Tortilla-Chips mit Hackfleisch – CDU-Kandidat Björn Brick (23) kocht, was ihm schmeckt. Auch politisch mag er nicht alles, was die Partei ihm auftischt.

Björn Brick kocht in seiner Single-Küche sein Lieblingsessen, das ihm von seiner verstorbenen Tante überliefert wurde.
Björn Brick kocht in seiner Single-Küche sein Lieblingsessen, das ihm von seiner verstorbenen Tante überliefert wurde.

Björn Brick kocht in seiner Single-Küche sein Lieblingsessen, das ihm von seiner verstorbenen Tante überliefert wurde.

Stefan Fries, Bild 1 von 2

Björn Brick kocht in seiner Single-Küche sein Lieblingsessen, das ihm von seiner verstorbenen Tante überliefert wurde.

Wuppertal. In Björn Bricks Küche würden zwei Schnittbretter schon extrem um den schmalen Platz zwischen Spüle und Herd konkurrieren. Hier gibt es in der Regel nur einen Küchenmeister: den 23-Jährigen. Der hat zwischen seinem Pendler-Job in Hagen und dem Landtagswahlkampf für die CDU nicht viel Zeit für aufwendige Gerichte. Heute kommt daher ein Hackfleisch-Auflauf auf den Tisch, der rustikal mit Tortilla-Chips aus der Tüte zubereitet wird. „Für Singles ist das ein optimales Essen“, sagt Brick und lässt einen Kilo-Klumpen Rinderhack in die vorgewärmte Pfanne stürzen.

Bodenständig kommt nicht nur Bricks Gericht rüber. Der gebürtige Lenneper sagt beim Zucchini-Schnibbeln Dinge wie: „Ich habe mir geschworen, dass ich mich für Politik nie verändern möchte“ oder „Ich wollte mich nie in die erste Reihe drängen“. Beim Plausch am Herd wird so mancher Landtagskandidat zum Kumpel, Björn Brick könnte der Kumpel sein, der zum Landtagskandidat wird.

„Mich kennen einfach noch nicht so viele Leute“

In dem Ronsdorfer Wohngebiet, in dem der Kreisvorsitzende der Jungen Union (JU) lebt, hängen Dutzende Björn Bricks aus Pappe. Trotzdem wird der Landtagskandidat nach eigener Aussage auf der Straße kaum erkannt. „Nur die Besitzerin meines Lieblings-Imbisses hat mich darauf angesprochen“, sagt Brick. Er weiß: „Mich kennen einfach noch nicht so viele Leute.“ Am Anfang habe er sich noch zu vielen Veranstaltungen einfach selbst eingeladen, um Kontakte zu knüpfen. Mittlerweile klappe das jetzt aber besser mit den Einladungen.

Brick sitzt weder im Rat noch in anderen politischen Ausschüssen der Stadt. Doch die fehlende Erfahrung im politischen Alltag möchte er als Chance begreifen. „Ich bin jung und unbelastet“, sagt er und entfernt mit dem Küchenmesser das Innere einer Paprika. „Ich glaube, ich kann frischen Wind bringen.“ Inspiriert hat ihn auch der Aufstieg von Daniel Zimmermann in Monheim, der mit 27-Jahren zu NRWs jüngstem Bürgermeister wurde. „Es muss einen Generationswechsel und ein Umdenken geben“, sagt Brick.

Seine Hauptthemen sind Digitalisierung und Verkehrspolitik. Er fordert den großflächigen Breitbandausbau in Wuppertal und ist dafür, den Landesbetrieb Straßen NRW umzustrukturieren – „das funktioniert ja so absolut nicht“. Zudem ist der Christdemokrat gegen Studiengebühren. Als er das für die Junge Union öffentlich bei Facebook postete, sei Gegenwind von Parteikollegen aus Dortmund gekommen. „Das könnt ihr doch nicht machen“, hieß es. Doch Brick will sich dem Parteibuch nicht unterordnen. „Ich bin kein Parteisoldat“, sagt er. Dass, was er mit der JU gefordert hat, zählt weiter. „Ich bin ja jetzt kein anderer Mensch geworden“, sagt er und lässt die Tortilla-Chips in die Auflaufform gleiten. Logisch, Brick kocht ohne Rezept.

Warum eigentlich die CDU? Könnten Brick nicht auch etwa die Piraten schmecken? Doch der 23-Jährige winkt ab. Die etablierten Parteien funktionieren seiner Meinung nach einfach besser, wenn man Politik machen will. Zudem sei er vorgeprägt. Sein Opa, der nebenan wohnt, war auch schon in der CDU.

So habe er auch nicht gezögert, als er damals von der Jungen Union angesprochen wurde. „Ich dachte sofort: coole Sache.“ Die wurde über das Schülerparlament auf den Nachwuchspolitiker aufmerksam. Klassensprecher, Schulsprecher, Junge Union, Landtagskandidat – bei Brick ging alles ganz schnell und unkompliziert. So wie bei dem Tortilla-Auflauf, der für zehn Minuten im Backofen verschwindet.

Sein Alter sei nie ein Thema gewesen, sagt Brick, der relativ spontan als Ersatzmann für den verstorbenen Peter Hintze im Wahlkreis 31 gewählt wurde. „Die Partei steht hinter mir“, sagt der CDU-Mann. Dass die Ansprüche an ihn plötzlich andere geworden sind, zeigte sich jedoch. „Es kam schon einmal ein Kommentar, ob ich meinen Bart nicht wenigstens stutzen könnte“, sagt Brick. Doch geändert wird am Rezept Brick nichts.

Essen fertig. Zum würzigen Hack mit Gemüsenote gibt’s ein Glas Cola. Brick tischt auf und lächelt: „Ich hoffe es schmeckt, sonst gibt es hier um die Ecke ja auch McDonald’s.“

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer