WZ-Interview: Schlagzeuger Maik Ollhoff (27) sieht Handlungsbedarf, wenn die Jazzszene lebendig bleiben soll.

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Maik Ollhoff setzt sich für junge Talente ein.

Maik Ollhoff setzt sich für junge Talente ein.

Uwe Schinkel

Maik Ollhoff setzt sich für junge Talente ein.

Herr Ollhoff, was macht guten Jazz aus?

Maik Ollhoff: Guter Jazz ist zeitlos, immer auf der Suche nach dem Neuen und Fremdartigen, ohne jedoch mit den Traditionen zu brechen. Auf Konzerten fasziniert die Unmittelbarkeit, die Musiker und Publikum in den Bann zieht.

"Noch ist Wuppertals Jazzszene lebendig und vielfältig. Sie ist aber auch schwer ins Alter gekommen."

Wuppertal hat eine lange Jazz-Tradition. Was sind Ihre Vorbilder?

Den Entschluss, Musiker werden zu wollen, fasste ich 1998 im Sommerurlaub in London in einem Konzert von John Taylor (Piano), Palle Danielsson (Kontrabass) und Peter Erskine (drums). Mich beeindruckte damals vor allem das homogene Zusammenspiel des ECM-Jazz-Trios. Eine weiteres Vorbild ist der amerikanische Gitarrist John Scofield, dessen Zusammenarbeit mit jungen Musikern auf Alben wie "A Go Go" oder "Überjam" mir sehr imponiert. In Wuppertal bewundere ich den Pioniergeist der 60er/70er-Jazz-Avantgarde. Es ist erstaunlich, welchen Stellenwert sich die "Wuppertaler Schule" in der Welt des Jazz erarbeitet hat.

Und wie sieht es heute aus? Haben junge Nachwuchstalente genug Raum?

Eine junge Subkultur, die wie Kowald und Brötzmann in den 60ern neue musikalische Wege beschreitet, tritt derzeit leider kaum in Erscheinung. "Beatbox" und "45rpm" waren um die Jahrtausendwende letzte Räume, die für jungen Jazz und aktuelle jazzinspirierte Stile wie Hip-Hop, Drum&Bass und jazzigen House eine passende Plattform zum Experimentieren waren. Eine der wenigen Veranstaltungen, bei denen der Nachwuchs regelmäßig zum Zuge kommt, ist in Wuppertal die monatliche Jazzsession. Dabei werden hauptsächlich bekannte "Standards" zum Besten gegeben. Natürlich kann man Entwicklungen fördern und Rahmenbedingungen schaffen, die jungen Talenten wieder ein Forum bieten. Die Möglichkeiten scheinen in Wuppertal aber momentan leider sehr beschränkt.

"Jazz hat immer noch mit vielen Vorurteilen zu kämpfen."

Schauen wir also nach vorn: Wie sieht der Jazz der Zukunft aus?

Jazz hat immer noch mit vielen Vorurteilen zu kämpfen, gilt für viele als schwer zugänglich. Für die Zukunft wünsche ich mir eine junge Generation, die diese Klischees weiterhin aufbricht. Jazz sollte vor allem in Wuppertal als wichtiger Marketing- und Standortfaktor verstanden werden. Noch ist Wuppertals Jazzszene lebendig und vielfältig. Sie ist aber auch schwer ins Alter gekommen. Es besteht Handlungsbedarf, wenn es in 20 Jahren kein Wuppertaler Jazzmuseum geben soll, sondern eine weiterhin lebendige generationenübergreifende Szene. Ich selbst bin sehr gespannt, wie der Jazz der Zukunft klingen wird.

Wer Maik Ollhoff live erleben möchte, sollte beim Luisenfest ganz genau hinhören: Der Wuppertaler spielt am Sonntag, 17. Mai auf der "Beatz und Kekse"-Bühne an der Luisenstraße. Ollhoff hat an der Hochschule für Musik Köln studiert (Abschluss: Diplom Jazz/Schlagzeug), seit Oktober 2007 studiert er Internationales Kunst- und Kulturmanagement in Köln und Düsseldorf. Als Schlagzeuger ist er in verschiedenen Bands aktiv: Am Sonntag tritt der ausgezeichnete Musiker (Preisträger bei "Jugend Jazzt", 1999/2001) mit seinen Bands Derwent und Comping auf.

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