Die Reihe „Kunsthochdrei“ lässt die 60er Jahre wieder aufleben – und gibt bildhaft Einblicke in eine bewegte Vergangenheit.

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Über Hans Peter Alvermanns „Stammbaum – Innere Zustände“ wurde im Von der Heydt-Museum diskutiert.

Über Hans Peter Alvermanns „Stammbaum – Innere Zustände“ wurde im Von der Heydt-Museum diskutiert.

Museum

Über Hans Peter Alvermanns „Stammbaum – Innere Zustände“ wurde im Von der Heydt-Museum diskutiert.

Wuppertal. Als die Kunst "Neuer Realismus" hieß und sich politisch und gesellschaftskritisch gab, als die Literatur sich von der Kriegsgräuel-Bewältigung gelöst hatte und mit der Tradition brach, als die Musik starren Konzepten und Techniken Adieu sagte - da brach Deutschland auf in die wilden 60er Jahre.

Am Mittwochabend widmete die Reihe "Kunsthochdrei" ihre zweite Veranstaltung im Von der Heydt-Museum dieser Zeit, passend zur Ausstellung "Privat - Wuppertaler Sammler der Gegenwart".

Heilsames Chaos, Lebens-Kunst und neue Klangwelten

Anne Linsel erinnert in ihrer Einführung an die legendäre Galerie Parnass in Elberfeld, in der der Architekt Rolf Jährling engagierter Freund und Förderer der neuen Kunst wurde: Ein Werk von Gerhard Richter war damals für tausend D-Mark zu haben.

Die Kunstwerke der Zeit rütteln auf. Sie bilden Alltägliches ab: "Kunst ist Leben - Leben ist Kunst", wie Wolf Vostell es formulierte. Und: "Es herrschte das heilsame Chaos", wie Joseph Beuys es sah. Denn die Fluxus-Bewegung mit ihren ausufernden "Happenings" fand dort ihr Zuhause.

Realistisch und kritisch sieht Hans Peter Alvermann seine Umwelt. Seine Assemblage "Stammbaum - Innere Zustände" (1962) könnte, in Schubladen sortiert, das Tiere-Töten verurteilen, an Wasserknappheit erinnern, Voyeuristen durch echte Schuhspanner charakterisieren.

Musik im Museum, Literatur im Kunsttempel: Das hat es in den vergangenen Jahren regelmäßig gegeben.
Die Idee, nicht nur zwei, sondern drei Künste an einem Abend zu verbinden, lag deshalb nicht fern.
Die Vorgabe macht die aktuelle Sonderausstellung im Von der Heydt-Museum oder ein ausgewähltes Bild aus der Sammlung.
Musik und Texte untermalen die jeweilige Epoche.
Die Reihe ist eine Kooperation von Von der Heydt-Museum, Musikhochschule und Literaturhaus Wuppertal.

Die nächste Veranstaltung ist für den 10. Juni geplant. Um 18.30 Uhr geht es um das "Das bürgerliche Selbstverständnis in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts".
Eberhard Illner übernimmt die Einführung, Lutz-Werner Hesse die Moderation. Catalina Bertucci (Sopran) und Katharina Ilse (Klavier) präsentieren Lieder von Felix Mendelssohn-Bartholdy.
Barbara Nüsse liest (Adalbert Stifter: "Der Nachsommer"). Am 1. Juli dreht sich alles um "Freiheit, Macht und Pracht", am 23. September wird Claude Monet gefeiert.
Das Programm beginnt jeweils um 18.30 Uhr.

Da die Reihe sehr beliebt ist, empfiehlt sich eine Kartenreservierung.
Nähere Infos gibt es im Von der Heydt-Museum am Turmhof unter Telefon 563 2223.

Literatur aus der turbulenten Epoche, in der auch Witz und böser Humor nicht zu kurz kommen, wie Museumsleiter und Moderator Gerhard Finckh verspricht, stellt Schauspielerin Mechthild Großmann mit ihrer markanten, tiefen Stimme gestenreich vor: Peter Handke lässt Nebensächlichkeiten die Hauptrolle spielen, Rolf-Dieter Brinkmann stellt in seiner Lyrik die Banalität des Alltags in den Mittelpunkt und schreibt ein Gedicht, das aus lauter Verneinungen besteht. Ernst Jandl schließlich spielt mit Wort- und Satzgestalten, lässt sie zerfallen und gewinnt so neue Bedeutungen hinzu.

Die Musik bricht in neue Klangwelten auf 

Wie die Musik in neue Klangwelten aufbricht, zeigt Christian Roderburg von der Musikhochschule mit zwei Stücken für Schlagzeug: Klaus Hashagens "Meditation" ist ein Set-Up-Stück, das viele Instrumenten-Farben vorstellt. Gong-Wummern trifft auf Becken-Zischeln, pentatonisches Glockengeläut auf harte Marimba-Schläge.

Per Norgards "Waves" (1969) hat durch eine Rhythmik mit minimalistischen Veränderungen, auf vier Congas gespielt, geradezu trancehafte Wirkung. Hüpfende Bälle auf Pedalpauken, im schnellen Rhythmus geschlagene Metallplatten und Vier-Ton-Glocken-Motive zeigen die Experimentierlust der Komponisten der Zeit.

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