Wuppertal will einen Teil des geschenkten Nachlasses zu Geld machen, um Forscher zu engagieren.

gustav wiethüchter
Steht nicht zum Verkauf: Dieses (titellose) Werk entstand 1936 und soll im Museum bleiben.

Steht nicht zum Verkauf: Dieses (titellose) Werk entstand 1936 und soll im Museum bleiben.

Gustav Wiethüchter wurde 1900 als Kunstpädagoge nach Barmen berufen.

Von der Heydt-Museum, Bild 1 von 2

Steht nicht zum Verkauf: Dieses (titellose) Werk entstand 1936 und soll im Museum bleiben.

Wuppertal. Die Stadt ist bald um eine Stiftung reicher. „Wir wollen die Erinnerung an Gustav Wiethüchter lebendig halten“, erklärt Gerhard Finckh. Den Leiter des Von der Heydt-Museums treibt der Wunsch an, dem bergischen Maler aus der Vergessenheit zu holen. Dass er dies erreichen möchte, indem er seine Werke veräußert, klingt seltsam, ist aber mit den Enkeln des Kunstpädagogen (1873-1946) abgesprochen.

Eine Verkaufsausstellung im Von der Heydt-Museum? Da sollte man hellhörig werden. Schließlich kommt es nicht oft vor, dass im ehrwürdigen Kunsttempel am Turmhof Exponate zum Kauf stehen, die zu einer laufenden Sonder-Schau gehören. Was man aus Galerien kennt, ist im städtisches Museum eine (begründete) Ausnahme.

„Unsere Depots platzen aus allen Nähten. Wir können gar nicht alles behalten.“

Gerhard Finckh, Museums-Chef, über den Plan, einen Teil des Wiethüchter-Nachlasses zu veräußern.

Denn wer glaubt, dass das Museum ganz allgemein vor dem Ausverkauf steht, befindet sich auf dem Holzweg. Finckh betont vielmehr, dass der Einzelfall zählt: „Ein Teil des Nachlasses bleibt im Museum, ein anderer wird verkauft.“ Dies sei von vorneherein so mit den beiden Schweizer Enkeln vereinbart worden, die den Nachlass dem Kunst- und Museumsverein übergeben hätten, weil sie keine Nachfahren haben.

Mehr als 60 Kunstwerke sollen den Besitzer wechseln, Ölbilder genauso wie Arbeiten auf Papier. Weshalb sich das Museum von den gerade erst geschenkten Werken trennen will? „Unsere Depots platzen aus allen Nähten“, erklärt der Hausherr. „Wir können gar nicht alles behalten.“

Stattdessen will der Verein graphische Blätter (ab 200 Euro) und Gemälde (bis zu 8500 Euro) an den Mann oder die Frau bringen. Der Erlös soll in eine Wiethüchter-Stiftung fließen, die nach dem Ende der Ausstellung – also nach dem 26. Juni – gegründet wird. „Über die genaue Form der Stiftung und das rechtliche Vorgehen werden wir uns dann unterhalten“, sagt Finckh.

Wissenschaftliche Forschung soll Rätsel um Gustav Wiethüchter lüften

So viel ist bereits sicher: Einzelne Exponate der Ausstellung, die Finckh am Sonntag eröffnet, werden im Namen der Kunstförderung verkauft. „Wir möchten über die Stiftung Projekte finanzieren und Wissenschaftler engagieren, die zu Wiethüchters Leben und Werk forschen.“ Doktoranden zum Beispiel. Themen gebe es zur Genüge, verspricht Herbert Pogt. „Nur ein Fünftel oder ein Sechstel seines Werks hat überlebt, vieles wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört“, bedauert der Kurator, der die Ausstellung auf die Beine gestellt oder – besser gesagt – an die Wände gebracht hat. „Auch von Wiethüchter selbst wissen wir wenig.“

Das soll sich ändern, denn Anknüpfungspunkte gibt es reichlich. „Interessant ist vor allem die Frage, weshalb Wiethüchter, der 1900 an die Handwerker- und Kunstgewerbeschule in Barmen berufen worden war, 1933 seinen Dienst quittieren musste. Haben ihn Kollegen hinausgeekelt, ging er freiwillig oder wurde er von den Nationalsozialisten zum Aufhören gezwungen?“ Fakt ist: Nachdem die WZ berichtet hatte, dass das Museum eine Wiethüchter-Hommage plant, konnte sich Pogt vor Angeboten kaum retten. Dabei wollten viele Anrufer nur das Eine: fragen, ob das Museum Wiethüchter-Werke sucht und ankaufen möchte.

Dies sei allerdings kein Wiethüchter-spezifisches Phänomen, wie Finckh erklärt. „Es gibt immer wieder Anfragen, ob wir Bilder kaufen wollen. In diesem Fall haben wir sie aber gar nicht erst geprüft, weil wir zeigen möchten, was das Museum besitzt.“ Außerdem möchte der Verein ja auch selbst verkaufen . . .

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