Patrick Stanke wird derzeit in Tecklenburg gefeiert. Trotz seines Erfolgs will der Musical-Star nicht abheben. Der gebürtige Wuppertaler führt ein Leben mit Fallhöhe, Lampenfieber und eigenem Fanclub.

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Patrick Stanke als Heerführer: Radames kommt Aida (Zodwa Selele) näher. Der Langerfelder singt bis zum 5. September in Tecklenburg.

Patrick Stanke als Heerführer: Radames kommt Aida (Zodwa Selele) näher. Der Langerfelder singt bis zum 5. September in Tecklenburg.

Veranstalter

Patrick Stanke als Heerführer: Radames kommt Aida (Zodwa Selele) näher. Der Langerfelder singt bis zum 5. September in Tecklenburg.

Tecklenburg. Wie wird man Musical-Star? Patrick Stanke hat diese Frage schon oft gehört. Und genauso oft hat er dabei in die Augen von neugierigen Journalisten, aufgeregten Fans oder talentierten Nachwuchs-Künstlern geschaut.

Die ultimative Antwort hat selbst Stanke nicht - auch wenn er seit Jahren zur ersten Musical-Riege des Landes gehört. Der 29-Jährige hat aber einen Rat, der von Herzen kommt: "Das Wichtigste ist, sich selbst immer treu zu bleiben, sich realistische Ziele zu stecken und dabei nie die Bodenhaftung zu verlieren."

Wer Träume hat, kann sie auch leben - der Langerfelder ist der beste Beweis. Wobei man kein Träumer sein sollte, wenn man sich realistische Hoffnungen auf eine Bühnenkarriere machen möchte. Wer wüsste das besser als Stanke, der derzeit als Feldherr Radames das "Aida"-Ensemble in Tecklenburg anführt? "Mir hilft es, dass ich eine Familie habe, die mir Halt gibt und bei der ich auch mal nur Patrick sein darf und kein Musical-Star sein muss."

Der Sänger mit dem eigenen Fanclub weiß, wovon er spricht - und wie hart der Weg nach oben ist. Entspannt zurücklehnen kann er sich deshalb nur, wenn er ganz privat ins Kino geht oder mit einem Glas Rioja und einem guten Buch vor dem Kaminfeuer sitzt. Beides macht er sehr gerne. Nur beruflich hilft kein Müßiggang: "Wer oben angekommen ist, muss den Standard halten", sagt er. "Die Fallhöhe ist sehr hoch. Man muss immer an sich arbeiten und sich daran erinnern, wo man eigentlich herkommt." So gesehen muss man sich bei ihm keine Sorgen machen, denn der Lokalpatriot weiß, wo er herkommt: aus Wuppertal.

"Seitdem ich meine Hände einzuordnen wusste, habe ich meine Eltern mit Gitarre und Klavier gequält."

Patrick Stanke über den Beginn seiner musikalischen Karriere

Auch deshalb nimmt er jedes Jahr aufs Neue ein Engagement bei den Freilichtspielen in Tecklenburg an. Der Luftkurort liegt näher an Wuppertal als manch andere Bühne. Denn zu Hause ist der Rock- und Jazz-Fan vor allem auf der Schnellstraße: "Dann läuft bei mir Klassik. Weil ich 80 Prozent der Zeit auf der Autobahn verbringe, ist das der Ort, an dem ich abschalten kann."

Patrick Stanke singt von der Liebe. Er gehört zu den Stars der Freilichtspiele in Tecklenburg und feiert eine ganz besondere Premiere: Zum ersten Mal wird "Aida" in einer Open-Air-Version in Deutschland präsentiert. Bis zum 5. September spielt der Langerfelder den Heerführer Radames.

Die nubische Prinzessin Aida wird nach Ägypten verschleppt und begegnet dort dem Kommandanten Radames. Aida gibt sich stolz, stark und unerschrocken - der mächtige Feldherr ist beeindruckt. Beide verlieben sich ineinander, obwohl ihnen klar ist, dass ihre Gefühle keine Zukunft haben dürften.

Für Tecklenburg spricht aber natürlich noch mehr: Seine Rolle ist keine unbekannte. Schon vor Jahren hörte Stanke auf den Namen Radames. Als Heerführer hat er damals im Essener Colosseum die "Aida"-Zuschauer begeistert. Aufgeregt ist er nach wie vor - "vor jeder einzelnen Vorstellung, egal, ob, wie oft und lang ich eine Rolle bereits gespielt habe. Jedes Mal rutsch mir mein Herz in die Hose und der Puls steigt." Was den Profi allerdings nicht aus dem Konzept bringt: "Ich finde, das gehört dazu. Das bewahrt mir den nötigen Respekt vor jeder Rolle und jedem Auftritt."

Zum Erfolg kam der "Aida"-Spezialist Schritt für Schritt. Und das buchstäblich aus eigenem Antrieb, denn Stanke ist Autodidakt. "Meine Familie hat früh erkannt, dass aus mir kein Klempner oder Maurer wird", verrät er augenzwinkernd. "Seitdem ich meine Hände einzuordnen wusste, habe ich meine Eltern mit Gitarre und Klavier gequält."

Unterstützt haben ihn die Eltern vor allem "ideell und mit dem ganzen Herzen". Finanziell hingegen "war es mit drei Brüdern schwer, mich zu unterstützen". Geschwister zu haben, ist für ihn trotzdem ein unbezahlbares Glück: "Sie sorgen dafür, dass der Kleinste nicht abhebt oder einen Höhenflug bekommt."

Der kleine Bruder, der längst ein großer Sänger ist, antwortet deshalb auf die Frage, wie man Musical-Star wird, auch mit seinem ganz persönlichen Erfolgsrezept. Und das wäre? "Offensive Bescheidenheit mit einem enormen Drang zur Ehrlichkeit."

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