Furioser Auftakt mit Olivier Latry.

Wuppertal. Das Eröffnungskonzert des Jubiläumszyklus‘ der Orgeltage und zugleich das dritte Konzert der „Orgel-Akzente“ bestritt am Sonntagabend kein Geringerer als der Titularorganist von Notre Dame in Paris. Olivier Latry ist Weltklasse auf seinem Instrument und er zeigte eindringlich, was im schönen Stadthallen-Instrument steckt.

Bachs Chaconne aus der d-Moll-Partita für Violine Solo in der Bearbeitung von Henri Messerer scheint auf der Orgel erst ihre ganze Monumentalität entfalten zu können. Latry gestaltete sie ebenso organisch wie kontrastreich.

Begeistertes Pfeif-Konzert: Zuhörer sprangen aus den Sitzen auf

Louis Viernes „Feux follets“ (Irrlichter) gespensterten in flirrender Dialogstruktur durch den Saal, belebten ihn als fahler Geistergesang oder als flüchtige, chromatische, hin- und herschwankende Melodie. César Francks „Cantabile“ war der perfekte Gegensatz: Ausdrucksvoll „singend“, im Schwellwerk in Sopranlage drängend und mit großer innerer Ruhe trug der versierte Organist das expressive Werk vor. Erneuter Kontrast: Francks „Pièce héroique“ in düsterer ernster Stimmung, mit gleichförmig repetierten Akkorden unterlegt, baut sich bis zum hymnisch-pathetischen Pleno-Spiel auf.

Latry ist ein Meister in Sachen treffender Registrierung und kontrastierender Spielweise im Piano- und Forte-Spiel, das er im virtuosen Schwellwerk-Gebrauch entwickelt – ganz im Sinn der französischen Orgelsinfonik.

Von deren Urvater, Charles-Marie Widor, spielte Olivier Latry die fünfte Sinfonie in f-Moll von 1879. So apart und farbenreich gespielt hat man sie selten gehört. Selbst die Melodie mit Ohrwurm-Qualitäten des ersten Satzes nistete sich ein wie ein Geschenk.

Das liebenswerte Allegro cantabile entspannte weite Kantilenen, und das meditative Adagio gestattete entrücktes Eintauchen. Die wuchtige „Toccata“, das bekannteste Stück der Sinfonie, erhielt bei Latry ein behäbig stampfendes Fundament und fesselte mit ihrer ursprünglichen Kraft.

Kein Wunder, dass die Zuhörer nach dem Schlussakkord aufsprangen und lang andauernd stehend applaudierten und ein begeistertes Pfeif-Konzert anstimmten.

 

» „Der Karneval der Tiere“ wird am treffenden Ort gefeiert: Im Menschenaffenhaus des Zoos spielt am Freitag, 8. Februar, Wolfgang Kläsener um 14 und 15.30 Uhr die Orgel. Unterstützt wird er von Rezitator Olaf Reitz. Das Konzert ist frei.

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