Beim Casting in der Börse bewiesen 14 Jugendliche viel Taktgefühl – auch wenn sie anfangs noch schüchtern waren.

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Volle Konzentration: Wer sich am Samstag dem Schnupper-Training in der Börse stellte, hat die Chance, in den Sommerferien mit Profi-Choreographen trainieren zu dürfen.

Volle Konzentration: Wer sich am Samstag dem Schnupper-Training in der Börse stellte, hat die Chance, in den Sommerferien mit Profi-Choreographen trainieren zu dürfen.

Andreas Fischer

Volle Konzentration: Wer sich am Samstag dem Schnupper-Training in der Börse stellte, hat die Chance, in den Sommerferien mit Profi-Choreographen trainieren zu dürfen.

Wuppertal. Mit "Kzzzzz" die Katze verscheuchen, sich räkeln, recken und strecken, auf Samtpfötchen landen, wie ein Tiger schleichen, Pfeile abschießen und Schlangenarme schlängeln lassen. Nein, wir sind nicht im Dschungel-Camp, nicht auf Safari und nicht auf Katzenjagd.

"Tanz hat unendlich viel mit Disziplin zu tun."

GeraldoSi, künstlerischer Leiter

In der Börse startet das Casting für die neue Runde des Projekts "Sommertanz" mit durchaus tierischem Vergnügen. Doch ganz verhalten geht es los: Diszipliniert und schüchtern wirken die 14 Jugendlichen zwischen 15 und 18 Jahren. Beim Körper-Training mit Choreographin Nadja Varga lernen sie erst einmal, wie sich der eigene Körper anfühlt: die Gliedmaßen reiben und klopfen, die Beine in ständiger Bewegung halten. Den Kopf hängen, die Knie weich lassen - so rollt der Körper langsam nach vorne ab, landet in der Hocke, verschnürt sich zum kleinen Paket.

Auch das Aufrichten geht langsam - Wirbel für Wirbel, bis auf die Zehenspitzen mit hoch erhobenen Händen. "Das Atmen nicht vergessen", mahnt die Trainerin, "der Atem fließt mit der Bewegung." Spannung und Entspannung sind angesagt. Die Glieder zittern vor Anspannung bei der Liegestütz-Position, das Tiger-Schleichen bringt Lockerung. Dann die ersten Schritte im großen Kreis: nach innen, nach außen, mit Hüpfer und nach vorn gestrecktem Bein - und das Ganze rückwärts. Der berühmte Knoten in den Beinen stellt sich ein, und erst die Zeitlupe zeigt, wie man die Figur hinbekommt.

Elf junge Damen und drei junge Herren sind wild entschlossen, ihre Sommerferien zu opfern, um mit professionellen Choreografen einen Tanzabend zu erarbeiten. Fast alle haben tänzerische Erfahrungen, etwa als Hip-Hoper, Break-Dancer, als Balletteuse, Stepp-Tänzerin oder als Tanzmariechen im Karnevalsverein. Die drei Jungen, Safit und die beiden Jans sowie Joy haben bei Pina Bauschs "Kontakthof für Jugendliche" mitgemacht und Blut geleckt: "Es ist total toll, auf der Bühne zu stehen. Dafür bin ich bereit, hart zu arbeiten", sagt die 18-jährige Joy.

Projektleiter Geraldo Si lässt keinen Zweifel daran, dass es schwer wird: "Wir üben hier weder für Musical noch für Tanztheater. Unsere Sache ist die Bewegung. Tanz hat unendlich viel mit Disziplin zu tun", sagt Si. "Und Ihr müsst bereit sein, über die Sommerferien hinaus Zeit zu opfern, bis zum März nächsten Jahres für Aufführungen zur Verfügung zu stehen."

Aus mehreren Castings in der Region werden einige Glückliche in die nächste Runde im Mai eingeladen. Bei einem Intensiv-Wochenende in Workshop-Form wählen die Profis 13 Jugendliche aus, die am "Sommertanz 2009" teilnehmen dürfen.

Endlich geht es in der Börse mit Musik weiter. Die kleine Gruppen-Choreografie im Kreis lockert die Stimmung, das paarweise Tanzen mit einem Gegenüber macht sichtlich Spaß. "Denkt nicht an die korrekte Schrittfolge, habt Freude an der Bewegung", mahnt Varga. Und als alle frei verteilt im Raum tanzen dürfen, zeigt jeder, woher er kommt: Hip-Hop-Elemente schleichen sich ein, ein paar Ballettschrittchen werden probiert.

Dann sind wieder Konzentration und eine kurze Reaktionszeit gefordert: Klatschimpulse oder Laute mit schlängelndem Arm im Kreis pfeilschnell weitergeben. Die erste Runde ist schweißtreibend. Aber dass viel gelacht wird, zeigt, dass sich Anstrengung und Spaß nicht ausschließen müssen.

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