Ein Kommentar von Martina Thöne
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Ein Kommentar von Martina Thöne

Bürgerkrieg in Syrien, Machtkämpfe in der Ukraine, Aufstände in Ägypten. Die Realität ist blutig, die Liste weltweiter Konflikte lang. Ausländische Kampftruppen in Afghanistan, Militäreinsätze in Zentralafrika und weltweite Terror-Angst: Erschreckend viele Länder gleichen einem Pulverfass.

Vor 100 Jahren ist der Erste Weltkrieg ausgebrochen. Krisenherde gibt es nach wie vor mehr als genug. Da kann der geneigte Zuschauer nur staunen, was in Wuppertal passiert: Die Bühnen thematisieren Soldatenleid als allgemeines Phänomen, ohne explizit in die Gegenwart zu schauen und aktuelle Bezüge zu suchen. Die Chance, aufrüttelnd den Bogen zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart zu schlagen, wurde nicht ergriffen, die Möglichkeit, wirklich zeitkritisch den Finger in die Wunde zu halten, verpasst. Eine andere Chance haben hingegen die Wuppertaler Bühnen genutzt. Es ist erstaunlich, wie sie es immer wieder schaffen, in Provisorien Theater zu machen. Erst die Sanierung des Opernhauses, dann die Schließung des Schauspielhauses. Nun fehlt bis zur Eröffnung der neuen Bühne in Barmen eine zweite feste Spielstätte – das städtische Ensemble überbrückt die Zeit, indem es beherzt durch Wuppertal tourt.

In der Börse hat das Stadttheater erneut eine passende befristete Heimat gefunden – und den Raum als solchen maximal genutzt. Die Bühnen sind Meister im Bespielen provisorischer Spielstätten und haben ein Ensemble, das sich sehen lassen kann. Das lässt allerdings nicht darüber hinwegsehen, dass bei ihrer Kriegsstudie – bei einem Thema mit größter gesellschaftlicher Relevanz – mehr möglich gewesen wäre. Das Thema wurde verschenkt.

 

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