Wuppertal. Von einem halben Jahrhundert Lebenshilfe hat Erwin Borkenhagen viele Jahre geprägt. Der heute 59-Jährige war von 1987 bis 2004 Geschäftsführer des Vereins. Im Sommer 2002 bahnte sich das Ende der Ära Borkenhagen an. In einer anonymen zehnseitigen Anzeige wurde dem damaligen Chef Untreue und Betrug zu Lasten der Lebenshilfe vorgeworfen.

Mit den Ermittlungen samt Durchsuchungen der Lebenshilfe in Cronenberg kamen öffentlichkeitswirksame Rücktritte: Im März 2003 schieden die frühere Oberbürgermeisterin Ursula Kraus und der damalige AOK-Chef Siegfried Jähne aus dem Vorstand der Lebenshilfe aus. Die vereinsinterne Klärung der Affäre sei von Borkenhagen nicht in notwendiger Weise unterstützt worden. Man wolle nicht weiter die Verantwortung übernehmen.

Es folgen Anklagen und arbeitsrechtliche Auseinandersetzungen über die Kündigung - Borkenhagen wurde 2004 entlassen - und Urteile, von denen noch nicht alle rechtskräftig sind. So wird es Ende dieses Monats am Landgericht einen neuen Prozess gegen Borkenhagen geben. Wie berichtet, hatte der Ex-Chef der Lebenshilfe gegen seine Verurteilung (ein Jahr, drei Monate auf Bewährung) Berufung eingelegt. 

Schon die ersten Strafprozesse hatten es in sich. Borkenhagen räumte zwar Fehler ein, beteuerte aber stets seine Unschuld. Die Lebenshilfe sei sein Lebenswerk. Verteidiger Lothar Kuth griff wahlweise Staatsanwaltschaft, Richter und Publikum an, sprach von "einer gezielten Vernichtung" seines Mandanten. Mangelnde Kontrollmechanismen innerhalb des Vereins konstatierten die Richter. Man habe es Borkenhagen leicht gemacht.

Der 59-Jährige ist übrigens längst nicht mehr in Wuppertal, sondern auf einem Gestüt in Ostwestfalen tätig. Laut eigener Homepage als Züchter. Für den neuen Prozess sind vier Verhandlunstage geplant.

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