerung geben wird“, sagt Michael Selbach, Chef von Marcel Kleinfeld. Er sehe Marcel nicht nur aus der Perspektive des Schwerbehindertenbeauftragten, sagt Selbach. „Ich bekomme von meinen Mitarbeitern mit, dass die Atmosphäre aufgewertet wird und dass es toll ist, jemanden eine Chance zu geben, der eine Behinderung hat.“ Auch seine Kollegen finden, dass Marcel Kleinfeld ein Gewinn für die Sparkasse ist. Jörg Peckhaus, der mit ihm zusammen arbeitet, sagt dazu: „Er ist eine gute Ergänzung für die Arbeit, weil er viel erledigen kann und mit seiner Art macht er es einfach lustig.“

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