Streusalz ist in Wuppertaler Baumärkten zurzeit Mangelware. Die WZ machte sich auf die Suche nach den letzten Säcken.

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Endlich geschafft: WZ-Mitarbeiter Daniel Neukirchen ist nach seiner verzweifelten Suche mit Streusalz und Schneeschaufel zurückgekehrt.

Endlich geschafft: WZ-Mitarbeiter Daniel Neukirchen ist nach seiner verzweifelten Suche mit Streusalz und Schneeschaufel zurückgekehrt.

Uwe Schinkel

Endlich geschafft: WZ-Mitarbeiter Daniel Neukirchen ist nach seiner verzweifelten Suche mit Streusalz und Schneeschaufel zurückgekehrt.

Wuppertal. Ich bin auf meiner Mission von Angst getrieben. Angst davor, dass jeden Moment genau vor meiner Haustür ein ausgefuchster Anwalt auf dem Glatteis ausrutscht. Die potenzielle Zivilklage schwebt über meinem Kopf, als ich mich gestern auf den Weg mache, um Streusalz zu kaufen. Eine Wuppertaler Odyssee.

„Streusalz? Ist seit gestern alle.“ Meine erste Station: Der Hellweg-Baumarkt in Uellendahl. Auf den ersten Blick ist hier keine Spur von dem weißen Gold zu sehen. Ein Verkäufer zuckt mit den Schultern: „Streusalz? Ist seit gestern alle.“ Wann wieder etwas reinkommt, das wisse keiner. „Ist aber bestellt.“ Wenig getröstet schliddere ich in meinem Auto zum Obi-Baumarkt in Steinbeck. Auch dort ist abgepacktes Streusalz ein Relikt aus längst vergangenen Tagen. Doch es gibt eine Alternative: Die Kunden dürfen sich aus zwei großen Säcken selbst bedienen. Begierig schaufeln sich Menschen mit kleinen Schäufelchen orange Eimer mit Salz voll. Sieht spaßig aus, hat aber seinen Preis. Ein Eimer mit rund 14 Kilo Inhalt kostet 9,99 Euro. Das ist mir zu teuer – und außerdem möchte ich keinen offenen Eimer in meinem Auto durch die Gegend fahren. Alfred Puppel (72) ist einer der Kunden, die sich ein paar Eimer auf den Einkaufswagen geladen haben. Er sagt: „Die nutzen die Gunst der Stunde und nehmen kräftiges Geld dafür.“ Noch vor kurzem habe er für 50 Kilo Salz zehn Euro bezahlt.

Kein Erfolg in Lichtscheid und Oberbarmen Lichtscheid liegt ja ein wenig abgelegen. Vielleicht hat der dortige Hornbach ja noch ein wenig Salz, so meine Überlegung. Doch die Hoffnung wird jäh zerstört. „Wir hängen völlig in der Luft“, erklärt ein Mitarbeiter. Als er das sagt, sehe ich im Geiste den Anwalt, wie er mit seinen profillosen Schuhen rücklings nach hinten kippt. „Die können nicht liefern“, wird mir gesagt. Wann es wieder Streusalz zu kaufen gibt, sei völlig ungewiss. Oberbarmen, ein Parkplatz, Schneegestöber, ein Auto hält, schnelle Schritte. Schon bin ich bei meiner nächsten Station angelangt: dem Bauhaus-Markt. Mittlerweile kann ich an dem Blick des Verkäufers während ich das Wort Streusalz ausspreche erkennen, ob die Anfrage positiv verlaufen wird. Dieses Mal höre ich: „Seit anderthalb Tagen ist alles weg.“ Im B1 Discount Baumarkt finde ich zwar auf den ersten Blick keinen Verkäufer, dafür fällt mein Blick auf einen Stapel weißer Säcke. Ungläubig lese ich die Aufschrift: „S T R E U S A L Z“. Ein Zehn-Kilo-Sack gibt’s für 3,50 Euro. 25 Kilo kosten 6,50 Euro. Am Info-Punkt erfahre ich, dass ich unglaubliches Glück hatte: „Die Lieferung ist heute gekommen. Greifen Sie zu, am Nachmittag ist alles weg.“ Schnell zerre ich einen Sack Salz vom Stapel und kaufe direkt noch eine Sieben-Euro-Schaufel dazu. Jetzt nur noch den schweren Plastiksack sicher im Auto verstauen. Auf dem Parkplatz rutscht er mir fasst von der Schulter. Das wäre ja was gewesen, wenn der Zehn-Kilo jetzt einem Anwalt auf den Fuß gefallen wäre.

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