Der legendäre US-Musiker Ralph Towner begeisterte im Skulpturenpark mit intensivem Spiel.

Der legendäre US-Musiker Ralph Towner begeisterte im Skulpturenpark mit intensivem Spiel.
Ralph Towner spielte am Donnerstag im Skulpturenpark.

Ralph Towner spielte am Donnerstag im Skulpturenpark.

Andreas Fischer

Ralph Towner spielte am Donnerstag im Skulpturenpark.

Wuppertal. Das Regenradar verhieß nichts Gutes. Also wurde Regenzeug eingepackt. Frühzeitig ange-kommen, konnte gerade noch einer der letzten Parkplätze er-gattert werden. Laut Kennzeichen kamen die anderen Autos aus ganz Deutschland. Dann schlenderte man gemächlich die Hirschstraße hinan. Der Himmel verdunkelte sich mehr und mehr. Oben angekommen, auf der großen Wiese im Skulpturenpark Waldfrieden, war es bald mit der sommerlichen Herrlichkeit vorbei, die den ganzen Tag vorherrschte.

Eine Viertelstunde vor Konzertbeginn war es soweit. Der Regengott machte sein Versprechen wahr und ließ aus den schwarzen Wolken eine ganze Menge frisches Nass herab. Nach einer halben Stunde war das Unwetter zum Glück abgezogen. Keiner der vielen Besucher hatte den Ort des Geschehens verlassen. Regenunterstände waren ausreichend vorhanden. Außerdem war das „bisschen“ Wasser nicht so wichtig.

Man hätte eine Stecknadel fallen hören können

Denn mit nur einer 30-minütigen Verspätung kam schließlich jemand auf die Open-Air-Bühne, auf den sich alle seit Wochen gefreut hatten: Ralph Towner. Bescheiden, ohne irgendein Aufhebens um seine Person machend, setzte er sich auf den schlichten Stuhl, stimmte kurz seine 6-saitige klassische Gitarre, murmelte „Here we go“ und legte mit den ersten drei Stücken los.

Für die Veranstalter war es angeblich ein Wagnis, ein Solokonzert Open Air zu organisieren. Von der ersten Minute an wurden sie eines Besseren belehrt. Man hätte eine Stecknadel fallen hören können, so leise war es im weiten Rund. Nur die Vögel gaben zwitschernd ihre Kommentare zu den gehaltvollen Gitarrenklängen ab. Ansonsten zog der legendäre Musiker aus den USA von der ersten Minute an mit seinem intensiven und dichten Spiel jeden in seinen Bann. Nur zwei kleine Mädchen ließen sich davon inspirieren, tanzten grazil dazu.

Orchestrale und kammermusikalische Klänge

Sein Name wird meistens mit der Gruppe „Oregon“ in Verbindung gebracht, die er 1972 gründete. Man vergisst dabei manchmal, dass Towner auch ein studierter Komponist und klassischer Gitarrist ist, der sich auch als Solist ein weltweites Renommee erworben hat.

Wie kaum ein zweiter versteht er es, auf seinem polyphonen Instrument orchestrale und kammermusikalische Klänge zu erzeugen, seien es Jazz, ernste Musik oder weltliche Mischformen. Seine grauen Haare sind etwas lichter geworden. Doch sein Gitarrenspiel ist so fein, kultiviert, nuanciert wie seit Jahrzehnten bewundert. Altersweise sei seine neueste Solo-Scheibe „My Foolish Heart“ - mit der er sein bisher erlebtes Leben Revue passieren lässt.

Spielte er aber an diesem Abend Titel davon wie „Pilgrim“ oder „I’ll Sing To You“, kamen jugendlich-frische, ganz klare und schöne Töne aus seinem Instrument. Seine brillante Virtuosität wie rasend schnelle Läufe und grifftechnisch halsbrecherisch mehrstimmiges Spiel war nie Selbstzweck.

Seine großen Spannungsbögen bei balladesken Nummern wie „I Fall In Love Too Easily“und der schnelle rhythmische Groove etwa bei „Jamaica Stopover“ sprühten vor purer Musikalität und Spielwitz.

Ganz in sich ruhend faszinierte er ebenfalls mit ungemein sanglichen Vorträgen der Titel „Dolomiti Dance“ und „Anthem“. Der Opener der diesjährigen Reihe „Klangart“ war also in allen Belangen ein voller Erfolg, bis auf einen kleinen Wermutstropfen. Denn nach noch nicht einmal einer Stunde Musik am Stück, nach dem Klassiker „If“, war schon Schluss.

Hätte es nicht noch ein halbes Stündchen mehr sein können? Immerhin bedankte sich Towner für die stehenden Ovationen mit zwei Zugaben.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer