Um Menschen im Prekariat dreht sich das Stück „ungefähr gleich“, das am Samstag im Theater am Engelsgarten Premiere hat.

Um Menschen im Prekariat dreht sich das Stück „ungefähr gleich“, das am Samstag im Theater am Engelsgarten Premiere hat.
Wenn die Menschen im Prekariat mehrere Jobs haben, können ja auch die Schauspieler mehrere Rollen übernehmen: Julia Reznik (v. l.), Lukas Mundas, Alexander Peiler, Lena Vogt, Philippine Pachl und Stefan Walz.

Wenn die Menschen im Prekariat mehrere Jobs haben, können ja auch die Schauspieler mehrere Rollen übernehmen: Julia Reznik (v. l.), Lukas Mundas, Alexander Peiler, Lena Vogt, Philippine Pachl und Stefan Walz.

Sebastian Hoppe

Wenn die Menschen im Prekariat mehrere Jobs haben, können ja auch die Schauspieler mehrere Rollen übernehmen: Julia Reznik (v. l.), Lukas Mundas, Alexander Peiler, Lena Vogt, Philippine Pachl und Stefan Walz.

Wuppertal. „Für Schauspieler ist es gar nicht so einfach, normale Menschen darzustellen. Meist haben sie extreme Figuren lieber“, sagt Elias Perrig, Regisseur des Stücks „Ungefähr gleich“, das am Samstag Premiere im Theater am Engelsgarten hat. Aber es geht hier nun mal um normale Menschen zwischen 20 und 45 Jahren, ihre Lebenswünsche, beruflichen Hoffnungen und Anstrengungen. „Ungefähr gleich“ ist das Schicksal der fünf Hauptcharaktere, die nach landläufigen Vorstellungen scheitern – ganz gleich aus welchem gesellschaftlichen Umfeld sie kommen und welche Ausbildung sie absolviert haben.

Der Traum vom sozialen Aufstieg ist längst zerplatzt

Denn spätestens seit der Finanzkrise von 2008 „löst der Kapitalismus sein Versprechen nicht mehr ein, dass es jeder schaffen kann, wenn er nur viel lernt und viel arbeitet“, erklärt Regisseur Perrig – wenn der Aufsteigermythos vom Tellerwäscher zum Millionär überhaupt je funktioniert habe. Stattdessen landen alle Figuren mit ihren Träumen, Talenten und Diplomen im Prekariat, halten sich irgendwie mit Jobs über Wasser. „Es sind Figuren, die wir alle gut kennen, denen wir uns zugehörig fühlen“, sagt die Dramaturgin Cordula Fink-Schürmann. In der Vorbereitung habe man sich unter anderem auch intensiv mit Statistiken über die Entstehung und Verteilung von Vermögen befasst, sagt sie: „Da bekommt man einen ganz anderen Blick für die Verhältnisse.“ Bei den Proben habe man auch die eigene Situation reflektiert, so Perrig: „Verdient ein Schauspieler so viel, dass er davon leben kann? Natürlich nicht.“ Aber wie könne es sein, dass das allgemein gültig wird, dass sich heute kaum noch jemand vorstellen könne, dauerhaft in seinem erlernten Beruf zu arbeiten und davon seinen Lebensunterhalt zu bestreiten? „Bevor ich das Stück gelesen habe, hatte ich mir noch nie überlegt, dass sich so viele Lebenswege ähneln, egal, was die Leute mitbringen“, sagt der Regisseur.

Aufführungen „Ungefähr gleich“ hat am Samstag, 21. Januar, um 19.30 Uhr Premiere im Theater am Engelsgarten. Regie führt Elias Perrig, der in der vorigen Spielzeit in Wuppertal das Stück „Supergute Tage oder Die sonderbare Welt des Christopher Boone“ inszeniert hat.
Tickets Die Karten kosten 24 Euro/19,50 Euro, ermäßigt die Hälfte, Schüler zahlen 6 Euro (Premiere 8 Euro) , Sie sind erhältlich bei der Kulturkarte unter Telefon 563-7666, im City-Center, Schloßbleiche 40, und im Internet auf
www.kulturkarte-wuppertal.de
 

Einen ähnlichen Aha-Effekt erhofft er sich für die Zuschauer: „Ich will ihnen ja nicht vorschreiben, was sie denken sollen. Aber das Stück ist schon ein Pamphlet“, sagt Perrig. Oder wie es der Wirtschaftswissenschaftler Mani in seiner letzten Vorlesung sagt: „Steht auf und verändert die Welt.“ Das Stück geschrieben hat der schwedische Schriftsteller Jonas Hassen Khemiri. 2014 wurde es in Stockholm uraufgeführt, ein Jahr später zeigte das Thalia Theater in Hamburg die deutsche Uraufführung. Der 38-Jährige ist nicht nur mit seinen Romanen („Das Kamel ohne Höcker“, 2003), sondern auch mit seinen Bühnenstücken international erfolgreich. Bevor er anfing, Bücher zu veröffentlichen, hat er in Paris Wirtschaft und Literatur studiert und war danach ein halbes Jahr bei der Uno in New York – eine solide Vorbereitung auf dieses Stück. Elias hat nicht nur die Regie und die Musik übernommen, sondern auch die Bühnengestaltung. „Sie ist relativ simpel, sagt der 51-jährige Schweizer. Auf die Drehbühne hat er eine schmucklose Wand montiert, dadurch würden Räume reingefahren - das sei wie eine fließende Erzählung: „Das Stück tut nie so, als ob wir in einer anderen Realität wären als heute abend im Theater.“ „Ganz schlicht, aber schon als Typen“, hat Kostümbildnerin Sara Kittelmann die Figuren ausgestattet. „Die Leute sind ja wie die in der Schwebebahn. Man darf es für die Bühne nur nicht überdrehen.“ Perrig ergänzt: „Es ist immer eine Schwierigkeit, bei Figuren aus einem unteren sozialen Milieu nicht in die Karikatur zu verfallen– und das wollten wir auf keinen Fall.“

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