Austausch zur Frage, ob wir ein garantiertes Grundeinkommen brauchen.

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Hermann Ott, Frank Krieger, Michaela Hofmann und Karl Babriel (von links) in der Diskussion.

Hermann Ott, Frank Krieger, Michaela Hofmann und Karl Babriel (von links) in der Diskussion.

Andreas Fischer

Hermann Ott, Frank Krieger, Michaela Hofmann und Karl Babriel (von links) in der Diskussion.

Wuppertal. „Man muss leben können, ohne zu betteln“ fordert der Grünen-Bundestagsabgeordnete Hermann Ott – ebenso eine Weltgestaltung, in der sich alle wohlfühlen ohne Zerstörung der Umwelt. Die finanzielle Absicherung schaffe eine Änderung der Wirtschaft und ermögliche es, vielfältig und kreativ zu sein. So brachte sich Ott in die Diskussion „Armes Deutschland - Brauchen wir ein garantiertes Grundeinkommen?“ im Katholischen Stadthaus ein.

Mehr Freiheit für die Menschen

Unter Leitung von Moderator Frank Krieger nahmen Michaela Hofmann, Referentin für Armutsfragen beim Diözesancaritasverband Köln, Karl Gabriel, katholischer Theologe und Sozialethiker, München, und Ott teil. Als engagierter Befürworter beantwortete Ott die Frage nach dem Grundeinkommen mit einem klaren Ja. „Dass die Menschen tätig sein wollen, war auch die Auffassung von Hofmann. Für sie ist das garantierte Grundeinkommen eine Vision, die funktionieren kann oder auch nicht. Nähern sollte man sich ihr in kleinen Schritten wie der Angleichung der Grundsicherung. Verbesserungsbedarf sah sie auch bei der Rente und der Absicherung von Kindern. Zu schaffen machte ihr auch das Gedankenspiel wie eine Einführung in unserem Land mit dem europäischen Recht zu vereinbaren ist.

Dass das Grundeinkommen zur mehr Freiheit der Menschen führe, bezweifelte Gabriel. Die Verbesserung der bestehenden Sicherungssysteme um sie armutssicher zu machen war für ihn die Alternative. Um die menschlichen Freiheit, die Finanzierbarkeit und Umsetzung ging es bei der anschließenden Diskussion mit den Zuschauern. Zahlreiche Modelle gibt es, wie die Grundsicherung aussehen und wie sie finanziert werden soll, über Steuererhöhungen bis zur Einsparung von Bürokratiekosten. „Man kann vieles gegenfinanzieren.“ ist Hofmann überzeugt – und Ott plädierte für ein Wegkommen von der Durchökonomisierung um eine Wertschätzung aller Arbeiten. Das Grundeinkommen führe zu einem sozialeren Miteinander ohne Ausgrenzungen, die Warenbeziehungen würden durch Sozialbeziehungen ersetzt. „Die Einführung wäre eine umstürzende Neuerung“, ist er sich bewusst. „Mann müsste es einfach mal, vielleicht in einer kleinen Gruppe, ausprobieren.“

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