Vor 40 Jahren wurde das Theater an der Bergstraße aus Sicherheitsgründen geschlossen. Die Geschichte wiederholte sich.

Ein Zettel an der Tür verkündete den Besuchern vor 40 Jahren die Schließung des Theaters an der Bergstraße.
Ein Zettel an der Tür verkündete den Besuchern vor 40 Jahren die Schließung des Theaters an der Bergstraße.

Ein Zettel an der Tür verkündete den Besuchern vor 40 Jahren die Schließung des Theaters an der Bergstraße.

Sammlung Vesper/Keller

Ein Zettel an der Tür verkündete den Besuchern vor 40 Jahren die Schließung des Theaters an der Bergstraße.

Wuppertal. „Der Widerspenstigen Zähmung“ stand vor 50 Jahren auf dem Spielplan, doch statt der Komödie von Shakespeare wurde 1964 im Theater an der Bergstraße ein Trauerspiel aufgeführt. Die Baupolizei schloss das „Neue Theater“, das von 1949 bis 1964 bespielt wurde, über Nacht und bescherte der Stadt Wuppertal ein großes Problem. Schließlich sollten bis zur Eröffnung des großen neuen Schauspielhauses an der Kluse noch zwei Jahre ins Land gehen.

In einer Ratssitzung am 6. Mai 1964 hatte der damalige Oberstadtdirektor Stelly die Bombe platzen lassen. Die Bauaufsicht konnte die mangelhaften Sicherheitsvorkehrungen im Theater nicht länger hinnehmen: Kein eiserner Vorhang, eine Holzbalkendecke statt einer Massivdecke, keine umlaufenden Flure – das waren Sicherheitsmängel, die in den Nachkriegsjahren noch geduldet wurden. Doch die Zeiten hatten sich geändert.

Die Bekanntgabe der Schließung war für Schauspieler wie die Hauptdarstellerin Else Ludwig ein Schock. Das Theater an der Bergstraße galt als Sprungbrett für große Karrieren, Horst Tappert oder Ursula von Reibnitz sind nur zwei der großen Namen, mit denen auf den Plakaten geworben wurde. Offensichtlich hatte die Stadt bis zuletzt versucht, die Sanierung hinauszuschieben oder gar bis zur Eröffnung an der Kluse auszusitzen.

Die Stadt wies die Besucher mit einem Zettel auf die Schließung hin

Die Besucher wurden übrigens mit einem Zettel am Eingang auf die Schließung des Theaters hingewiesen. Darauf stand: „Das Schauspielhaus an der Bergstraße muss ab sofort nach einer Forderung der Baupolizei aus Sicherheitsgründen geschlossen werden. Die Stadtverwaltung und Theaterleitung sind bemüht, die Fortführung des Schauspiels an anderer Stelle zu erhalten. Näheres darüber wird zu gegebener Zeit bekanntgegeben. Theaterleitung und Stadtverwaltung bedauern, zur Schließung des Theaters gezwungen zu sein.“

Leider hat damals niemand diesen Zettel aufbewahrt, denn er hätte vier Jahrzehnte später auch am Schauspielhaus an der Kluse noch als Aushang dienen können. Seit Juni 2013 ist das Schauspielhaus geschlossen. Aus Sicherheitsgründen, da wie einst an der Bergstraße die Auflagen des vorbeugenden Brandschutzes nicht erfüllt worden sind.

Für die Theaterfreunde in Wuppertal gibt es 2015 aber zumindest wieder einen Lichtblick und einen Hoffnungsschimmer. Der Lichtblick ist das Theater am Engelsgarten, das zu Beginn der Spielzeit als neue Spielstätte mit 155 Zuschauerplätzen eröffnet worden ist. Und der Hoffnungsschimmer sind die Planungen, das Schauspielhaus als Internationales Tanzzentrum Pina Bausch wieder zu beleben.

Ein Hoffnungsschimmer und ein Lichtblick

Das Projekt haben CDU und SPD in ihren Koalitionsvertrag aufgenommen. Und für die Planung steht für 2015 eine Million Euro im Bundeshaushalt bereit. Doch es werden viele weitere Millionen Euro erforderlich sein, um dem Schauspielhaus an der Kluse das Schicksal des „Neuen Theaters“ an der Bergstraße zu ersparen. Dort blieben die Lichter für immer aus. An der Kluse wird hinter den Kulissen über die Finanzierung der Sanierung des Hauses verhandelt. Rund 51 Millionen Euro soll der Umbau der großen Bühne kosten. Eine Summe, die Bund, Land und Stadt zu jeweils einem Drittel übernehmen müssten. Noch schwieriger dürfte die Frage zu lösen sein, wie der laufende Betrieb des Tanzzentrums finanziert werden kann. Erst wenn es hierfür eine Lösung gibt, können auch die Theaterfreunde hoffen, dass auf der sanierten großen Bühne wieder Schauspiel stattfinden kann.

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