„Der Barbier von Barmen“ feierte im Kleinen Schauspielhaus Premiere. Ein heiteres Singspiel um Allüren und Affären.

Liebe, der Wunsch nach Ruhm und Intrigen: In der Garderobe geht es beim „Barbier von Barmen“ rund.
Liebe, der Wunsch nach Ruhm und Intrigen: In der Garderobe geht es beim „Barbier von Barmen“ rund.

Liebe, der Wunsch nach Ruhm und Intrigen: In der Garderobe geht es beim „Barbier von Barmen“ rund.

Tom Buber

Liebe, der Wunsch nach Ruhm und Intrigen: In der Garderobe geht es beim „Barbier von Barmen“ rund.

Wuppertal. So nah erleben die Zuschauer die Sänger der Wuppertaler Bühnen selten: Im kleinen Schauspielhaus hatte die köstliche Zarzuela „Der Barbier von Barmen“ Premiere.

Zehn Musiker des Sinfonieorchesters ersetzen in dieser munteren Komödie ein ganzes Orchester und spielen nicht nur Stücke aus Rossinis „Barbier von Sevilla“, sondern auch aus „Carmen“ und „Toska“. Das spanische Singspiel zeigt eine Welt voller Sehnsüchte, Intrigen und großer Gefühle in einem Opernhaus.

In Jeans, Kapuzenjacke und mit Mütze lümmelt Elena Fink als talentierte junge Sopranistin auf dem Sofa, beißt sich auf die Lippen, sitzt mit den Fußspitzen nach innen – ganz die liebenswerte kleine Göre. Sobald sie aber anfängt zu singen, wird sie zum hinreißenden Star, der neben einem strahlenden Timbre auch über verschiedenste Nuancen in der Stimmgebung verfügt.

Als komische Alte ist ihr Dora Brockmann zur Seite gestellt, die in der Inszenierung Christa Hagenkötter heißt. Stimmlich ist sie zwar den Arien nicht ganz gewachsen, darstellerisch jedoch gibt sie wunderbar die naive, überaus gesprächige Mutter, die immerzu das Talent ihrer Tochter preist, in Wahrheit jedoch vor allem am finanziellen Erfolg interessiert ist. Dumm nur, dass der Vater gegen eine Opernkarriere ist, um seine Liebschaft mit der Diva La Roldán zu verheimlichen.

Wunderbare Bilder: Die herrische Diva und der Ritt auf dem Stier

Wunderbare Bilder erfindet der Regisseur Björn Reinke: So tippeln der unterwürfige Vater (Peter K. Hoffmann), sein Helfer Sanchez (Boris Leisenheimer) und die herrische La Roldán (Michaela Mehring) auf einem fahrbaren Sofa über die Bühne, oder Elena und ihr Verlobter Martin (Miljan Milovic) reiten auf einem schnaubenden Stier, an dem gleichzeitig Bühnentechniker herumschrauben.

Regie-Debüt: Regisseur Björn Reinke gehört seit 2011 als Regieassistent zum Team der Wuppertaler Bühnen und gibt mit dem „Barbier von Barmen“ sein Regiedebüt in Wuppertal. Der gebürtige Hamburger hat in Berlin Regie studiert.

 


Lokale Bezüge: Gemeinsam mit der Dramaturgin Ulrike Olbrich erweiterte Björn Reinke die Zarzuela („spanisches Singspiel“) von Gerónimo Giménez und Manuel Nieto um mehrere musikalische Nummern und schuf eine auf Wuppertal zugeschnittene Text-Adaption.

 


Aufführungen: Die Vorstellung dauert 90 Minuten ohne Pause. Weitere Aufführungen sind am 3. Februar, 18 Uhr, 16. Februar, 20 Uhr, sowie am 10. März um 18 Uhr, am 23. und 28. März jeweils um 20 Uhr im Kleinen Schauspielhaus an der Bundesallee 260 zu sehen.

 


Karten: Tickets können im Internet bei WZ-Ticket gebucht werden. Näheres unter:
www.wz-ticket.de
 

Bühnenbildnerin Monika Frenz hat drei drehbare Bühnenteile geschaffen, die von vorne die Garderoben der Künstler bilden, von hinten jedoch wahlweise die Wohnung der Familie Hagenkötter, Probe- oder Aufenthaltsräume. Kostüme und Requisiten schaffen eine bunte Theaterlandschaft.

Auch der Dirigent Boris Brinkmann wird zum Teil der Inszenierung und probt vom Klavier aus mit La Roldán, die von Michaela Mehring mit wunderbarer Stimme, aber als echtes Ekel, dargestellt wird. Widerspruchslos kommandiert sie ihren „Kater“ – Vater Hagenkötter, der aus Furcht vor seiner Ehefrau in ein Katerkostüm schlüpft – herum, der wiederum eifrig hinter ihr herläuft.

Mit spanischer Begeisterung spielt Oliver Picker den Gesangslehrer Carlos, der Elena schließlich das lang ersehnte Bühnen-Debüt in Vertretung der La Roldán ermöglicht. Das Happy End wird nach 90 kurzweiligen Minuten vom Publikum mit Bravo-Rufen gefeiert.

 

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