Der SPD-Kandidat und Landtagabgeordnete ist international unterwegs – und vor Ort in Wuppertal.

Josef Neumann in der Küche seines Drei-Generationenhauses, in dem auch die Schwiegermutter wohnt.
Josef Neumann in der Küche seines Drei-Generationenhauses, in dem auch die Schwiegermutter wohnt.

Josef Neumann in der Küche seines Drei-Generationenhauses, in dem auch die Schwiegermutter wohnt.

Stefan Fries

Josef Neumann in der Küche seines Drei-Generationenhauses, in dem auch die Schwiegermutter wohnt.

Wuppertal. Josef Neumann ist zu Hause. Im Wahlkampf eher die Ausnahme. „Und wenn ich dann abends komme, schlafen meist schon alle“, sagt der SPD-Landtagsabgeordnete und lacht. Der Kontakt zur Familie wird über Telefon und SMS hochgehalten. Kochen muss er dann eher für sich alleine – oder eben für die WZ. Dass der 56-Jährige ausnahmsweise in der heimischen Küche steht, nutzt der jüngste seiner drei Sprösslinge nur zu gern, um Papa noch Gute Nacht zu sagen. Und Neumann widmet sich wieder Kohl und Möhren.

Es ist ein polnisches Gericht, eins aus seiner Heimat. Spitzkohlsuppe. Eigentlich ein Gericht für arme Leute. „Man darf nicht vergessen, woher man kommt“, erzählt Neumann, während das Wasser schon mal kocht. Als Elfjähriger kam er, Sohn eines Deutschen im Nachkriegs-Polen, mit seiner Familie aus Westpreußen nach Deutschland. Regelmäßig ist er noch im Nachbarland, sieht sich als Grenzgänger. „Die Familie meiner Mutter lebt ja noch dort“, sagt er. Auch beruflich gibt es Verflechtungen. Der Wahl-Solinger ist unter anderem Vorsitzender der NRW-Polen-Parlamentariergruppe, ein gern gesehener Gesprächspartner für polnische Meiden.

Für viele dort ist er immer noch der „polnische Abgeordnete“. Man könnte fast sagen, der internationale Abgeordnete. Türkei, Russland, zuletzt auch Bangladesch. Der 56-Jährige ist oft im Ausland unterwegs. Aber immer mit Bezug zum Bergischen. Wenn Leute fragen, was Bangladesch denn überhaupt mit Wuppertal zu tun habe, schüttelt er nur den Kopf. „Denken Sie nur mal an die Textilgeschichte der Stadt“, sagt er und verweist auch auf aktuelle Diskussionen um die Primark-Ansiedlung und Mindestlöhne.

Dass den Leuten hierzulande aber vielleicht andere Probleme unter den Nägeln brennen, sei auch klar. Das erfahre er regelmäßig in Gesprächen, „da, wo die Leute wohnen“. Er sei jemand, der den direkten Kontakt zum Bürger suche, an Türen klingele. Von einer alten Dame höre, die wie er aus Westpreußen stammt und sich jetzt nach einem langen Arbeitsleben fragt, wie sie den Platz im Seniorenheim bezahlen soll. Oder von den Sorgen am Eckbusch, als den Bewohnern eine Einkaufsmöglichkeit fehlte. Dass dort seit einigen Monaten ein CAP-Markt geöffnet hat, sei ein schönes Beispiel dafür, was man erreichen kann, „wenn alle an einem Strang ziehen“, so Neumann. Auch er habe sich dort eingebracht, im Hintergrund Kontakte geknüpft. Er sei ein „Netzwerker“, betont er, auch über die Parteien hinweg. „Am Ende ist es wichtig, dass es den Menschen etwas bringt.“

Arbeit, Gesundheit und Soziales sind seine Paradebereiche, und da ist Neumann Profi, auch aufgrund seiner eigenen Biografie. Dass er nie studiert hat, damit kokettiert er gerne. Zur Bergischen Uni habe er aber eine besondere Verbindung. „1977 habe ich da die Fliesen verlegt“, sagt er schmunzelnd. Betonstein- und Terrazzo-Hersteller hatte er einst gelernt. Aus gesundheitlichen Gründen schulte er um auf Heilerziehungshelfer. „Brüche geben Chancen.“ Später war er Gewerkschaftssekretär und Geschäftsführer der Solinger Lebenshilfe.

Seit 2010 sitzt er jetzt im Landtag, mit Andreas Bialas und Dietmar Bell hat er ein gemeinsames Büro. Einen Vorvertrag für die Weiternutzung nach dem 14. Mai gibt es bereits. Dafür müsste Neumann mit Listenplatz 104 allerdings im geteilten Wahlkreis 33 direkt gewählt werden. Er gibt sich optimistisch und verweist auf die Erfolge der Drei. Sie hätten von Düsseldorf aus unter anderem den S 28-Ausbau nach Wuppertal vorangebracht, für Finanzspritzen für den Kita-Ausbau gesorgt oder sich für den Erhalt der Schulsozialarbeit eingesetzt.

Neumann hat viel zu erzählen. So viel, dass Ehefrau Nina ihn zwischendurch dran erinnern muss, weiterzukochen. „weil wir Hunger haben“. Vielleicht etwas ungewohnt, wenn man sonst nur für sich alleine kochen muss.

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