Sigrid Tanghe ist „Artist in Residence“ in Peter Kowalds „Ort“.

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Sigrid Tanghe lebt und arbeitet vier Wochen lang im Tal.

Sigrid Tanghe lebt und arbeitet vier Wochen lang im Tal.

Uwe Schinkel

Sigrid Tanghe lebt und arbeitet vier Wochen lang im Tal.

Wupertal. Der riesige Tisch ist mit Farbtöpfchen, Pinseln und Papieren bedeckt, auf dem Boden breiten sich bereits zahllose kleine Kunstwerke aus. „Nein, nein, keine Kunstwerke“, winkt Sigrid Tanghe ab - – „das sind alles nur Fingerübungen.“ Eine Art Aufwärmtraining, mit dem sie jeden Morgen gegen zehn Uhr beginnt – wie ein Pianist oder ein Tänzer, der erst seine Muskeln lockern muss.

Erst nach vier, fünf Stunden ist sie so tief eingetaucht in ihre Arbeit, dass – vielleicht – etwas entsteht, das Bestand hat. Was das sein könnte, hier in Wuppertal, in Peter Kowalds „Ort“, wo die Belgierin für vier Wochen als „Artist in Residence“ zu Gast ist? „Das weiß ich noch nicht“, sagt Tanghe. „Ich bin noch auf der Suche.“

„Das ist ein Kampf. Es ist hart. Es ist wunderbar.“

Sigrid Tanghe, Künstlerin, über ihren Aufenthalt im Tal  . . .

Eben das sei es, was die Zeit in Wuppertal für sie so wertvoll mache: „Man ist so konzentriert und so zurückgeworfen auf sich selbst – ich suche jetzt wirklich nach einem neuen Schritt. Das ist ein Kampf. Es ist hart. Es ist wunderbar.“ Gesetzt ist für Tanghe lediglich das Material: Papier, Pinsel und Aquarellfarbe, die sie oft stark verdünnt. „Ich liebe das, weil man es nicht wirklich unter Kontrolle haben kann“, erklärt sie. „Jedes Papier reagiert anders, und jedes Pigment verteilt sich anders im Wasser.“

Eine Verschnaufpause von der Arbeit bieten ihr die täglichen kleinen Spaziergänge durch Wuppertal, meist mit der Kamera. Dabei sammelt sie Stimmungen und Eindrücke. Wiedererkennen wird man die in ihren Bildern freilich kaum. „Ich arbeite nie abbildhaft“, erklärt die Künstlerin, auch wenn durchaus figürliche und organische Formen in ihren Bildern erkennbar sind.

„Musik und Malerei haben das gleiche Gewicht und reagieren miteinander.“

. . . und neue Wege.

Über Jahre hat sie so intensiv Natur- und Körperstudien betrieben, dass sie nun völlig intuitiv arbeitet: „Die Bilder kommen aus einem großen Reservoir im Inneren. Woher weiß ich in dem Moment nicht. Vielleicht war es ein Traum, vielleicht ein Lied im Radio.“ Überhaupt arbeitet sie fast nie ohne Musik.

In Peter Kowalds „Ort“, Luisenstraße 116, heißt es heute um 20 Uhr: „Makropolyphonie meets painting“. Die Leitung hat Sebastian Gramss. Am 21. Januar, 20 Uhr, gibt es eine Performance mit dem Wuppertaler Improvisationsorchester WIO in der Neuen reformierten Kirche an der Sophienstraße.

Gleichwohl ist die direkte Zusammenarbeit mit Musikern (und manchmal auch Tänzern) bei einer Performance noch einmal etwas ganz anderes. „Sonst treffe ich beim Malen jede Entscheidung allein. Bei einer Performance dagegen muss man sehr aufeinander achten. Musik und Malerei haben das gleiche Gewicht und reagieren miteinander.“ Das habe sie erst lernen müssen, sagt Tanghe.

Schon Peter Kowald habe sie als junge Künstlerin sehr ermutigt, erzählt sie. Musiker aus seinem Umfeld brachten sie schließlich dazu, den Schritt auf die Bühne zu wagen. Ihre allererste Performance hatte Tanghe 2004 im „Ort“ mit der Wuppertaler Violinistin Gunda Gottschalk.

Seither arbeiten die beiden regelmäßig zusammen. Die „Residency“ in Wuppertal hält nun neue Erfahrungen für die 42-Jährige bereit: Heute sind es zweimal fünf Musiker, mit denen sie im Ort interagiert, und am 21. Januar beim „Klappstuhlfest“ in der Sophienkirche mit dem WIO ist es gar ein ganzes Orchester.

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