Die Gedenkfeier bewegte am Freitag die Herzen – nicht nur in der Oper, sondern auch im Engelsgarten.

Wuppertal. "Es ist, als ob jemand aus meiner Familie gestorben wäre." Marietta Wollny, die Pina Bausch seit mehr als 30 Jahren verehrt, ist extra aus Wiesbaden angereist. Sie ist traurig, weil die Gründerin des Wuppertaler Tanztheaters vor zwei Monaten gestorben ist, aber trotzdem auch glücklich.

Denn Wollny macht eine paradoxe Erfahrung: "Für eine Vorstellung in Wuppertal habe ich nie Karten bekommen, obwohl ich es per Internet versucht habe." Nun ist sie trotzdem in Wuppertal und sitzt auch noch in der ersten Reihe - allerdings nicht bei einer regulären Aufführung, sondern bei der Live-Übertragung der Trauerfeier.

Es ist 13 Uhr. Im Engelsgarten füllen sich die Stuhlreihen vor der LED-Wand, die in zwei Stunden live übertragen wird, wie die (Tanz-)Welt Abschied nimmt. Dunkle Wolken ziehen auf - und die ersten geladenen Gäste vorbei. Ihr Weg führt in die Oper - dahin, wo sich 780 Freunde, Weggefährten und Amtsträger, aktuelle und ehemalige Ensemblemitglieder von der Erfinderin des modernen Tanztheaters verbeugen.

Das tut auch Eberhard Völke - auf seine Weise. "Erst wollte ich nicht kommen, weil es ungerecht ist. Im Opernhaus kennen bestimmt 80 Prozent der Ehrengäste die Stücke von Pina Bausch gar nicht richtig", vermutet der Wuppertaler, der Auftritte des längst weltweit gefeierten Ensembles schon bewegend fand, als andere noch mit den Türen schlugen, den Kopf schüttelten und den Saal verließen, weil die Choreographin Ungewohntes auf die Bühne brachte.

"Ich bin dem Tanztheater sogar bis nach Paris und Antwerpen nachgereist." Genau deshalb hat er sich dann doch entschlossen, im Engelsgarten Platz zu nehmen. "Weil ich Pina verehre."

Das tun alle - die, die mit Regencapes vor der LED-Wand ausharren, genauso wie geladene Gäste, die das zweieinhalbstündige Programm, eine Mischung aus Reden und Tanz-Collagen, im Opernhaus erleben.

Wim Wenders erinnert sich an "liebevolle Strenge"

Rolf Salomon Bausch, Sohn der Star-Choreographin, sitzt neben seinem Vater Roland Kay, in einer Reihe mit Feministin Alice Schwarzer und Filmemacher Wim Wenders, der ganz persönlich an die "liebevolle Strenge" der 68-Jährigen erinnert.

Seine Worte bewegen die Herzen - nicht nur von Bildhauer Tony Cragg und seiner Frau Tatjana. Auch Christina Rau, die Witwe des früheren Bundespräsidenten Johannes Rau, der preisgekrönte Illustrator Wolf Erlbruch und der spanische Regisseur Pedro Almodóvar geben sich die Ehre.

Auf Prominente wie Nicht-Prominente warten Ausschnitte aus Pina-Bausch-Stücken: 36 Tänzer verabschieden sich mit vielen kleinen, vor allem intimen Szenen, die das Publikum sichtlich berühren. Immer wieder sieht man, wie Zuschauer Tränen aus dem Gesicht streichen. Zwischendurch, bei den heiteren Szenen, wird aber auch geschmunzelt und gelacht - im Opernhaus genauso wie im Engelsgarten. 

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