Das Taltontheater wird sesshaft und verbringt die Festtage auf der Baustelle.

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Blick aus dem künftigen Technikerhäuschen in den Theatersaal: Schauspieler David Meister übernimmt derzeit die Rolle des Handwerkers. Zusammen mit Profis möchte er die einstigen Fabrikräume auf Vordermann bringen.

Blick aus dem künftigen Technikerhäuschen in den Theatersaal: Schauspieler David Meister übernimmt derzeit die Rolle des Handwerkers. Zusammen mit Profis möchte er die einstigen Fabrikräume auf Vordermann bringen.

„Irren ist . . .göttlich“ heißt das Musical (hier eine Szene mit Dennis Wassmuth), das ab dem 21. Januar, 20 Uhr, an der Wiesenstraße zu sehen ist.

Andreas Fischer, Bild 1 von 2

Blick aus dem künftigen Technikerhäuschen in den Theatersaal: Schauspieler David Meister übernimmt derzeit die Rolle des Handwerkers. Zusammen mit Profis möchte er die einstigen Fabrikräume auf Vordermann bringen.

Wuppertal. „Weihnachten gibt es nicht. Zumindest nicht für uns.“ David Meister freut sich trotzdem – nicht unbedingt darauf, dass das Ensemble des Taltontheaters keine Zeit für einen Bescherungsmarathon im Familienkreis haben wird, dafür aber auf ein Geschenk, das noch gar nicht fertig ist. Doch der Schauspieler ist guter Dinge – auch wenn die Feiertage alles andere als geruhsam werden dürften.

Diesmal verbringt er das Fest der Feste ja auch an einem eher unbeschaulichen Ort: auf einer Baustelle. Insgesamt 230 Quadratmeter nennt das Wuppertaler Taltontheater seit kurzem sein Eigen. Das Ensemble beschenkt sich sozusagen selbst – mit einem neuen Theater. Es ist die erste eigene Bühne, die die Truppe um Regisseur Jens Kalkhorst mit kleinen und großen Dramen, mit Lesungen und vor allem mit Komödien füllen möchte.

Die Vision: Das Ensemble hofft auf einen regen Kulturaustausch

Am 21. Januar soll es so weit sein – damit sich der Vorhang an der Wiesenstraße 118 zum ersten Mal heben kann, müssen allerdings erst einmal die Feiertage genutzt werden. Noch gleicht die 50 Quadratmeter große Erhöhung, die bald schon das Herzstück – eine richtige Bühne – sein soll, nämlich eher einer Ablage für Getränkeflaschen, Leitern und allerlei Handwerker-Utensilien.

„Der Theatersaal wird auf jeden Fall pünktlich fertig werden – und wenn wir noch fünf Minuten vor der ersten Aufführung den letzten Staub wegfegen müssen“, kündigt Meister an. Ob zum großen Stichtag auch die Backstage-Räume bezugsfertig sind, steht hingegen noch in den Sternen – das allerdings sei auch zweitrangig, wie der Schauspieler erklärt.

Hauptsache, das Ensemble kann endlich wieder das tun, was seit Monaten zu kurz gekommen ist: Meister und seine Kollegen möchten einfach „nur“ Theater machen. Wie schwierig es ist, nicht nur das passende Programm zu bieten, sondern vor allem auch die richtigen Rahmenbedingungen zu haben, hat die Gruppe in den vergangenen Monaten schmerzhaft erfahren. Als sich die damalige Geschäftsführerin Martina Steimer überraschend aus dem Rex-Theater zurückzog, verlor das Taltontheater quasi über Nacht seine Haupt-Spielstätte (die WZ berichtete).

Das Theater wird in historischen Farbikräumen eröffnet: Das ehemalige Gold-Zack-Werk steht heute unter Denkmalschutz. Dort, wo früher etwa der Betriebsarzt zu finden war, sollen Maske und Garderobe entstehen. Die künftigen Aufenthaltsräume des Ensembles gehörten früher zur Chef-Etage. Das Herzstück ist jedoch der 160 Quadratmeter große Theatersaal. Er kann mit einem Vorhang geteilt werden, dann ist die Bar im hinteren Bereich abgetrennt. Bis zu 80 Gäste können Platz finden: auf „normalen“ Stühlen, aber auch in sieben Lounge-Sesseln. „Je nach Bestuhlung und Stück gibt es auch Tische.“

Heimelig soll es werden, verspricht Schauspieler David Meister: „Wir wollen es ansprechend gestalten, aber nicht elitär. Es soll Hand und Fuß haben, die Gäste sollen sich wohlfühlen.“ Deshalb übernehmen den Großteil der Renovierungsarbeiten auch Handwerker-Profis. Das Ensemble selbst packt jedoch mit an. „Wir nähen die Vorhänge, installieren die Scheinwerfer, hängen am Ende die Spiegel auf. Vor allem aber streichen wir alles.“ In welchen Farben denn? „Hauptsächlich in Rot und Schwarz, teilweise auch in Grün.“ Karten und Infos gibt es unter Ruf 24 79 860.

www.taltontheater.de

Nach einer monatelangen Odyssee zieht das Ensemble nun an die Wiesenstraße – und macht aus der Not eine Tugend. „Es wäre wahnsinnig schön, wenn hier ein neues Kulturzentrum entstehen könnte“, sagt Meister. Wenn das Ensemble nicht selbst spielt, möchte es die neuen Räume vermieten. Auch neue Schulprojekte kann sich der Schauspieler vorstellen. „Wir haben jetzt viele Möglichkeiten und werden uns mit dem städtischen Kulturbüro zusammensetzen.“

Die Finanzierung: Vereinsmitglieder haben Darlehen aufgenommen

Das Ziel ist hoch gesteckt, der Druck ist ebenfalls groß. Rund 50 000 Euro stecken Vereinsmitglieder aus eigener Tasche in das neue Zuhause – mittels privater Darlehen. Weitere 25 000 Euro steuern Spender und Sponsoren bei. Damit sich das Ganze rechnet, muss das Haus quasi immer halbvoll sein. „Es trägt sich, wenn wir bei jeder Vorstellung durchschnittlich 40 Zuschauer haben.“ Maximal 80 können am Ende im neuen Theatersaal Platz nehmen.

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