Ab Januar betreut Wuppertal 49.000 Hartz-IV-Empfänger allein – und bekommt dafür 330 Millionen Euro pro Jahr.

Wuppertal. Ab Januar kümmert sich das Jobcenter und damit die Stadt als alleiniger Träger um die Betreuung von Langzeitarbeitslosen. Wuppertal hatte sich beim Land als sogenannte Optionskommune beworben und ist neben Solingen, Essen und Recklinghausen – eine von acht Städten in NRW, die künftig allein für das Arbeitslosengeld II, Geld zum Leben, Miete und für die Integrationsleistungen verantwortlich ist. Auch Qualifizierungen und das Bildungs- und Teilhabepaket fällt in den Aufgabenbereich der neuen Anstalt öffentlichen Rechts.

Die Umbenennung der einstigen Arge war ein erster Schritt

Die Aufgaben und ein Großteil des Personals sind von der Arbeitsagentur an die Stadt abgegeben worden. Der erste Schritt auf diesem Weg war die Umbenennung der alten Arge Wuppertal ins Jobcenter im Januar 2011. Das Jobcenter ist für 24 500 Bedarfsgemeinschaften und 49.000 Menschen verantwortlich. Inklusive Personal- und Sachkosten stehen dafür insgesamt 330 Millionen Euro jährlich an Bundes- und kommunalen Mitteln zur Verfügung.

„Alle Formalien sind erledigt“, sagt Thomas Lenz, Geschäftsführer des Jobcenters. In den vergangenen eineinhalb Jahren seien die notwendigen Vorbereitungen getroffen worden: So wurde eine eigene Hard- und Software und ein neuer Briefkopf angeschafft, die Verträge für die 480 Mitarbeiter sowie ein Teil der Organisation wurden umgestellt. Die Datenübernahme ist teilweise schon erfolgt. Auch einige Testläufe haben bereits stattgefunden.

„Für den Notfall haben wir auch Schecks in der Hinterhand.“

Thomas Lenz, Geschäftsführer des Jobcenters, sieht sich auch auf Engpässe vorbereitet.

Im Januar werden die Überweisungen noch teilweise über das alte System laufen, dann wird sukzessive umgestellt. „Es wird alles glatt laufen“, zeigt sich Thomas Lenz optimistisch. Sollte es wider Erwarten doch Schwierigkeiten geben, würde den Betroffenen das Geld vor Ort ausgezahlt. „Für den Notfall haben wir auch Schecks in der Hinterhand“, so Lenz.

Ein großer Vorteil: Früher wurde alles über eine zentrale Kassenstelle in Nürnberg abgewickelt, in Zukunft läuft alles über die Stadtsparkasse Wuppertal. „So sind wir wesentlich flexibler“, erklärt Lenz. Lange Vorlaufszeiten von bis zu zwei Wochen bei den Eingaben seien endlich Geschichte.

50 Mitarbeiter werden eingestellt – das Jobcenter soll schneller werden

Heute, Donnerstag, findet die konstituierende Sitzung des Verwaltungsrates statt. Dann wird auch der Vorstand gewählt und der Haushalt für 2012 verabschiedet. Thomas Lenz soll Vorsitzender des dreiköpfigen Vorstands werden.

Ein Teil der zuvor unbefristeten Mitarbeiter wird jetzt zu kommunalen Beschäftigten. Andere haben ein Übernahmeangebot der neuen Anstalt öffentlichen Rechts bekommen. Rund zehn Prozent des ehemaligen Personals der Bundesagentur für Arbeit werden an die Bundesarbeitsagentur zurückgegeben.

Mit der 800seitigen Bewerbung war Wuppertal bei den Großstädten auf Platz 1 gelandet. Laut Sozialdezernent Stefan Kühn (SPD) haben sich bereits mehrere andere Kommunen für das Wuppertaler Konzept interessiert.

In der eigenständigen Behörde der Stadt können neue Mitarbeiter eingestellt werden, da für das Jobcenter kein Einstellungsverbot gilt. Das Team wächst auf 530 Mitarbeiter, das Auswahlverfahren läuft bereits. Bisher war der Personalmangel eklatant und die Belastung der Mitarbeiter groß: Teilweise wurde sogar am Wochenende gearbeitet.

„Endlich haben wir mehr Flexibilität.“

Stefan Kühn (SPD), Sozialdezernent.

„Im Vergleich zu anderen Jobcentern hatten wir viel zu wenig Leute“, sagt Lenz. „Endlich haben wir mehr Flexibilität“, sagt Sozialdezernent Stefan Kühn. Außerdem gibt es jetzt eine einheitliche Personalstruktur für alle Beschäftigten. Vorher gehörten einige Beschäftigte zu Bundesarbeitsagentur, andere waren kommunale Angestellte oder bei Bahn oder Post beschäftigt.

„Es wird viele inhaltliche Weiterentwicklungen geben“, so Lenz. Ab Januar wird unter anderem die Ausbildungsvermittlung anders aufgestellt, die Abteilung wechselt von der Hünefeldstraße ins Werther Carré. Der Arbeitgeberservice soll verdoppelt werden, beispielsweise am Arrenberg entsteht dafür ein neuer Stadtteilservice. „Wir haben grundsätzlich viel mehr Spielraum“, sagt Kühn.

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